18. August 2017 – 16:21
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Nachdem jahrelang trotz etlicher Airline-Pleiten in Europa keine Bewegung in die Diskussion über die Einführung einer verpflichtenden Kundengeldabsicherung für Fluggesellschaften kam, schaltet die Politik jetzt offenbar um. "Wir sollten prüfen, eine europaweite Pflicht der Airlines zur Insolvenzabsicherung zum Schutz der Kunden einzuführen", sagte Bundesjustizminister Heiko Maas dem "Handelsblatt“. Anlass für das Umdenken ist die Airberlin-Pleite, die viele bereits bezahlte Tickets wertlos machen würde, wenn die Airline nicht mehr fliegt. "Bei den Beratungen über die EU-Fluggastrechterichtlinie sollten wir darüber diskutieren, inwiefern eine Insolvenzabsicherungspflicht in die Richtlinie aufgenommen wird", so Maas. Verbraucherschützer fordern das seit langem. "Wir brauchen einen Insolvenzschutz, der alle Fluggäste wirksam gegen eine Insolvenz von Fluggesellschaften absichert", sagt etwa Marion Jungbluth, Teamleiterin Mobilität und Reisen beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Airlines sollten grundsätzlich gesetzlich verpflichtet werden, eine Insolvenzversicherung zugunsten vorausbezahlter Kundengelder abzuschließen.

Auch andere Fachleute registrieren schon länger mit Unverständnis, dass ausgerechnet die Kundengelder für Flüge nicht abgesichert werden müssen, obwohl die Airlines dafür in der Regel bei der Buchung 100 Prozent Vorkasse verlangen. So meint etwa Professor Torsten Kirstges, Direktor des Instituts für innovative Tourismus- und Freizeitwirtschaft am Fachbereich Wirtschaft der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven, die aktuelle Praxis sei "völlig unverständlich und in meinen Augen inakzeptabel und ungerecht gegenüber den Veranstaltern“, die seit vielen Jahren die Kundengelder gegen eine mögliche Insolvenz absichern müssten. Der BGH habe "diese schiefe Praxis 2016 bestätigt und damit ein sinnvolles Urteil des Landgerichts Frankfurt von 2014 aufgehoben", der eine Vorauskasse in Höhe des vollen Flugpreises für unangemessen erklärt hatte. Ähnlich äußert sich Reiserechtler Ronald Schmid. "Es hätte längst Anlässe gegeben, die gesetzlichen Rahmenbedingungen so auszugestalten, dass die Fluggesellschaften verpflichtet wären, in einen Topf für die Absicherung der Kundengelder einzuzahlen. Schauen Sie sich mal an, wie viele Fluggesellschaften in Europa alleine in den letzten 15 Jahren in die Insolvenz gegangen sind oder demnächst gehen werden.“ Leider habe die Politik es immer wieder abgelehnt, hier einen Schutz zu schaffen, der mit dem für Pauschalreisende vergleichbar sei.

Von den Airlines ist nicht zu erwarten, dass sie eine mögliche Neuregelung begeistert mittragen. Sie wehren sich dagegen mit dem Argument, dass ihnen dadurch Wettbewerbsnachteile gegenüber außereuropäischen Carriern entstehen würden.

Christian Schmicke

 

18. August 2017 – 15:09
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Passend zu seiner Autobiographie mit dem Titel "Wie meine Träume fliegen lernten“, deren Veröffentlichung am 2. Oktober geplant ist, hat der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl ein offizielles Angebt für Airberlin abgegeben. In einer Mitteilung seiner Intro Verwaltungs GmbH heißt es, das Ziel der Übernahme sei  es, Airberlin "als Ganzes zu erhalten und als unabhängige Airline fortzuführen". Dazu habe Wöhrl "Partner mit hoher Fachkompetenz" und Finanzinvestoren gewinnen können. Diese Gruppe signalisiere schon seit Jahren Interesse an einer Beteiligung an Airberlin, sei aber nicht berücksichtigt worden. Auch zu den Sondierungsgesprächen sei sie nicht eingeladen worden.

Wie viele andere kritisiert Wöhrl die Bürgschaft der Bundesregierung für die insolvente Airline in Höhe von 150 Millionen Euro. Manches deute daraufhin, "dass hier von langer Hand eine einseitige Strategie zugunsten der Lufthansa" entwickelt worden sei, sagt Wöhrl. Eine Komplettübernahme durch die Lufthansa sei aber aus kartellrechtlichen Gründen nicht möglich.

Mit der Fliegerei kennt sich Wöhrl aus. Er gründete 1975 den Nürnberger Flugdienst, einen Vorläufer von Eurowings. Insgesamt befand sich ein rundes  Dutzend Fluggesellschaften zwischen 1975 und 2015 zeitweise unter dem Dach der Wöhrlschen Firmengruppe, darunter auch die DBA und die  LTU.

 

17. August 2017 – 20:26
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Eine der medienwirksamsten und streitbarsten Reisebüroinhaberinnen des Landes ist bald keine mehr. Zum Ende des Geschäftsjahres schließt Marija Linnhoff ihr Büro in Iserlohn. Der Entschluss sei nicht zuletzt eine Folge der kommenden Neuregelung der Pauschalreiserichtlinie, sagt Linnhoff, die bis zur endgültigen Absegnung durch Bundestag und Bundesrat mit ihrem Verband unabhängiger selbstständiger Reisebüros gegen die Gesetzesnovelle kämpfte.

Geschäftsmodell nicht mehr tragfähig. "Das Gießkannenprinzip, nach dem ich gearbeitet habe, um meinen Kunden das bestmögliche Angebot zu machen, funktioniert in Zukunft nicht mehr“, erklärt Linnhoff. Im Zuge der neuen Gesetzgebung und angesichts steigender Umsatzhürden bei einigen Veranstaltern werde es künftig mehr denn je erforderlich sein, Buchungen gezielt zum einen oder anderen Veranstalter zu steuern, berichtet sie im Gespräch mit Gloobi.de und ergänzt: "Das ist nicht mein Ding."

"Ihr Ding“ soll künftig die Arbeit als Vorsitzende des Reisebüro-Lobbyverbandes sein, den sie gegründet hat und für dessen Führung sie mittlerweile nach eigener Aussage ein bescheidenes Salär erhält. Der VUSR hat mittlerweile 219 stimmberechtigte Mitglieder und eine Reihe von Fördermitgliedern, die nicht stimmberechtigt sind, weil sie kein Reisebüro betreiben – Veranstalter, Versicherungen, weitere touristische Dienstleister und Reisebüroorganisationen.

Breitere Basis. Bis heute wird der Verband fast ausschließlich mit dem Thema Pauschalreiserichtlinie assoziiert, seinem Gründungsanlass. Dass sie den Zusammenschluss künftig auf auf eine deutlich breitere Basis stellen muss, um ihm dauerhaft eine Existenzberechtigung zu verschaffen, ist der Noch-Reisebüroinhaberin klar. Eine ganze Reihe von Ideen hat Linnhoff, die kürzlich vom Branchenverband DRV die Kündigung erhielt, wozu sie sich derzeit nicht öffentlich äußern möchte, auch schon dazu. Zum Beispiel betriebswirtschaftliche Workshops, mit denen ihre Mitglieder auf das sich verändernde Marktumfeld vorbereitet werden. Oder eine Initiative zur Kundengeldabsicherung für Airlines, die durch die Airberlin-Pleite gerade wieder in aller Munde ist. Oder Aktionen für eine entsprechende Absicherung der Reisebüroprovision im Fall von Veranstalterpleiten. Oder eine wirksame Neuauflage der Diskussion um die Entlohnung für Zusatzbelastungen, die den Reisebüros durch unvorhergesehene Ereignisse entstehen – etwa im Fall umfangreicher Flugplanänderungen, Naturkatastrophen, Terror und, wie jetzt gerade, Unternehmenspleiten. Insbesondere gegenüber den Airlines, die die Reisebüros für den Verkauf überhaupt nicht vergüteten, sei das ein wichtiges Thema.

Dass sie mit der Verbandsarbeit künftig ihren Lebensunterhalt bestreiten möchte, daraus macht Linnhoff kein Geheimnis. Aber auch, wenn das nicht klappen sollte, sieht sie nicht schwarz für ihre Perspektiven. "Ich bin in Sachen Lobbyarbeit nicht so schlecht und mittlerweile außerdem ziemlich gut vernetzt – das hat sich herumgesprochen", weiß sie.

Christian Schmicke

 

17. August 2017 – 16:03

Vier von fünf Reisebüromitarbeitern fliegen ein- bis zweimal pro Jahr aus und gehen auf Inforeise, eine kleine Minderheit von sieben Prozent sogar öfter. Allerdings kommen fast 14 Prozent der Expedienten gar nicht raus, wie eine exklusive Umfrage von Counter vor9 mit mehr 650 Teilnehmern zeigt.

Und das Thema Inforeisen bewegt die Gemüter. „Unsere Chefin möchte das nicht“, lautet eine von über 400 Kommentaren vom Counter. „Ich darf nur alle drei bis vier Jahre auf eine Inforeise gehen“ oder „bekomme von der Geschäftsführung keine angeboten“ sind weitere Stimmen vom Counter, die Frust durchblicken lassen. „Aus Compliance-Gründen geht bei uns keiner auf Info“, meint ein anderer.

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Dabei gibt es offenbar Gelegenheiten genug. Denn immerhin 32 Prozent der Reisebüros erhalten mehr als zehn Einladungen pro Jahr. 28 Prozent werden sechs bis zehnmal gefragt, bei 37 Prozent landen eine bis fünf Inforeisen auf dem Tisch. Nur drei Prozent gehen leer aus. Doch oft dringen Einladungen gar nicht bis zum Counter vor. „Der Chef reist gerne, nur wenn die Tour oder der Veranstalter ihn nicht interessiert, dann gibt er die Info weiter“, meint ein Umfrageteilnehmer exemplarisch.

Der Chef bestimmt

Wer fliegt, bestimmt fast immer der Chef. Er hat in 71 Prozent der Reisebüros auch bei Inforeisen das Sagen. Das Team redet bei 32 Prozent mit, die Expedienten selbst bei 20 Prozent. Deren Wünsche werden aber oft berücksichtigt. „Wir stimmen uns im Team ab und der Chef genehmigt es in der Regel“, so handhaben es offenbar viele Büros. Das einladende Unternehmen hat nur bei fünf Prozent der Reisebüros Einfluss bei der Teilnehmerauswahl.

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Dabei spielt die Bedeutung des Zielgebiets für das Büro bei 77 Prozent eine wichtige Rolle. Allerdings meinte einer: „Ich muss sicher nicht fünfmal nach Mallorca, um die Insel verkaufen zu können.“ Die Interessen der Mitarbeiter werden immerhin zu 46 Prozent berücksichtigt. Für 24 Prozent zählt die Leistung des Mitarbeiters. „Eine Info dient immer noch auch als Motivation und Dankeschön“, so ein Kommentar.

Urlaub nehmen für Inforeisen

Eine Mehrheit der Expedienten muss für Inforeisen keinen Urlaub opfern, viele aber doch. Am häufigsten bekommen die Countermitarbeiter eine Inforeise pro Jahr frei. Oft gilt die Regel halb Urlaub, halb Arbeit. Immerhin 24 Prozent müssen immer Urlaub nehmen. Gefrustet meint einer: „Nur Lieblinge werden freigestellt.“ Ein anderer Expedient schimpft: „Es ist schlimm, dass man für eine Weiterbildung Urlaub nehmen muss. Man liegt da ja nicht am Strand.“

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Eventuell anfallende Kosten übernehmen die meisten Büros ganz oder anteilig, nur jeder zehnte Expedient muss dies aus der eigenen Tasche bezahlen.
Wer auf Inforeise geht, hat was zu erzählen. Das müssen fast alle Expis auch, wenn sie zurück sind. 65 Prozent erzählen ihren Kollegen mündlich über ihre Erfahrungen. 34 Prozent müssen sogar einen schriftlichen Bericht verfassen, damit alle im Reisebüro etwas von der Inforeise haben.

Thomas Hartung

17. August 2017 – 15:47
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Für die Touristik ist die Insolvenz von Airberlin eine haarige Sache. Zwar wird nach außen der Eindruck vermittelt, zunächst bleibe alles beim Alten. Der Flugbetrieb werde aufrechterhalten und sämtliche Verbindungen seien sichergestellt, jedenfalls mindestens bis November. Hinter den Kulissen wird allerdings schon eifrig nach Alternativen gesucht – insbesondere für die bevorstehende Wintersaison. Denn ob, unter welchem Dach und in welchem Umfang die Flugzeuge, die derzeit noch zu Airberlin gehören, im Winter ein stabiles Flugprogramm absolvieren können, ist völlig unklar.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die österreichische Tochter Niki, die mit 20 der insgesamt 140 Airberlin-Maschinen den Verkehr in die touristischen Ziele mit Ausnahme der Fernstreckendestinationen übernommen hat. Sie ist zwar formal nicht von der Airberlin-Pleite betroffen, aber als Tochtergesellschaft der insolventen Airline bleibt sie von deren Turbulenzen natürlich nicht unberührt. Eigentlich hatte Airberlin-Gesellschafter Etihad schon 300 Millionen Euro nach Berlin überwiesen, um Niki zu übernehmen. Doch da die Behörden den Deal bislang nicht abgesegnet haben, ist die Übernahme nicht rechtskräftig.

Lauda sieht schwarz. Der Gründer der Airberlin-Tochter, Niki Lauda, bereitet sich bereits öffentlich auf das Aus für den Ferienflieger vor. "Niki ist noch Teil der Airberlin. Ich fürchte, damit dauert es nicht mehr lange, bis sie auch Insolvenz anmelden müssen“, erklärte der ehemalige Formel-1-Rennfahrer, der sich Ende 2011 von seinen Airberlin- und Niki-Anteilen trennte und heute Anteile am Formel-1-Renstall von Mercedes hält. Es sei "eine Frage der Zeit“, zitieren ihn auch die "Salzburger Nachrichten“. Es sei denn, Lufthansa schlage mit dem Eurowings-Konzept auch in Österreich zu und übernehme Niki. Aber das werde schwierig. Deshalb prophezeit er: "Sie werden noch weitere Flugzeuge und Besatzungen übernehmen und dann die Firma Airberlin mit 1,3 Milliarden Euro Schulden in Konkurs schicken."

Lufthansa hätte Niki gerne. Dabei ist Lufthansa nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung", die sich auf Insiderkreise beruft, durchaus an einer Übernahme von Niki interessiert. Die Kranich-Airline wolle im Idealfall etwa 90 Flugzeuge von Airberlin übernehmen und unter der Marke Eurowings weiterbetreiben, berichtet die "Süddeutsche". Darin enthalten seien 38 Maschinen, die sie schon jetzt mitsamt Besatzungen mietet, bis zu 40 weitere Kurz- und Mittelstreckenjets sowie voraussichtlich die Mehrzahl der 17 Großraumflugzeuge, die Airberlin auf Langstrecken vor allem von Düsseldorf aus einsetzt. Besonders wichtig sei in diesem Zusammenhang auch der Zuschlag für Niki. Dieser könnte dem Ferienfluggeschäft der Tochter Eurowings einen kräftigen Schub geben.

Würde Niki allerdings tatsächlich von Lufthansa übernommen und dann in Eurowings integriert, hätten dabei neben der EU-Kommission gleich mehrere nationale Kartellämter ein Mitspracherecht. An wichtigen Abflughäfen, wie zum Beispiel Wien, Düsseldorf, Berlin-Tegel, München und Stuttgart müsste Lufthansa der Konkurrenz Zugeständnisse machen. Und selbst wenn die Regierungen von Österreich und Deutschland den Deal ohne große Einschränkungen durchwinken würden, wären Kartellklagen anderer Fluggesellschaften aus dem EU-Raum vorprogrammiert – allen voran von Ryanair.

Christian Schmicke

 

16. August 2017 – 17:19
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Das exklusive Segment der Expeditionskreuzfahrten erhält erneut Zuwachs. Nach Informationen des Fachportals "Cruise Industry News" will die Reederei Nordic Cruise Company den Bau von vier Schiffen für jeweils 220 Passagiere vorantreiben. Das erste soll im Mai 2020 ausgeliefert werden und drei weitere in zehnmonatigen Intervallen folgen.

Die Expeditionsschiffe, die laut Nordic-Chef Ulf Henrick Wynnsdale "im Design einer Superyacht" gebaut werden, sollen in Sachen Komfort Maßstäbe setzen. Sämtliche Kabinen sind mindestens Suiten und mit bis zum Boden verglasten "Infinity-style"-Balkonen versehen, und auch in puncto Technik sollen die Nordic-Schiffe ganz vorne mitschwimmen. So plant Wynnsdale die Ausstattung mit einem Flüssiggasantrieb, der für durchgehende Fahrten von bis zu 36 geeignet sein soll, ebenso wie den Einbau von Wasserstoff-Brennstoffzellen. Gebaut werden die Schiffe in der MetalShips & Docks -Werft in Vigo an der nordwestlichen Atlantikküste der spanischen Halbinsel.

16. August 2017 – 16:13
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Die Inselregierung nimmt nach der Neuregelung der Vermietung von Ferienwohnungen nun die Hotellerie ins Visier. Unter anderem sollen die Kriterien zur Vergabe von Hotelsternen überarbeitet werden. Unter den rund 360 vorgesehenen Kategorien sollen künftig auch solche sein, die das Wohl der Mitarbeiter im Auge haben. So ist geplant, dass es für die Anzahl der Angestellten pro Gast, angemessene Arbeitszeiten und Gehälter sowie Maßnahmen zur Gleichstellung männlicher und weiblicher Angestellter Pluspunkte gibt. Das berichtet die Tageszeitung "Ultima Hora". Einige Kriterien, wie etwa der tägliche Wechsel von Handtüchern auf Wunsch oder die Bereitstellung frischer Bettwäsche mindestens einmal pro Woche, sollen verbindlich sein, um eine bestimmte Anzahl von Sternen zu erhalten. Andere, wie zum Beispiel ein beheizter Pool oder eine Sauna, tragen durch zusätzliche Punkte dazu bei, zur angestrebten Auszeichnung zu gelangen.

16. August 2017 – 14:28
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Nach dem Insolvenzantrag der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft und einem Kredit des Bundes über 150 Millionen Euro ist der Flugbetrieb voraussichtlich für etwa drei Monate gesichert. Allerdings hat Konkurrent Ryanair gegen eine mögliche Übernahme von Airberlin-Anteilen durch Lufthansa und gegen den Hilfskredit beim deutschen Bundeskartellamt sowie bei der EU-Wettbewerbskommission Beschwerde eingelegt. Es handele sich um einen "offensichtlichen Komplott zwischen der deutschen Regierung, Lufthansa und Airberlin", argumentiert die irische Fluggesellschaft. Dabei würden "die Airberlin-Anteile unter Ausschluss der größten Wettbewerber zerstückelt und sowohl die Wettbewerbsregeln der EU als auch die Bestimmungen zu staatlichen Beihilfen ignoriert". Zwar hat die Bundesregierung bereits erklärt, eine Übernahme von Airberlin insgesamt durch eine einzige Airline komme nicht in Betracht. Zudem rechtfertigte sie die Kreditvergabe mit der Hauptreisezeit und dem Ansinnen, möglichst viele Arbeitsplätze zu retten. Sollten aber die EU-Behörden der Argumentation von Ryanair im Hinblick auf den Kredit folgen, sähe es für den Weiterbetrieb der Flotte schlecht aus.

Was passiert mit gekauften und bereits bezahlten Tickets?
So lange der Flugbetrieb weiter läuft, ändert sich nichts. Bereits gebuchte und bezahlte Flüge zu stornieren, lohnt sich nach Auffassung von Rechtsexperten nicht. Laut Reiserechtler Ernst Führich haben Kunden zwar rechtlich Anspruch auf einen Rücktritt vom Vertrag mit Rückerstattung des vollen Ticketpreises. Praktisch sei man dann aber ein Gläubiger des nunmehr insolventen Vertragspartners wie andere normale Forderungsinhaber auch. Kunden müssten damit rechnen, als nicht "bevorrechtigter" Gläubiger gar kein Geld oder nur eine geringe Quote zurück zu bekommen.

Wie ist die Situation bei Buchungen über Veranstalter?
In diesem Fall sind Reisende abgesichert. Vertragspartner ist nicht die insolvente Airline, sondern der Reiseveranstalter. Dieser muss sich um einen Ersatzflug kümmern, falls der Flug als Teil der Pauschalreise ausfällt. Viele Veranstalter stellen auch für Nur-Flug-Buchungen Sicherungsscheine aus. Auch in diesen Fällen ist das Geld der Kunden abgesichert.

Gelten Entschädigungsansprüche nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung weiter?
Nur in der Theorie. Wenn der Flugbetrieb fortgeführt wird, kann jeder Passagier weiterhin seine Fluggastrechte wie Betreuung, Umbuchung, Rücktritt und Ausgleichszahlungen bei Verspätungen ab drei Stunden oder bei Annullierungen des Fluges geltend machen. Geldansprüche gelten laut Führich allerdings lediglich als normale Forderungen gegenüber dem Insolvenzverwalter. Dass es zu einer Auszahlung kommt, ist unwahrscheinlich.

Was passiert mit Bonusmeilen und Gutscheinen?
Airberlin-Kunden sollten ihre gesammelte Bonusmeilen nach Meinung des Reiserechtlers Paul Degott möglichst bald einlösen. Es sei zwar denkbar, dass ein anderes Unternehmen bei der Übernahme von Airberlin auch das Kundenbindungsprogramm übernehme. Dafür gebe es aber keine Garantie. Erschwerend kommt in diesem Fall hinzu, dass Airberlin das Kundenbindungsprogramm "Topbonus" 2012 als eigenes Unternehmen ausgegliedert und 70 Prozent davon an den Gesellschafter Etihad Airways verkauft hat.
Gutscheine dürfen Unternehmen die sich in Insolvenz befinden, nicht mehr einlösen. Darauf macht der Reiserechtler Ronald Schmid aufmerksam. Kunden hätten dafür zwar im Prinzip einen Ersatzanspruch, diesen müssten Sie aber ebenfalls im Konkursverfahren anmelden.

Was wird aus Niki?
Das österreichische Tochterunternehmen, das die touristischen Verbindungen von Airberlin übernommen hat, ist formal nicht von der Insolvenz betroffen. Allerdings ist die Zukunft unklar. Eigentlich wollte Etihad Airways Niki von Airberlin übernehmen und überwies dafür bereits 300 Millionen Euro nach Berlin. Jedoch ist der Deal von den Behörden bislang nicht genehmigt und damit nicht rechtskräftig. Ob und wenn ja welches Interesse Etihad weiterhin an Niki hat, ist unsicher.

Ist es jetzt noch ratsam, Airberlin-Flüge zu buchen?
Bei kurzfristigen Buchungen halten Experten das Risiko, Geld zu verlieren, für überschaubar. Doch gebe es keine Sicherheit, dass tatsächlich alle Verbindungen aufrecht erhalten oder von einem Nachfolge-Carrier übernommen würden. Bei längerfristigen Buchungen gegen Vorkasse wird hingegen zur Vorsicht geraten. Wenn dennoch gebucht werden soll, dann sind Reisebüros und Kunden bei Veranstalterbuchungen im Rahmen von Pauschalreisen am besten abgesichert.

Christian Schmicke

15. August 2017 – 13:27
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Die hochverschuldete Airberlin hat heute beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. Auslöser sei die Mitteilung des Großaktionärs Etihad Airways gewesen, dass „sie nicht mehr beabsichtigt, Airberlin finanziell zu unterstützen“.

Durch einen Brückenkredit der Bundesregierung werde der Flugbetrieb aufrechterhalten, teilt Airberlin mit. Sie gewährt der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft 150 Millionen Euro Kredit, der von der KfW bereitgestellt wird und durch eine Bundesbürgschaft abgesichert ist.

"Wir befinden uns in einer Zeit, in der sich mehrere zehntausend Reisende sowie Urlauberinnen und Urlauber an verschiedenen internationalen Urlaubsorten und Destinationen aufhalten. Der Rückflug dieser Reisenden nach Deutschland mit Air Berlin wäre andernfalls nicht möglich gewesen", rechtfertigt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt die Finanzhilfe.

Airberlin versichert indes: „Alle Flüge von Airberlin und Niki finden weiterhin statt. Die Flugpläne bleiben gültig. Gebuchte Tickets behalten ihre Gültigkeit. Alle Flüge sind weiterhin buchbar." Das Geld der Bundesregierung dürfte allerdings nur drei Monate reichen.

Die Verhandlungen mit Lufthansa und weiteren Partnern zum Verkauf einzelner Betriebsteilen seien weit fortgeschritten und verliefen erfolgversprechend, so Thomas Winkelmann, CEO Airberlin. „Wir arbeiten unermüdlich daran, in dieser Situation das Beste für das Unternehmen, für unsere Kunden und unsere Mitarbeiter zu erreichen.“ In einem Fernsehinterview ließ er aber auch durchblicken, dass die Insolvenz wohl das Ende der Marke Airberlin bedeute.

Update: Die "Wirtschaftswoche" meldet, dass die Düsseldorfer Juristen Frank Kebekus als Generalbevollmächtigter und Lucas Flöther als Sachwalter die Insolvenz überwachen sollen. Flöther war zuletzt als Insolvenzverwalter des Portalbetreibers Unister in der Reisebranche aktiv.

14. August 2017 – 17:58

Was erwarten die Bundesbürger von ihrem Urlaub? Die Antwort ist ziemlich trivial. Auf der einen Seite stehen Entspannung und Erholung hoch im Kurs - 28 Prozent der Befragten möchten im Urlaub einfach nur abschalten. Ebenso viele möchten dagegen neue Orte und Dinge kennenlernen und 24 Prozent wollen die lokale Kultur und das Essen im Urlaubsland erleben. Das hat die "Consumer Life Studie" der Marktforschungsgesellschaft GfK ermittelt. Ein weiterer Trend, der der Reisebranche Auftrieb verleihen müsste: Fast 40 Prozent der Befragten sagen, Erfahrungen seien ihnen wichtiger als Besitz. Dabei gehe es nicht allein um Nervenkitzel und Spannung, sondern auch darum, "Produkte und Dinge mit allen Sinnen zu erleben und um gemeinsame Erfahrungen, die man mit Freunden und Familie teilen kann", so die Marktforscher.

Abenteuer versus Kulturerlebnis. Bezogen auf das Reiseverhalten gibt es, wenig verwunderlich, deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Zielgruppen: dabei spielen vor allem das Alter der Reisenden und die Tatsache, ob Kinder im Haushalt leben, eine Rolle. Die jungen Gruppen der "iBrains" (15 – 19 Jahre) und Millennials (20 – 34 Jahre) zeigten ein deutlich höheres Interesse daran, neue Orte zu entdecken und Abenteuer zu erleben als die ältere Generation X oder die Babyboomer. "Individualität und Authentizität sind dabei wichtige persönliche Werte, was sicherlich auch den wachsenden Erfolg von Anbietern wie Airbnb erklärt", folgert die GfK. Ältere Menschen hätten dagegen ein größeres Bedürfnis nach Erholung und dem Kennenlernen anderer Kulturen. So sei bei denjenigen die 65 Jahre und älter sind, ein klassisches Vier-Sterne-Hotel nach wie vor die beliebteste Unterkunftsart neben der Unterbringung bei Freunden oder der Familie. Immerhin zwölf Prozent dieser Zielgruppe unternahmen Kreuzfahrten.

Die anderen sind abenteuerlustiger. Im Vergleich mit anderen Nationen seien die Schwerpunkte im Urlaub ähnlich, so die "Consumer Life Studie. Das Kennenlernen anderer Kulturen und erholung stehen acuh international im Mittelpunkt. Interessant sei allerdings, dass der Wunsch, im Urlaub seine Hobbies auszuüben, die Begeisterung für vorausgeplante Touren oder auch die Suche nach Abenteuer in anderen Nationen deutlich ausgeprägter sind als in Deutschland – und dies für alle Altersgruppen.