11. April 2017 – 12:43
United-Chef erklärt Vorgehen seiner Crew gegen Passagier für korrekt
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United-Chef Oscar Munoz – Foto: United

Viel schlimmer kann es eigentlich nicht laufen: Sicherheitskräfte befördern einen Passagier am Flughafen von Chicago äußerst gewaltsam aus einer überbuchten Maschine. Das Ganze wird per Smartphone gefilmt, millionenfach geteilt und bestimmt weltweit die Schlagzeilen in den Social Media, aber auch in sämtlichen anderen Medien. Bei dem Mann handelte es sich weder um einen Terrorverdächtigen noch um einen Randalierer, sondern um einen ganz normalen Passagier, der seinen gebuchten Flug in Anspruch nehmen wollte und ihn verlassen sollte, damit eine United-Crew seinen und die Plätze einiger anderer Passagiere einnehmen konnte.

Während sich im Gefolge der Affäre ein wahrer Shitstorm über der Airline entlädt, versucht United-Vorstandschef Oscar Munoz mit einer E-Mail an seine Belegschaft auf der Basis von Berichten der Beschäftigten die Wogen zu glätten. Ob er damit Erfolg hat, ist fraglich. Denn in seiner Mail bedauert Munoz zwar, dass diese Situation entstanden sei. Er gibt aber die Schuld daran weitgehend dem betroffenen Passagier und ruft seine Mitarbeiter dazu auf, "weiterhin über sich hinaus zu gehen und sicherzustellen, dass wir korrekt fliegen".

1.000 Dollar Entschädigung waren im Angebot. Seine Version der Ereignisse lässt sich etwa so zusammenfassen: Am Sonntag seien die Mitarbeiter am Gate nach abgeschlossenem Boarding für den voll besetzten Flug von einer United-Crew angesprochen worden, die "dringend an Bord" gemusst habe. Daraufhin habe die Suche nach Freiwilligen begonnen, die bereit gewesen seien, das Flugzeug zu verlassen. In diesem Zusammenhang seien den Passagieren zu 1.000 US-Dollar Entschädigung angeboten worden. Da sich nicht genug Aussteigewillige gefunden hätten, habe die Crew den "involuntary denial of boarding process" eingeleitet – im Klartext also Passagiere herausgepickt und diese zum Aussteigen aufgefordert. Die Entschädigung in Höhe von 1.000 Dollar sei ihnen dabei erneut zugesichert worden, so Munoz.

Ein Passagier, der höflich darauf hingewiesen worden sei, dass ihm der Mitflug untersagt werde, habe lautstark reagiert und sich den Anweisungen der Crew widersetzt. Danach sei er mehrfach erneut angesprochen worden und habe sich dabei zunehmend streitlustig verhalten. Deshalb, so Munoz weiter, hätten die Mitarbeiter hätten keine andere Wahl gehabt, als die Sicherheitsbeamten des Flugzeugs zu verständigen, um den Passagier von Bord zu holen. Nachdem er sich erneut mehrfach geweigert habe, hätten die Sicherheitsbeamten ihn dann gewaltsam aus dem Flugzeug bewegt. Anschließend sei der Passagier erneut an Bord gerannt – entgegen der Anweisung der Crew und des Sicherheitspersonals.

Der gewaltsam hinausgezogene Passagier, der anschließend aus Mund und Nase blutete, hatte mit der mit der Begründung den Ausstieg verweigert, er sei Arzt und müsse am nächsten Tag Termine mit Patienten in Louisville einhalten.

Christian Schmicke