10. Juli 2017 – 13:05
Tui-Chef: "Wir müssen mehr miteinander streiten"
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Foto: Tui

Der neue Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak spricht mit Gloobi.de über die Notwendigkeit einer neuen Streitkultur im Unternehmen und seine Wachstumspläne im Langstrecken- und Budget-Segment.

Herr Andryszak, Tui Deutschland hat in den vergangenen Jahren einige Führungswechsel erlebt, mit denen sich auch die Unternehmenskultur veränderte. Wie würden Sie Ihren Führungsstil beschreiben?

Andryszak: Es ist mir wichtig, klare Ziele zu definieren und sie gemeinsam zu  verfolgen. Auf dem Weg dahin haben die Mitarbeiter aber Ihre Freiräume.

Sehen Sie in Sachen Unternehmenskultur größere Baustellen?

Nach einigen Jahren, die ich bei Tui Polen verbracht habe, ist mir aufgefallen, dass Tui Deutschland insgesamt sehr konsensgetrieben ist. Ich wünsche mir deutlich mehr Auseinandersetzungen, bei denen jeder seine Position klar vertritt. Die sind nötig, um Fortschritte zu erzielen. Eine Haltung, mit der jeder den Weg des geringsten Widerstandes geht, verhindert das.

Soll aus Tui ein Vorreiter der Streitkultur werden?

Ja, wir müssen mehr miteinander streiten und dürfen keiner Auseinandersetzung aus dem Weg gehen. Allerdings müssen wir dann, wenn eine Entscheidung gefunden ist, wieder alle an einem Strang ziehen.

Insgesamt schien die Strategie  der vergangenen Monate doch recht gut aufzugehen. Tui wächst stärker als der Gesamtmarkt und nähert sich immer mehr dem gesteckten Ziel von 25 Prozent Marktanteil.

Ja, das ist richtig. Aber wir schöpfen die Potenziale der Marke Tui noch  nicht vollends aus. Deshalb gehen wir zum Winter auf der Fernstrecke, wohin in der kalten Jahreszeit übrigens jetzt schon jede vierte Tui-Reise stattfindet, mit einem riesigen Hotelangebot in die Offensive. Und wir erweitern unser Portfolio im Drei- und Dreieinhalb-Sterne-Segment, in dem wir bislang noch unterproportional vertreten sind.

Haben Sie nicht die Sorge, dass Ihnen angesichts der sehr großen Zahl  von Hotels, die Sie über Bettenbanken generieren, und durch den verstärkten Einstieg ins Budget-Segment, die Kontrolle über die Qualität entgleitet und dass das Markenimage darunter leidet?

Wir haben unser Hotelangebot ja bereits stark erweitert, und dennoch ist der Net Promoter Score, der den Anteil der Gäste ausweist, die uns weiterempfehlen, nicht schlechter geworden, sondern hat sich sogar leicht verbessert. Sie können Kunden auch mit einem einfachen Hotel zufriedenstellen. Sie müssen nur in der Produktbeschreibung klar sagen, worum es sich handelt. Das ist vor allem eine Frage der Datenqualität.

Wie wollen Sie die Bettenbanken dazu bringen, ihre Datenqualität zu verbessern?

Eine gute Datenqualität ist die Voraussetzung für eine gute Conversion. Deshalb arbeiten wir laufend gemeinsam mit unseren Partnern an Optimierungen. Dazu zählen zum Beispiel regelmäßige Updates der Daten, um aktuell zu sein und gute Quoten bei Verfügbarkeit und Preisen zu erzielen.

Das Gespräch führte Christian Schmicke