16. Juli 2017 – 16:13
Tödliche Attacke auf deutsche Urlauber schwerer Rückschlag für Ägypten-Tourismus
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Zwei Deutsche starben am Freitag am Strand des Hotels Zahabia in Hurghada durch Messerstiche eines mutmaßlichen IS-Anhängers. Foto: via Wikimapia

Update 17.7.2017, 14 Uhr

Gerade hatte sich die Nachfrage erholt und die Reiseveranstalter riefen Ägypten schon als Gewinner für den Winter aus, und jetzt das: Ein mutmaßlichen IS-Anhänger erstach am Freitagnachmittag zwei deutsche Touristinnen am Roten Meer direkt am Strand vor ihrem Hotel Zahabia Beach. Vier weitere Urlauber werden dabei verletzt, zwei aus Tschechien und zwei aus Armenien, berichtet das ägyptische Nachrichten-Portal "Ahram Online". Der Angreifer wurde festgenommen.

Erst geredet, dann das Messer gezückt

Der 27-Jährige war offenbar von einem öffentlichen Strand bis zu dem Abschnitt vor dem Hotel Zahabia Beach geschwommen. Dort habe er sich zunächst zu den deutschen Frauen an einen Tisch gesetzt und sich mit ihnen in flüssigem Deutsch unterhalten, schreibt der "Spiegel" und beruft sich auf ägyptische Sicherheitsbehörden. Danach habe der Ägypter ein Küchenmesser gezückt und auf die Urlauberinnen eingestochen. Anschließend sei er zum benachbarten Hotel Sunny Days El Palacia geschwommen, wo er weitere Personen verletzt habe, bevor er überwältigt werden konnte.

Die Motive des bislang unbescholtenen Ägypters sind noch unklar, heißt es von offizieller Seite. Sicherheitskreise gehen allerdings davon aus, dass die Angriff einen islamistischen Hintergrund habe. Der Mann soll während seiner Tat Landleute gewarnt und auf Arabisch "Bleibt weg, ich will keine Ägypter" gerufen haben. Er soll über das Internet Kontakt zum IS gehabt haben, zitieren Korrespondenten ägyptische Sicherheitsbehörden.

Auswärtiges Amt verschärft Sicherheitshinweis nicht

Das Auswärtige Amt seinen Sicherheitshinweis für Ägypten nach dem Anschlag bislang nicht verschärft. Dort heißt es nach wie vor lediglich: "Bei Reisen nach Ägypten, einschließlich der Touristengebiete am Roten Meer, wird generell zu Vorsicht geraten." Und: "Vor Reisen in den Norden der Sinai-Halbinsel und das ägyptisch-israelische Grenzgebiet wird gewarnt. Dies gilt auch für den Reiseort Taba." Abgeraten wird sonst nur vor Reisen in die Sahara.

Entsprechend der Einschätzung des Auswärtigen Amtes sehen auch die deutschen Reiseveranstalter keine Notwendigkeit, kostenlose Stornierungen oder Umbuchungen für Hurghada anzubieten.

Keine kostenlosen Stornierungen oder Umbuchungen

Tui meldet auf Anfrage von Gloobi: "Tui-Gäste sind von dem Vorfall in Ägypten nicht betroffen. Das Hotel Zahabia haben wir nicht im Programm, und auch im benachbarten Hotel Sunny Days El Palacia haben wir derzeit keine Gäste." Tui-Sprecherin Anja Braun weiter: "Unsere Urlauber vor Ort sind ruhig und besonnen. Frühzeitige Rückreisewünsche liegen uns nicht vor. Auch in unseren Call Centern gab es nur sehr wenige Anrufe von Urlaubern, die sich nach der Situation vor Ort informieren wollten."

Ähnlich reagiert Thomas-Cook-Sprecherin Isabella Partasides: "Wir haben beide Hotels nicht im Programm." Und weiter: Die Buchungen für Ägypten hatten in den letzten Wochen stark angezogen. Wir beobachten die Sicherheitslage vor Ort sehr genau und halten uns strikt an die Empfehlungen des Auswärtigen Amtes. Der Reise- und Sicherheitshinweis für Ägypten gilt derzeit unverändert, von daher gelten die regulären Zahlungs- und Stornobedingungen. Unsere Reiseleitung ist mit unseren Gästen in Kontakt, vor Ort ist die Lage ruhig."

Von DER Touristik heißt es: "Das Auswärtige Amt hat seinen Sicherheitshinweis für Ägypten bislang nicht modifiziert und keine Neubewertung der Lage vorgenommen. Daher greifen unsere AGBs in Ägypten nach wie vor. Wir bieten keine kostenlosen Stornierung und Umbuchungen für Reisen nach Ägypten an." Vor Ort lägen derzeit keine Anfragen für vorzeitige Rückreisen vor, so Sprecherin Anne Schmidt weiter. "DER Touristik hat den aktuellen Sicherheitshinweis in den Hotels vor Ort ausgehängt und unsere Gäste vor Ort informieren lassen. Die beiden betroffenen Hotels sind im Katalogportfolio eines DER Touristik-Veranstalters."

FTI hat lediglich das Sunny Days El Palacio im Programm. "Wir bieten aus Kulanzgründen Gästen, die das Sunny Days El Palacio gebucht haben, die Möglichkeit zur Umbuchung in ein anderes Hotel in Hurghada", so FTI-Sprecherin Angela Winter. "Für alle anderen Urlauber gilt: Da bisher vom Auswärtigen Amt keine grundlegende Neubewertung der allgemeinen Sicherheitslage in Ägypten vorgenommen wurde, sind keine kostenlosen Umbuchungen oder Stornierungen möglich und es gelten weiterhin unsere AGBs." Derzeit sei die Lage vor Ort ruhig. Nur vereinzelt wollten Gäste aus dem Sunny Days El Palacio in ein anderes Hotel umziehen, alle anderen wollen ihren Urlaub dort fortsetzen. "Anfragen nach vorzeitiger Abreise haben wir derzeit keine."

Alltours hat beide Häuser nicht im Angebot, sagt Sprecher Goran Goic. Die Lage in Hurghada sei ruhig, es gebe keinen Grund für Umbuchungen oder Stornierungen. Dennoch solle niemand mit Angst in den Urlaub fliegen. Sollte dies der Fall sein, werde man individuelle Lösungen finden, so Goic. Allerdings habe es in Deutschland bislang nur zwei Anrufe von besorgten Kunden gegeben.

Die Antwort von Schauinsland auf die Gloobi-Anfrage steht noch aus.

Thomas Hartung