14. März 2017 – 13:50
So will Anex Tour am Counter punkten
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Dirk Burneleit – Foto: Anex Tour

Wirklich gewartet hat die deutsche Tourismusbranche auf den neuen Player im Veranstaltergeschäft nicht. Schließlich präsentierte sich der Gesamtmarkt in den vergangenen Jahren allenfalls mit leichten Zuwächsen, und im vergangenen Jahr musste das Veranstaltergeschäft gar einen Rückgang hinnehmen. "Wenn wir im deutschen Markt wachsen wollen, müssen wir anderen etwas wegnehmen", weiß auch Dirk Burneleit, Geschäftsführer von Anex Tour in Deutschland. Der Veranstalter, der sich in türkischem Besitz befindet und bislang vorwiegend in Russland und der Ukraine aktiv ist, startet zum Sommer mit drei Boeing 767 der unternehmenseigenen Azur Air von Düsseldorf, Berlin und München in die klassischen Sonnenziele rund ums Mittelmeer und in die Dominikanische Republik. Kernprodukt sind "Pauschalreisen im mittleren Preissegment", so Burneleit.

Nichts, was nicht alle anderen auch hätten. Dennoch ist der Anex-Chef überzeugt, dass der Newcomer eine gute Chance hat, sich hierzulande durchzusetzen. Dabei will er vor allem mit einer Reihe von Qualitätsmerkmalen für Kunden und Vertriebspartner punkten, die über dem Marktstandard liegen. Die Hotelauswahl erfolgt in fast allen Zielen über einen eigenen Einkauf, den mit Produktchef Markus Leutner ein langjähriger Thomas-Cook-Manager steuert. Lediglich in der Dominikanischen Republik und auf den Kanarischen Inseln stamme der Hotel-Content von Bettenbanken, sagt Burneleit. Dort habe man sich kurzfristig auf anderen Wegen keine ausreichenden Kapazitäten sichern können. In den übrigen Zielen habe Anex Tour nach den Erfordernissen des deutschen Quellmarkts eingekauft und sich auch einige Exklusivitäten gesichert. Dabei profitiere das Unternehmen in den Destinationen von einigen Synergien mit den russisch-ukrainischen Schwestern und von dem Ruf, ein zuverlässiger Partner zu sein, der pünktlich zahle. "Klingt selbstverständlich, ist es aber nicht", sagt Burneleit, der früher selbst in der Hotellerie aktiv war.

Als verlässlicher Partner will sich der Veranstalter auch den Reisebüros präsentieren, auf die er "zu hundert Prozent setzt", wie der Geschäftsführer versichert. Einzelagenturen zahlt er von der ersten Buchung an zehn Prozent Provision, die komplette Vergütung wird im Monat nach der Buchung überwiesen. Bei den Kunden ist es die Summe kleinerer Goodies, die überzeugen soll. So können Gäste, die ihre Buchung bis Ende April abschließen, bis 14 Tage vor der Abreise gebührenfrei auf ein anderes Ziel oder einen anderen Reisetermin innerhalb derselben Saison umbuchen. Die hauseigene Airline befördert standardmäßig 20 Kilo Gepäck und sechs Kilo Handgepäck. Sitzplatzreservierungen sind kostenfrei. Bei Frühbuchern transportiert Azur Air zudem Sportgepäck mit bis zu 30 Kilo Gewicht kostenfrei. Und alle Kunden erhalten gedruckte Reiseunterlagen in Form eines Booklets.

Gleichwohl erscheint das Ziel, im ersten Jahr 100.000 Gäste in den Urlaub zu bringen, ambitioniert. Der Anex-Chef weiß, dass er dafür Geduld aufbringen muss. Schließlich müssen die meisten Reisebüros vorrangig ihre Umsätze mit dem jeweiligen Leitveranstalter unter Dach und Fach bringen, um sich den Sprung in die angestrebte Provisionsklasse zu sichern. Doch er ist sicher: "Wir sind für Vertrieb und Kunden eine attraktive Alternative." (CS)