07. August 2017 – 16:40
arranpalma
festibalvilanova

In eine Interview mit dem "Spiegel" hat der Bürgermeister der mallorquinischen Hauptstadt Palma, Antoni Noguera, klargestellt, wie seine umstrittenen Äußerungen zu deutschen Touristen zu verstehen sind. Noguera hatte gegenüber der "Mallorca Zeitung" gesagt: "Der Abschaum, der uns geschickt wird, ist nicht angenehm." Diese Äußerung, die anschließend heftig kritisiert wurde, beziehe sich lediglich auf eine Minderheit, die sich daneben benehme, erklärt Noguera gleich zu Beginn des Interviews. Die deutschen Touristen seien "wichtig auf Mallorca". "Aber die­se klei­ne Min­der­heit, die sich hier am Strand von Pal­ma da­ne­ben ­be­nimmt, die­se Deut­schen sind nicht will­kom­men."

In den vergangenen Wochen hatte eine Reihe von Vorfällen auf Mallorca für negative Schlagzeilen gesorgt. In einem Lokal hissten Deutsche die Reichkriegsflagge, brüllten fremdenfeindliche Parolen und bedrängten Frauen. Daneben sorgten randalierende und prügelnde Touristen, die auch tagsüber splitternackt und stockbetrunken herumlaufen, die in der Öffentlichkeit Sex haben oder sich erleichtern, bei der Bevölkerung der Insel für zunehmenden Unmut.

Militante Aktionen. Auch die Aktionen, die sich gegen die unerwünschten Massen richten, werden immer militanter. Waren es zunächst noch symbolische Aktionen wie die "Sperrung" des Tourismusministeriums in Palma, so weiten sich nun die deutlich robusteren Attacken der linksautonomen Jugendgruppe Arran, die in Barcelona begonnen hatten, auf Mallorca aus. Ende Juli stürmte eine Gruppe ein Restaurant am Yachthafen, entzündete Bengalos, bewarf die Gäste mit Konfetti und hielt Spruchbänder mit Klassenkampf-Parolen in die Höhe. Angehörige derselben Gruppe hatten bereits in Barcelona einen Touristenbus gestoppt und mit Parolen besprüht sowie die Reifen von Leihfahrrädern für Touristen zerstochen.

Ironischer Protest. In der Kulturszene wächst der Unmut über die Besuchermassen ebenfalls, wie die "Mallorca Zeitung“ berichtet. So ist auf dem Plakat für ein Festival in Esporles, das Mitte August stattfindet, eine Mallorca-Karte zu sehen, auf der dicht gedrängt Urlauber an Urlauber stehen. In Esporles überragt ein großer Ziegenbock die Szenerie, der ein Schild mit dem Wort „Arruix!“ („weg hier!) in den Händen hält. "Overbocking" lautet das Motto des Festivals,in Anlehnung an das englische Wort „overbooked“. Der Veranstalter erklärte gegenüber der "Mallorca Zeitung“, er habe dem Thema „mit Humor Aufmerksamkeit schenken“ wollen.

Auf Twitter formiert sich indes eine Gegenbewegung. Unter #YoSiQuerioTurismo versammeln sich Befürworter der touristischen Entwicklung und heben deren Bedeutung für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt der Insel hervor.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy warnte am Montag bei einem Besuch auf Mallorca davor, Urlauber schlecht zu behandeln. Die Gäste müssten umsorgt werden, es seien Verantwortungsgefühl und gesunder Menschenverstand gefragt. Schließlich sorge der Tourismus landesweit für 13 Prozent der Arbeitsplätze.

Christian Schmicke

06. August 2017 – 18:00
fivestar

Das Angebot ist ebenso eindeutig wie unmoralisch: Das Unternehmen Five Star Marketing mit Sitz im nordrhein-westfälischen Löhne bietet positive Bewertungen zum Kauf an. Für Portale wie Holidaycheck, Tripadvisor, Amazon, Ebay, Google, Trustpilot oder Jameda können Kunden Pakete erwerben, die eine festgelegte Zahl positiver Bewertungen enthalten. Eine Bewertung auf Holidaycheck kostet 19,95 Euro, den Zehner-Pack gibt’s für 189,85 Euro. Für Tripadvisor sind die Pakete etwas günstiger: Mit 119,95 Euro für ein Dutzend Bewertungen ist man dabei.

Mit "Geld-zurück-Garantie". Bei seinen Versprechungen trägt der "Partner für qualitatives Review- und Rating-Management", der laut Unternehmensregister im April dieses Jahres gegründet wurde und über ein Stammkapital von 800 Euro verfügt, dick auf. "Wir garantieren Ihnen, dass wir aus unserem großen Pool die Produkttester finden, die Ihr Produkt bzw. Ihre Dienstleistung zu schätzen wissen und entsprechend bewerten. Sollten Sie mit unserem Service nicht zufrieden sein, bieten wir Ihnen eine 30 Tage Geld zurück Garantie an", versichert der Bewertungsverkäufer auf seiner Website Fivestar-Marketing.net.

"Völlig legal." Die Praxis, Bewertungen für Holidaycheck, Tripadvisor & Co. zu kaufen oder zu verkaufen, sei juristisch einwandfrei, erklärt das Unternehmen. Allerdings gelte es "einige Regeln zu beachten". So dürften "die eingesetzten Produkttester/Rezensenten zum Beispiel nicht befangen sein oder bestochen werden". Es sei "daher wichtig, echte und aus freien Stücken abgegebene Bewertungen zu generieren", heißt es unter Verweis auf Paragraph 4 des Gesetzes gegen unlauteren Wettbewerb. Aber das sei kein Problem: "Durch unsere Reichweite und den großen Pool an Rezensenten können wir genau das garantieren."

Wie eine gekaufte Bewertung, die garantiert positiv ist und für die der Verfasser bezahlt wird, die Qualitätsmerkmale "nicht befangen" und "nicht bestechlich" erfüllen soll, bleibt freilich das Geheimnis der selbsternannten "Bewertungsoptimierer". Dass die angeblichen Produkttester im Falle einer Hotelbewertung tatsächlich vor Ort gewesen waren oder ein bewertetes Produkt tatsächlich getestet haben, zählt jedenfalls nicht zu den Voraussetzungen für eine Bewertung via Five Star Marketing.

"Erstklassige, hochwertige Bewertungen". Five Star Marketing sucht seine "Produkttester" unter anderem über Ebay-Kleinanzeigen. "Pro Bewertungen erhalten Sie als Tester zwischen 3-5 Euro, oder ein kostenloses Produkt", heißt es da, und: "Zu den Bewertungen müssen Rezensionen verfasst werden. Gute Deutschkenntnisse und eine weitestgehend fehlerfreie Rechtschreibung sind daher unerlässlich."

Das Risiko, aufgrund auffälliger Bewertungen von den Bewertungsportalen aussortiert zu werden, liegt bei den sogenannten Testern selbst. Denn: "Die Bewertungen müssen mit deinem echten und aktiven Account auf der jeweiligen Plattform (z.B. Amazon oder eBay) abgegeben werden. Es ist nicht zulässig, für Bewertungen Fake-Profile zu erstellen." Dafür zahle das Unternehmen immerhin "sehr gute Honorare, die deutlich über dem Durchschnitt der Branche liegen".

Überlebensfrage. Wenn das Five Star seine vollmundigen Versprechungen tatsächlich einhalten könnte, hätte diese Tatsache das Zeug, Portalen wie Holidaycheck oder Tripadvisor und den Inhalten ihrer Bewertungen jegliche Glaubwürdigkeit zu nehmen. Schließlich stehen sie schon lange im Verdacht, gekaufte oder "gefakete" Bewertungen zu veröffentlichen – wenn auch nicht absichtlich. In manchen Fällen sind Versuche von Hoteliers, sich ihren positiven Leumund selbst zu verschaffen, durchaus belegt. Das Five-Star-Modell liefert sozusagen die offizielle Einladung dazu und macht daraus ein Geschäftsmodell.

Sicherheitslücken. Dementsprechend heikel ist die Angelegenheit für die betroffenen Bewertungsportale wie Holidaycheck und Tripadvisor. Denn sie müssen glaubwürdig vermitteln, dass ihre Sicherheitsmechanismen solchen Praktiken Einhalt gebieten. Und das ist schwierig, weil ihre Filter lediglich anhand von Plausibilitätskriterien und beispielsweise sprachlichen Mustern arbeiten, um schwarze Schafe und gefälschte Bewertungen auszusortieren. Einen echten Nachweis, dass er das bewertete Produkt tatsächlich kennt oder genutzt hat, muss hingegen niemand erbringen.

Gegenmaßnahmen. Tripadvisor erklärt auf Anfrage: "Diese Optimierungspraktiken stellen einen eindeutigen Verstoß gegen die Tripadvisor-Richtlinien dar, sind unethisch und häufig auch gesetzeswidrig." Tripadvisor setze "bewährte Methoden ein, um Optimierungsunternehmen zu fassen". Um Umsatz zu generieren, müssten sich die Bewertungsverkäufer selbst bei Hotels vermarkten. Dabei hinterließen sie "Spuren, die wir aufspüren und sie so erwischen können". Ein eigenes Untersuchungsteam suche zudem proaktiv nach solchen Firmen und biete ihnen seine Dienste an, um sie so zu fassen. Allein in den letzten beiden Jahren sei Tripadvisor gegen 59 Unternehmen weltweit vorgegangen, um das Geschäft mit Bewertungen zu stoppen: "Wir untersuchen jedes Optimierungsunternehmen, auf das wir stoßen - auch Five Star Marketing."

Zugleich versucht die Plattform, gefälschte und gekaufte Bewertungen als Randphänomen darzustellen. Versuche von Betrieben, mit dieser Art von Unternehmen zusammenzuarbeiten, seien selten, heißt es. Die überwiegende Mehrheit sei sich "des Risikos eines Reputationsverlustes und des Schadens für ihren eigenen Betrieb wohl bewusst, wenn sie versuchen würden, Tripadvisor-Nutzer in die Irre zu führen". Schade nur, dass dieser Satz ausgerechnet auf die schwärzesten Schafe, also beispielsweise die schlechtesten Hotels und lausigsten Restaurants, sicher nicht zutrifft.

Christian Schmicke

06. August 2017 – 11:59
hurricaneisabelfromiss

Wetterexperten der Colorado State University sagen ein erhöhtes Risiko vermehrter und stärkerer tropischer Stürme in diesem Spätsommer und Herbst voraus. Grund dafür seien außergewöhnlich hohe Wassertemperaturen in den tropischen und subtropischen Regionen  des Atlantiks. Die Wahrscheinlichkeit, dass mindestens ein besonders starker Hurrikan die US-Küste trifft, sehen die Forscher in diesem Jahr bei 62 Prozent. Im letzten Jahrhundert lag der Wert im langjährigen Schnitt bei 52 Prozent. Dass ein solcher Sturm Florida treffe, sei zu 38 Prozent wahrscheinlich, prognostizieren die Experten. Der durchschnittliche Wert betrug in der Vergangenheit 30 Prozent. Für die Karibik beziffern sie das Risiko mit 51 Prozent und damit um neun Prozent höher als gewöhnlich. Am größten ist die Hurrikan-Gefahr für die mexikanische Ostküste (67%), Kuba (62%) und die Bahamas (61%). Für die Dominikanische Republik weist die Colorado State University keine Werte aus.

Erste Vorboten der Hurrikan-Saison waren schon im Juni und Juli zu spüren. Die Tropenstürme Cindy, Don und Emily zwangen Kreuzfahrtgesellschaften zur Änderung ihrer Routenpläne und führten zu einigen Flugausfällen.

Christian Schmicke

04. August 2017 – 15:56
cordoba

Schön für die Hoteliers, teuer für Urlauber: Um 14 Prozent liegen die Zimmerpreise in der spanischen Hotellerie nach einer Untersuchung des Portals Trivago über denen des Vorjahresmonats. Den stärksten prozentualen Anstieg erlebten die Tarife mit 24 Prozent interessanterweise in der nordspanischen Region Kantabrien, die wegen ihrer eher kühlen Temperaturen vor allem bei spanischen Urlaubern beliebt ist. Dahinter folgt mit einem Zuwachs um 21 Prozent Katalonien. In der katalanischen Metropole Barcelona beträgt die Teuerung 20 Prozent. Am teuersten insgesamt sind die Balearen mit 231 Euro pro Nacht und Zimmer. In der Inselhauptstadt Palma liegt die Durchschnittsrate bei 209 Euro.

Auf den Balearen beträgt der Preisanstieg acht Prozent, während die Kanarischen Inseln um 14 Prozent zulegten. Dennoch sind die Durchschnittspreise auf den Kanaren mit 143 Euro deutlich günstiger als auf den spanischen Mittelmeerinseln. Am günstigsten kommen Reisende in der Region La Mancha mit durchschnittlich 72 Euro pro Nacht weg. Aber auch die Weinregion Rioja ist mit 79 Euro erschwinglich, abenso wie die Hauptstadt Madrid mit 89 Euro. Preisgünstigstes Städteziel ist in puncto Übernachtung Córdoba mit 63 Euro.

Christian Schmicke

03. August 2017 – 17:04
holboxislandmexicostrand-foto-dronepicr

Zu einer ungewöhnlichen, aber offenbar ziemlich wirkungsvollen Maßnahme griffen am Wochenende die Bewohner der mexikanischen Insel Holbox im Norden der Halbinsel Yucatán. Nachdem sie rund eine Woche lang nahezu ohne Wasser und Strom verbracht hatten, machten sie am Wochenende kurzerhand den Hafen  für die Fähre dicht, die Yucatán mit der Insel verbindet, und verhinderten so, dass Besucher dorthin gelangen konnten. Via Facebook ließ die Chefin des örtlichen Hotelverbandes, Barbara Hernandez,wissen, man wolle die Behörden, die sich nicht um die Probleme von Holbox kümmerten, auf diese Weise erneut auf die Misstände aufmerksam machen und sie zum sofortigen Handeln zwingen. "Wir hatten kein Wasser und keinen Strom, und auch die Kommunikation funktionierte ohne Internet und Mobilfunksignal nicht. Die Situation war schrecklich", sagte Hernandez gegenüber mexikanischen Medien.

Behörden ignorierten die Probleme. Gegen die Besucher richte sich die Aktion nicht, erklärte der Hotelverband. "Wir bedauern die Unannehmlichkeiten, aber sie entstehen dadurch, dass wir weder Gästen noch unserer einheimischen Bevölkerung die grundlegendste Versorgung garantieren können", schrieb er. Die Aktion führte offenbar zum Erfolg: Der Gouverneur des Bundesstaates Quintana Roo, zu dem Holbox gehört, sicherte zu, Sofortmaßnahmen  zu ergreifen, um die Strom-  und Wasserversorgung zu stabilisieren. Zur Überbrückung der Wasserengpässe wurden zunächst Tanklaster auf die Insel geschickt. Zudem würden umgehend Mittel zur Verfügung gestellt, um Strom- und Wasserleitungen sowie die Kanalisation zu reparieren, kündigte die Regierung an.

Beliebte Ferieninsel. Holbox gilt als ruhige Alternative zu den Bettenburgen des Badeortes Cancun. Die Insel ist sowohl  als Urlaubsort als auch für Tagesausflüge beliebt. Täglich besuchen rund 5.000 Übernachtungsgäste und zusätzlich 2.000 Ausflügler das Eiland, auf dem 3.000 Menschen regelmäßig und 1.200 weitere während der Hochsaison leben. Die Versorgungsprobleme resultieren nach Angaben der örtlichen Behörden daraus, dass die Ver- und Entsorgungseinrichtungen vor 30 bis 40 Jahren gebaut wurden. Damals lebten 800 Menschen auf der Insel – überwiegend vom Fischfang. Die Vorstellung, dass sich Holbox einmal zum Besuchermagneten entwickeln könnte, lag zu dieser Zeit noch in weiter Ferne. Der Fährhafen ist mittlerweile übrigens wieder offen.

Christian Schmicke

03. August 2017 – 15:54
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Die globalen Kunden von Carlson Wagonlit Travel (CWT) müssen sich an neue Gesichter gewöhnen. Nach 18 Jahren verabschiedet sich Martina Eggler als Vice President Global Strategic Accounts von dem Geschäftsreiseanbieter mit unbekanntem Ziel. Gründe für ihr Ausscheiden bei Carlson Wagonlit sind ebenfalls nicht bekannt. Sie werde sich „neuen Herausforderungen außerhalb von CWT stellen“, so Zentraleuropachef Peter Ashworth.

Ashworth übernimmt Egglers Rolle als Sprecher von Carlson Wagonlit in Deutschland. Die weltweit aktiven Firmen mit Sitz in Zentral- und Osteuropa werden künftig von der globalen Kundenbetreuung unter der Leitung von Sophie Hulgard mit übernommen.

03. August 2017 – 15:17

Das Deutsche Institut für Servicequalität hat Online-Reisebüros und die Websites  von Veranstaltern untersucht. Es gelangt zu dem Ergebnis, dass zwischen den Portalen deutliche Preisunterschiede bei identischen Leistungen auftreten, und dass der Service der Portale "insgesamt nur befriedigend" sei. Getestet wurden 16 reine Vermittlungsportale und neun Veranstalter-Websites.

In puncto Preis ermittelten die Tester im Schnitt Differenzen von mehr als sieben Prozent bei gleichen Rahmendaten, Leistungen und identischem Hotel. In der Spitze lägen die Preisunterschiede bei mehr als 19 Prozent. Auch auf den Portalen der Reiseveranstalter seien die Unterschiede gravierend, so das Institut für Servicequalität. Hier liege der Unterschied zwischen dem günstigsten und dem teuersten Anbieter im Schnitt bei 26 Prozent. Im krassesten Fall habe die Differenz mehr als 50 Prozent betragen.

Schwächen bei E-Mail-Anfragen. Die Servicequalität ermittelte das Institut anhand von je zehn verdeckten Telefon- und E-Mail-Tests pro Anbieter, je zehn Prüfungen der Internetauftritte durch geschulte Testnutzer sowie nach eigener Aussage durch eine "detaillierte Inhaltsanalyse" der jeweiligen Website. Im Fokus hätten dabei unter anderem der Informationswert und die Bedienungsfreundlichkeit sowie Transparenz und Sicherheit gestanden. Neben elf insgesamt guten Anbietern seien gleich sieben der 25 Portale in puncto Kundenorientierung bestenfalls "ausreichend", kritisieren die Tester. Die größten Mängel zeigten sich im Bereich E-Mail: Gleich fünf Reiseportale hätten nicht einmal die Hälfte der E-Mails beantwortet; insgesamt sei mehr als jede vierte Anfrage komplett ohne Antwort  geblieben. Besser hätten die Hotlines abgeschnitten – eine freundliche und kompetente Beratung sei hier eher die Regel als die Ausnahme. Defizite habe der Test aber auch hier aufgedeckt. So erhielten die Anrufer am Telefon zum Beispiel in mehr als 44 Prozent der Gespräche nur unvollständige Auskünfte und oft gingen die Mitarbeiter zu wenig individuell auf die Interessenten ein.

Testsieger unter den Reisevermittlern ist Travelscout24 mit dem Qualitätsurteil "sehr gut". Das Unternehmen unterbreite für alle untersuchten Reisen ein passendes Angebot, heißt es; in sechs von zehn Fällen habe kein anderes Portal den Preis toppen können. Darüber hinaus biete Travelscout24 den besten Service unter den Reisevermittlern. E-Mail-Anfragen seien zügig, vollständig und sehr individuell beantwortet. Der Internetauftritt punkte unter anderem mit einem hohen Informationswert. Rang zwei der Reisevermittler belegt Weg.de, ebenfalls mit einem sehr guten Gesamtergebnis, vor dem Drittplatzierten Thomascook.de. Am Ende der Skala rangieren Ebookers.de, Sonnenklar.tv und 1-2-Fly.com.

Nur Tropo, Neckermann und Alltours "gut". Unter den Reiseveranstalter-Portalen belegt Tropo mit dem Qualitätsurteil "gut" Rang eins. Das Unternehmen biete "sehr gute Konditionen" und liege "preislich bei neun von zehn Pauschalreisen unter dem Durchschnitt – fünf davon sind mit am günstigsten". Tropo zeige außerdem eine gute Serviceleistung – insgesamt wie auch in den einzelnen Bereichen Internet, Telefon und E-Mail. Neckermann-reisen.de und Alltours.de belegen bei den Reiseveranstaltern die Plätze zwei und drei, ebenfalls mit dem Urteil "gut". Schlusslichter sind ITS, FTI und HLX.

03. August 2017 – 14:14
reichethomasrreisebuerohamburg

Wenn der äußere Eindruck nicht täuscht, ist Thomas Reiche gut im Geschäft. Zusammen mit seiner Frau Bettina betreibt er ein Reisebüro in Plön und ein weiteres in Hamburg gegenüber den Landungsbrücken: Die Cruise Lounge. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Reisebüro, Cafe, Bar und Event-Location. Hier werden nicht nur Reisen gebucht, sondern auch Kaffee, Wein oder Cocktails genossen, Info-Abende durchgeführt und After-Work-Parties gefeiert.

Dass Reiche Kreuzfahrtspezialist ist, liegt angesichts seiner Cruise Lounge nahe. Aber er hat noch eine weitere Passion, die mit dem Verkauf von Reisen gut harmoniert: Golf. Auch damit kennt er sich aus – weiß, wo die besten Plätze der Welt zu finden sind, kennt die passenden Unterkünfte, die beste Reisezeit und ist auf dem Laufenden darüber, mit welchem Handicap Golfurlauber auf welchen Plätzen überhaupt antreten dürfen. In der norddeutschen Golfszene ist er bestens vernetzt, was für den Verkauf der Reisen auch nicht unerheblich ist. Und er hat in seinen Reisebüros ein Team, das ebenfalls in der Welt des Golfsports zu Hause ist.

Beratungscenter für andere Reisebüros. Künftig will Reiche sein Golf-Know-how nicht nur für den Verkauf in den eigenen beiden Reisebüros nutzen, sondern auch anderen Reiseprofis mit weniger ausgeprägten Golfkenntnissen dabei auf die Sprünge helfen. Am Standort seines zweiten Büros in Plön, einer Holidayland-Agentur, richtet er ein Servicecenter ein. Das wird mit vier Golf-erfahrenen Ansprechpartnern besetzt und berät Reisebüros, die aus den Katalogen seines neu gewonnenen Partners FTI Golfreisen buchen wollen. Der Münchener Veranstalter hat das Golfangebot in seinen Länderkatalogen, wie bereits berichtet, zur Wintersaison kräftig erweitert. Reiche beriet ihn dabei.

Win-win-Situation. Wenn alles gut läuft, profitieren alle Seiten davon. FTI, weil nun auch unbedarftere Vertriebspartner mit vertretbarem Aufwand und ohne Risiko Reisen aus dem Angebot an Golfpaketen buchen können. Die Reisebüros aus demselben Grund, und weil sie sich gegenüber der anspruchsvollen Golfer-Klientel auch ohne profunde Kenntnisse der Materie nicht mehr blamieren. Und Reiche und seine Mitarbeiter ohnehin, weil sie für ihren Service bezahlt werden.

Komplexe Sache. Beim Verkauf von Golfreisen kommt niemand ohne eine gute Portion Spezialistenwissen aus. Denn sie sind bisweilen eine ziemlich komplexe Angelegenheit. Das beginnt schon bei den Preisen. Während normale Urlaubsreisen etwa in die Vereinigten Arabischen Emirate ziemlich erschwinglich sind, zeichnen sich die Greenfees vor Ort durch exorbitant hohe Preise aus. Das sollten Reisebüros wissen, bevor sie Kunden einen Golftrip in die Golfstaaten vorschlagen. Allerdings seien auch die Qualität der aufwändig zu bewässernden und zu pflegenden Plätze sowie der Service vor Ort Spitzenklasse, versichert der Reisebüroinhaber. Es gebe Kunden, für die dies genau das Richtige sei; man müsse sie nur darauf vorbereiten. Auf der anderen Seite könnten Golfurlauber etwa in Marokko oder auf Zypern, aber auch in Andalusien deutlich günstiger abschlagen.

Tippgeber und Kontrollinstanz. Airline-Konditionen beim Transport von Golfgepäck, die passende Unterkunft in der Nähe des Plätzes, Greenfees und Abschlagzeiten, Transfers, Verleih von Golfmaterial: Die Liste der Themen und der möglichen Fallstricke ist lang. Reiche will den FTI-Vertriebspartnern dabei nicht nur Hürden bei der Buchung ebnen, sondern er versteht sich auch als Tippgeber. Und am Ende, so versichert er, werde jede Buchung noch einmal überprüft. "Dass jemand in ein Hotel in Hurghada eingebucht wird und dazu ein Golfpaket in Sharm el-Sheikh erhält, passiert bei uns jedenfalls nicht“, sagt er lachend.

Christian Schmicke

02. August 2017 – 20:14
neumannschoemigderpart

Wen oder was wollen Nutzer sehen, wenn sie eine Reisebüro-Website aufrufen? Schöne Bilder von Urlaubsregionen, besondere Angebote, Preisknüller, eine Such- und Buchungsmaske oder das Reisebüroteam inklusive Hinweisen auf seine Spezialgebiete und Reisetipps? Diese Frage treibt Reiseüroorganisationen seit langem um.

Die DER-Touristik-Franchisekette Derpart hat ihrer Website nun eine Auffrischung verpasst, die laut Geschäftsführer Aquilin Schömig dafür sorgen soll, dass sie "Neu- und Bestandskunden noch persönlicher beraten" können. Die Startseiten seien "Online-Schaufenster der Büros, denn die meisten User steigen direkt über die Startseiten in die Website ein“, weiß Schömig. Mit Hilfe von Usability-Studien und Auswertungen des User-Klick-Verhaltens sowie der Conversion Rates habe man die Startseite in drei Aspekten verbessert. So sollen zum einen Neukunden, die meist über Suchmaschinen zu Derpart gelangten, schneller einen Überblick über die Möglichkeiten der Reisebüro-Website erhalten. Zum anderen solle der Nutzer mittels einer neuen "Bühnenfläche" mit Reise-Experten-Empfehlungen inklusive Mitarbeiter-Bild und einem prominent platzierten Angebotsmodul zum Verweilen angeregt und letztendlich zum Buchen animiert werden. Und darüber hinaus solle die Bindung der Bestandskunden nicht zu kurz kommen – weswegen das plakative Mitarbeiter-Modul die persönliche Betreuung durch die Reise-Experten noch deutlicher herausstelle.

Außerdem hat die Organisation die Bürokontaktdaten so verändert, dass sie – ähnlich der Live-Infos auf Google Maps – erkennbar machen, ob das Büro gerade geöffnet ist. Im nächsten Schritt solle die Überarbeitung der Reise-Experten-Profile auf dem Programm und auch die individuelle Reise-Anfrage soll weiter verbessert werden, kündigt der Derpart-Chef an.

02. August 2017 – 17:34
saudi-arabien

Wenn von Tourismus in Saudi-Arabien die Rede ist, geht es fast ausschließlich um Pilgerreisen frommer Muslime nach Mekka. Doch das soll sich schon in wenigen Jahren ändern. Die Regierung des Landes will an einem rund 200 Kilometer  langen Küstenabschnitt des Roten Meeres zwischen den Städten Umluj und Al Wajh ein riesiges Tourismusprojekt starten, das nach ihren Vorstellungen "Luxusurlauber aus aller Welt"  anziehen soll. Dafür ist unter anderem die touristische Erschließung von 50 Inseln vorgesehen. Insgesamt soll sich die neue Urlaubsregion über 34.000 Quadratkilometer erstrecken – das ist mehr als die Fläche Belgiens. 2019 soll es losgehen, ab 2022 ist geplant, dass Luxusresorts, Wohnanlagen und die gesamte Infrastruktur inklusive Straßen und Flughafen stehen.

Weg vom Erdöl. Das Tourismusprojekt soll dem arabischen Land helfen, von der einseitigen Abhängigkeit vom Öl loszukommen. Aber ist internationaler Tourismus in einem absolutistisch regierten Staat, in dem eine mittelalterliche Auslegung islamischen Rechts herrscht, Alkohol  streng verboten ist, Frauen in der Öffentlichkeit verhüllt sein müssen, nicht Auto fahren dürfen und  der Vormundschaft ihrer Männer ausgesetzt sind, in dem Amputation, Steinigung, Auspeitschung und Hinrichtungen üblich sind, überhaupt denkbar?

"Semi-autonomer Status. "Wenn sich das Land in Sachen Alkohol und Bekleidungsregeln nicht ändert, lautet die Antwort nein", sagt Crispin Hawes, der bei dem Londoner Politikberatungsinstitut Teneo für den arabischen Raum zuständig ist, der Nachrichtenagentur "Bloomberg". Eine Diktatur ist zwar per se für den Tourismus nicht hinderlich – das lehrt die Erfahrung. Allerdings wollen Urlauber Repression und Einschränkungen nicht am eigenen Leib spüren. Deshalb signalisiert ein Dokument, mit dem die saudische Regierung das Projekt ankündigt, die bisher weitgehend unbewohnte Region solle einen "halbautonomen" Status erhalten und auf der Basis "unabhängiger Gesetze und eines rechtlichen Rahmens"  geführt werden, der durch ein "vertrauliches Komitee" erarbeitet  werde. Zudem sollen Reisende zu der Region visafrei oder auf der Basis von Visa, die sie online ohne große Komplikationen anfordern können, Zugang erhalten.

"Freiere" Zonen. Orte, an denen andere Regeln gelten als  im übrigen Land, sind in Saudi-Arabien nicht völlig unbekannt. So sieht etwa der staatliche Ölförderungs- und Weiterverarbeitungskomplex Saudi Aramco aus wie eine amerikanische Vorstadt. Hier mischen sich die Geschlechter, Frauen dürfen Auto fahren und sich in der Öffentlichkeit kleiden, wie sie wollen. Viele hochqualifizierte Expats aus Europa oder Amerika leben in abgeschotteten, eigenen Welten weitgehend außerhalb des Scharia-Diktats.

"Testphase"  vor dem Baustart. Gegenüber "Bloomberg" äußert ein politischer Kommentator die Einschätzung, die Regierung wolle die Vorbereitungszeit bis 2019 nutzen, um die Reaktion der Bevölkerung auf die Pläne zu testen. Als Argumentationshilfe könnte ihr dabei die Tatsache helfen, dass die geplante touristische Zone, ähnlich wie in Ägypten, weit entfernt ist von den Städten, in denen sich das traditionelle Leben Leben des Landes  abspielt. Zudem rechnet der staatliche Investitionsfond, dem Kronprinz Mohammed bin Salman vorsteht und der das Projekt anschieben soll, mit 35.000 Jobs, die durch den Tourismus zusätzlich entstehen. Ob das genügt, um die religiösen Hardliner im Land zu beruhigen, und ob sich in Saudi-Arabien tatsächlich ein touristisches Konzept umsetzen lässt, das auch für Besucher aus der westlichen Welt oder aus Asien attraktiv ist, steht freilich auf einem anderen Blatt.

Christian Schmicke