17. August 2017 – 15:47
Was wird nach der Airberlin-Pleite aus dem Ferienflieger Niki?
niki
Foto: Niki

 

Für die Touristik ist die Insolvenz von Airberlin eine haarige Sache. Zwar wird nach außen der Eindruck vermittelt, zunächst bleibe alles beim Alten. Der Flugbetrieb werde aufrechterhalten und sämtliche Verbindungen seien sichergestellt, jedenfalls mindestens bis November. Hinter den Kulissen wird allerdings schon eifrig nach Alternativen gesucht – insbesondere für die bevorstehende Wintersaison. Denn ob, unter welchem Dach und in welchem Umfang die Flugzeuge, die derzeit noch zu Airberlin gehören, im Winter ein stabiles Flugprogramm absolvieren können, ist völlig unklar.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die österreichische Tochter Niki, die mit 20 der insgesamt 140 Airberlin-Maschinen den Verkehr in die touristischen Ziele mit Ausnahme der Fernstreckendestinationen übernommen hat. Sie ist zwar formal nicht von der Airberlin-Pleite betroffen, aber als Tochtergesellschaft der insolventen Airline bleibt sie von deren Turbulenzen natürlich nicht unberührt. Eigentlich hatte Airberlin-Gesellschafter Etihad schon 300 Millionen Euro nach Berlin überwiesen, um Niki zu übernehmen. Doch da die Behörden den Deal bislang nicht abgesegnet haben, ist die Übernahme nicht rechtskräftig.

Lauda sieht schwarz. Der Gründer der Airberlin-Tochter, Niki Lauda, bereitet sich bereits öffentlich auf das Aus für den Ferienflieger vor. "Niki ist noch Teil der Airberlin. Ich fürchte, damit dauert es nicht mehr lange, bis sie auch Insolvenz anmelden müssen“, erklärte der ehemalige Formel-1-Rennfahrer, der sich Ende 2011 von seinen Airberlin- und Niki-Anteilen trennte und heute Anteile am Formel-1-Renstall von Mercedes hält. Es sei "eine Frage der Zeit“, zitieren ihn auch die "Salzburger Nachrichten“. Es sei denn, Lufthansa schlage mit dem Eurowings-Konzept auch in Österreich zu und übernehme Niki. Aber das werde schwierig. Deshalb prophezeit er: "Sie werden noch weitere Flugzeuge und Besatzungen übernehmen und dann die Firma Airberlin mit 1,3 Milliarden Euro Schulden in Konkurs schicken."

Lufthansa hätte Niki gerne. Dabei ist Lufthansa nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung", die sich auf Insiderkreise beruft, durchaus an einer Übernahme von Niki interessiert. Die Kranich-Airline wolle im Idealfall etwa 90 Flugzeuge von Airberlin übernehmen und unter der Marke Eurowings weiterbetreiben, berichtet die "Süddeutsche". Darin enthalten seien 38 Maschinen, die sie schon jetzt mitsamt Besatzungen mietet, bis zu 40 weitere Kurz- und Mittelstreckenjets sowie voraussichtlich die Mehrzahl der 17 Großraumflugzeuge, die Airberlin auf Langstrecken vor allem von Düsseldorf aus einsetzt. Besonders wichtig sei in diesem Zusammenhang auch der Zuschlag für Niki. Dieser könnte dem Ferienfluggeschäft der Tochter Eurowings einen kräftigen Schub geben.

Würde Niki allerdings tatsächlich von Lufthansa übernommen und dann in Eurowings integriert, hätten dabei neben der EU-Kommission gleich mehrere nationale Kartellämter ein Mitspracherecht. An wichtigen Abflughäfen, wie zum Beispiel Wien, Düsseldorf, Berlin-Tegel, München und Stuttgart müsste Lufthansa der Konkurrenz Zugeständnisse machen. Und selbst wenn die Regierungen von Österreich und Deutschland den Deal ohne große Einschränkungen durchwinken würden, wären Kartellklagen anderer Fluggesellschaften aus dem EU-Raum vorprogrammiert – allen voran von Ryanair.

Christian Schmicke