13. Februar 2017 – 18:46
Thailand will stärker auf grüne Angebote setzen
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Begegnungen mit Land und Leuten – hier eine Station auf einer Tour des Startups Hivesters – sollen in Thailands touristischem Angebot stärker in den Mittelpunkt rücken – Foto: Hivesters

Obwohl die seit Jahren andauernden innenpolitischen Auseinandersetzungen im Land keineswegs gelöst sind, sondern durch die aktuell regierende Militärregierung lediglich unter dem Deckel gehalten werden, boomt der Tourismus in Thailand. Die offizielle Statistik weist für 2016 32,6 Millionen ausländische Besucher aus, das sind knapp neun Prozent mehr als im Vorjahr. Den größten Anteil machen mit mehr als einem Viertel der Touristen die Chinesen aus, aber auch die Zahl der Besucher aus Deutschland wächst beständig und stieg im vergangenen Jahr auf über 800.000.

Schattenseiten des Erfolges. Freilich hatte der starke Zuwachs im Incoming-Geschäft für Thailand nicht nur positive Aspekte, sondern auch seine Schattenseiten. So basierte der Anstieg der Zahl chinesischer Gäste nicht zuletzt auf billigen Lockangeboten, den so genannten "Zero-Dollar-Tours“. Ähnlich, wie es deutsche Urlauber vor Jahren in den Wintermonaten  in der Türkei erlebten, wurden die Touristen dabei mit extrem niedrigen Preisen geködert, um anschließend von einer Verkaufsveranstaltung zur nächsten gekarrt zu werden. Nachdem die Behörden beider Länder erkannt haben, das dies weder für die chinesischen Urlauber gut ist noch für das Image Thailands als Reiseziel, versucht man, dem Treiben Einhalt zu gebieten. Offenbar mit Erfolg: So stellte Thailands Vizepremier Thanasak Patimaprakorn kürzlich bei einem Branchenevent fest, der Anteil der "Qualitätsurlauber“ sei 2016 deutlich angestiegen. "Wir müssen weiter daran arbeiten, die Besucherströme durch neue Attraktionen von den Massenzielen in andere Regionen unseres Landes zu lenken", sagte er.

Ziele abseits ausgetretener Pfade. Auch die Thailand-Werber im deutschen Markt wollen sich nicht auf dem Anstieg der Besucherzahlen ausruhen, sondern die Gunst der Stunde nutzen, um auch weniger bekannten Teilen des Landes zu mehr Besuchern zu verhelfen. Ein Projekt, das dazu beitragen soll, seien die "Hidden Gems“, die "verborgenen Perlen“ des Landes, erläutert Denduen Luengcheng, Direktorin des thailändischen Fremdenverkehrsamts in Frankfurt. Das Projekt stellt zwölf wenig bekannte Provinzen in den Mittelpunkt, die es an Kultur und Naturschönheit "durchaus mit den populären Urlaubsdestinationen aufnehmen können“, wie Luengcheng versichert. Dazu gehört etwa die Provinz Nakhon Si Thammarat, rund 780 Kilometer südlich der Hauptstadt Bangkok gelegen. Die gleichnamige Provinzhauptstadt, deren historische Stadtmauer bereits in einer Chronik von 1278 erwähnt wird, gehört zu den ältesten Städten des Landes und gilt als wichtigstes Zentrum des Buddhismus. Nakhon Si Thammarat sei vor allem für seine pittoresken Landschaften, schöne Strände, Tempel und die Kunst des Schattenspiels bekannt, berichtet die Verkehrsamtschefin. Zwei Nationalparks bieten Naturfreunden Einblicke in die heimische Flora und Fauna.

Lebhafte Startup-Szene. Daneben seien in Thailand auch viele neue Unternehmen entstanden, die sich ökologischen Tourismusprojekten und der Nutzung und Förderung lokaler Ressourcen verschrieben habe, erzählt Luengcheng. Als Beispiel führt sie die Schwestern Achi und Mint an. Die Gründerinnen von "Hivesters“, zwei junge Frauen, die aus einer Hoteliersfamilie in Bangkok stammen, bieten unter dem Slogan "Erlebe Thailand wie die Einheimischen“ Tagestouren an. Sie drehen sich um Alltagskultur, Traditionen und Kulinarik und beinhalten oft Besuche bei Familien, die den Gästen einen Einblick in ihr Leben gewähren. Mittlerweile ist die Angebotspalette des jungen Unternehmens beachtlich. Sie erstreckt sich von Citytouren in Bangkok über Kochkurse bis hin zu Trainings in Thai-Boxen und Urlaub auf einer Bio-Reisfarm bei Chiang Mai.

Natürlich weiß die Verkehrsamtschefin, dass die wachsende Zahl grüner Angebote abseits der ausgetretenen Pfade den klassischen Badeurlaub nicht ersetzen kann. "Ein Anteil nachhaltiger Angebote von zehn Prozent wäre schon ein Erfolg“, sagt sie. Dabei setzt sie hierzulande vor allem auf die Zusammenarbeit mit kleineren und mittelgroßen Veranstaltern von Studien- und Erlebnisreisen.