09. November 2016 – 13:59
Wachstumspläne im USA-Geschäft – zertrumpelt?
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Der künftige US-Präsident Donald Trump – Foto: Michael Vadon

Die Reaktion der Veranstalter auf diese Frage ist wenig überraschend. Reflexartig versichern sie, dass Trumps Wahl zum Präsidenten keine negativen Auswirkungen auf die USA-Buchungen haben werde. Stellvertretend für viele steht das Statement, das Tilo Krause-Dünow, Chef des Nordamerika-Spezialisten Canusa, heute früh zu dem Thema ablieferte. "Der neue US-Präsident wird das Reiseland der unbegrenzten Möglichkeiten sicher verändern, aber die Menschen, das Land und die Natur werden weiterhin ein großer Magnet für die Touristen sein, die von diesem Kontinent fasziniert sind oder ihn kennenlernen wollen, auch oder vielleicht gerade nach einer solchen Wahl", erklärt  er, und: "Ein Buchungseinbruch ist daher nicht zu erwarten. Der Wahlsieg von Donald Trump ist zunächst einmal eine Sache der Amerikaner und so werden es auch die deutschen Touristen sehen."

Für die Veranstalter käme ein Rückschlag im USA-Geschäft zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Denn während ihnen wichtige Ziele wie die Türkei, Ägypten oder Tunesien derzeit erhebliche Probleme bereiten, läuft das Geschäft mit Fernreisen in die USA gut. Und so haben etwa FTI und Thomas Cook ihre Nordamerika-Programme zum nächsten Sommer deutlich ausgebaut. Daher mag die demonstrative Gelassenheit auch damit zusammenhängen, dass man eine weitere "Baustelle" derzeit nicht gebrauchen kann.

Unsicherheit im Vertrieb

Im touristischen Vertrieb wird das Thema nicht durchgängig so entspannt gesehen. In einschlägigen Facebook-Foren wird darüber diskutiert, ob man die neuen USA-Kataloge gleich im Müll entsorgen sollte. Einige Reisebüromitarbeiter befürchten, dass Trump im Zuge seiner angekündigten Abschottungspolitik die Einreise erschweren könnte. Andere bringen ihre Ratlosigkeit und Betroffenheit zum Ausdruck, während die Pragmatiker zur Gelassenheit raten und empfehlen, zunächst die weitere Entwicklung abzuwarten. Als möglicher touristischer Gewinner der US-Wahlen wird vielfach das Nachbarland Kanada gehandelt.

Ein positiver Nebeneffekt für die US-Touristik könnte aus dem Wahlergebnis allerdings resultieren, wenn der Kurs des US-Dollars, wie von vielen Finanzexperten erwartet, in den nächsten Wochen und Monaten deutlich nachgibt. Dann würden Reisen in die Vereinigten Staaten günstiger. Zögernde Kunden könnten auf diese Weise doch noch davon überzeugt werden, ihre Amerika-Reise bald anzutreten. Vielleicht behält die Faustregel, mit der der frühere Chef der Frankfurter DER Touristik, Michael Frese, die Frage nach den Auswirkungen politischer Enrtwicklungen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten auf die touristische Nachfrage stets kommentierte, ja ihre Gültigkeit: "Der einzige Faktor, der die USA-Buchungen wirklich beeinflusst, ist der Dollarkurs."