21. April 2017 – 14:40
Viele Inhaber schätzen den Wert ihres Reisebüros falsch ein
ehrichbjoern
Björn Ehrich

Nachfolgeregelungen sind emotionale Vorgänge, die man lange und ausgiebig planen sollte. Fragen an Berater Björn Ehrich, der sich auf Nachfolgeregelungen spezialisiert hat, über typische Fehler, falsche Erwartungen und den richtigen Weg.

Welche Fehler begegnen Ihnen als Berater am häufigsten, wenn Reisebüroinhaber ihr Büro verkaufen wollen?

Ehrich: Es gibt eine ganze Reihe von Fehlern, die oft auftreten. Einer davon ist, dass sich der verkaufswillige Inhaber nicht früh genug mit dem Thema auseinandersetzt. Ein weiterer Punkt ist der, dass viele Inhaber in den Jahren, bevor sie sich zur Ruhe setzen wollen, nicht mehr in ihr Büro investieren. Und ein dritter verbreiteter Aspekt sind eher emotional getriebene Vorstellungen hinsichtlich des Verkaufspreises, der sich erzielen lässt.

Wann sollte ein Unternehmer denn damit beginnen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen?

Jedenfalls nicht erst kurz bevor er Schluss machen will. Wir bieten deshalb zum Beispiel Unternehmensbewertungen an, bei denen der Inhaber einen Einblick erhält, wie viel sein Büro wert ist. Wenn man vorhat, sich mit Mitte 60 zur Ruhe zu setzen, sollte man mit Mitte 50 schon einmal ermitteln lassen, wo man steht. Denn wenn alles glatt läuft, hat man dann noch genügend Zeit, Dinge zu korrigieren, um die Übergabe des Büros als Teil der Altersversorgung zu gewährleisten.

Haben Sie eine grobe Richtschnur, wie sich der Wert eines Reisebüros ermitteln lässt?

Grundsätzlich kann man sagen, dass der Käufer den Kaufpreis inklusive Zins, wenn er einen Kredit aufnimmt, nach sechs bis acht Jahren wieder eingespielt haben sollte. Auf dieser Grundlage handeln auch die Banken bei der Kreditvergabe.

Gibt es einen Punkt, an dem Übernahmen besonders häufig scheitern?

Da alle Beteiligten nur Menschen sind, gibt es natürlich eine Reihe möglicher Knackpunkte. Zwei davon spielen aber besonders häufig eine Rolle. Zum einen tun sich viele langjährige Reisebüroinhaber schwer, ihr „Baby“ loszulassen. Das kann dazu führen, dass ein möglicher Käufer entnervt aufgibt. Und dann ist da der Notartermin. Das ist für den Verkäufer ein sehr emotionaler Moment, in dem ein falsches Wort manchmal eine Kettenreaktion auslöst. Ich weiß, das klingt jetzt nicht ganz uneigennützig, aber allein deshalb ist es hilfreich, sich dabei professionell begleiten zu lassen.

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