26. Juni 2017 – 20:35
Tui will nicht mehr Veranstalter sein
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Sebastian Ebel – Foto: Tui

Dass sich Tui immer mehr vom Reiseveranstalter zum Hotel- und Kreuzfahrtunternehmen mit angeschlossenem Veranstalter entwickelt, ist keine ganz neue Erkenntnis. Konzernchef Friedrich Joussen hat diese Strategie in Reden und Interviews bereits mehrfach unterstrichen. Doch nun erreicht der Paradigmenwechsel in Hannover eine neue Dimension. Tui-Vorstand Sebastian Ebel, der in diesen Tagen den Chefposten bei Tui-Deutschland an Marek Andryszak übergibt, vermied bei der jüngsten Programmvorstellung gegenüber der Presse konsequent den Begriff Veranstalter und sprach vom "Vermarktungsbereich", der die eigenen "Assets" – gemeint sind Schiffe und Hotels – als "gleichberechtigte Säule" ergänze.

Ebel begründet das damit, dass die rechtliche Konstruktion, die sich mit dem Begriff Veranstalter verbinde, "dem Kunden oft nicht bewusst" sei und dass Tui neben dem Veranstaltergeschäft, auch reine Vermittlung betreibe, wie etwa im Ferienhaussegment. Nicht die Kategorie Veranstalter sondern die Marke Tui solle für Qualität bürgen. Man könnte die Begriffsspielerei als unerheblich abtun, wenn damit nicht das historisch gewachsene Selbstverständnis der Tui, aber auch anderer Veranstalter, so überdeutlich auf den Kopf gestellt würde. Denn die Veranstalter tendierten stets dazu, sich und ihre Rolle als Kern der Touristik aufzufassen – als Bindeglied zwischen Leistungsträgern und Vertrieb und sozusagen als Komponisten des Produktes.

Im Rahmen der neuen Aufgabenteilung kommt dem Veranstalter allerdings nur noch die Aufgabe zu, die ertragsstarken Assets, also die eigenen Hotels und Schiffe, möglichst gut auszulasten und ihre Produkte schnell und wirksam in den Markt zu bringen. Aus der traditionellen Veranstalterperspektive ist das in etwa so, als würde der Schwanz mit dem Hund wedeln. Und der Druck, dies möglichst schnell und effizient zu tun, wächst. So mahnt der neue Tui-Deutschland-Chef Andryszak bereits an, der Aufwand bei der Erstellung der Produkte müsse reduziert und Prozesse schlanker und einfacher gestaltet werden. Auch das ist im Grunde nichts Neues. Aber es zeigt deutlich, dass sich die Tui-Mitarbeiter weiterhin auf bewegte Zeiten einstellen müssen. Denn, so der scheidende Deutschland-Chef Ebel, der sich fortan auf seine Aufgaben im Konzernvorstand der Tui Group konzentrieren will: "Beim Marktanteil haben wir mit mehr als 23 Prozent unser Ziel fast erreicht. Beim Gewinn bleibt dagegen noch viel Luft nach oben."

Christian Schmicke