19. Dezember 2017 – 17:18
Veranstalter suchen fieberhaft nach Ersatz für Niki
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Foto. Anna Zvereva/Creative Commons

Kurz vor Beginn der Weihnachtsferien macht die Niki-Pleite den Veranstaltern jede Menge Arbeit. Urlauber, die noch mit Niki in die Zielgebiete gereist waren, pünktlich vor Weihnachten nach Hause zu bringen, ist die eine Sache. Passende Flüge für jene Kunden zu finden, die ihren Urlaub inklusive Niki-Flug in den Weihnachtsferien gebucht hatten, das andere Problem. Marktführer Tui schätzt, dass rund 5.000 seiner Gäste bis zum Jahresende von der Niki-Pleite betroffen sind. Bis zum Ende der Sommersaison seien es knapp 36.000.

Sonderflüge von Tuifly und Condor. Sorge, nicht verreisen zu können oder am Urlaubsort festzusitzen, müsse jedoch niemand haben, beteuert Tui. Für sämtliche Kunden könnten passende Flüge gefunden werden. Dazu beitragen sollen unter anderem 60 Sonderflüge noch in diesem Jahr, größtenteils mit der hauseigenen Tuifly. Sonderflüge legt auch Condor auf. Sieben Sondermaschinen setze man ein, um Kunden in den Urlaub oder nach Hause zu befördern, teilt das Mutterunternehmen Thomas Cook mit. Wie viele Kunden ursprünglich auf Niki-Flüge gebucht waren, kann oder will der Konzern nicht sagen.

Neue Flugzeiten, Flugtage und Airports. Auch DER Touristik, Alltours und FTI hüllen sich zur Zahl betroffener Gäste in Schweigen. Zugleich sind sie bemüht, den Eindruck zu erwecken, dass sie die Lage im Griff haben. Gleichwohl räumen sie ein, dass es zu Weihnachten Engpässe gibt. Geänderte Flugzeiten sind bei Flugumbuchungen der Normalfall, aber auch neue Abflughäfen und geänderte Reisetage sind an der Tagesordnung. Der Duisburger Veranstalter Schauinsland Reisen, der nach eigener Aussage täglich für 150 bis 300 Gäste Alternativen finden muss, erklärt, rund 80 Prozent der Fälle seien binnen kurzer Zeit lösbar. Und wenn Probleme aufträten, versuche man, "im Sinne der Kunden eine Lösung zu finden".

Für manche Kunden muss ein neues Ziel her. DER Touristik teilt mit, Gästen, die nicht umgebucht werden könnten, biete man veränderte Reisetermine an. Zudem schlage man den Kunden Umbuchungen auf alternative Strecken und Ziele vor. Auch FTI-Geschäftsführer Ralf Schiller bestätigt, dass sich die Suche nach Alternativen nicht immer ohne Airport- und Verkehrstagswechsel bewerkstelligen lasse. "Für einzelne Zielgebiete, wie beispielsweise Madeira, wo Flugkapazitäten begrenzt sind, bieten wir Kunden in bestimmten Fällen andere Destinationen an", sagt er.

In zwei Tagen auf die Kanaren. Wie umständlich und kostspielig die Suche nach Lösungen für Urlauber und Veranstalter sein kann, zeigt ein Beispiel von DER Touristik. Die befördert Kunden aus Wien und Salzburg, die am Heiligabend von Wien oder von Salzburg via München nach Gran Canaria fliegen sollten, nun am 23. Dezember zunächst nach Hannover, wo sie auf Kosten des Veranstalters übernachten und verpflegt werden. Von dort aus geht es am 24. weiter auf die Kanareninsel.

Vorteil: Charter. Auf Entspannung dürften die Zeichen erst zum Ende der Weihnachtsferien nach dem 8. Januar  stehen, wenn die saisontypische Nachfragedelle einsetzt. Für die mittel- und langfristigen Planungen der Veranstalter bleiben indes viele Fragen offen. Zuverlässige Planungen gestalten sich vor diesem Hintergrund schwierig. Wer einen größeren Teil seiner Flugplanungen mit Chartern außerhalb der Airberlin-Gruppe geregelt hat, ist 2018 jedenfalls klar im Vorteil.

Christian Schmicke