29. Mai 2017 – 17:13
Ryanair fordert weniger Gebühren und mehr Hotels
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Kenny Jacobs – Foto: Ryanair

Wenn Ryanair in letzter Zeit nicht mit Wachstumsplänen und schrägen Ideen wie Null-Euro-Tickets Schlagzeilen machte, dann war es meist Themen wie Steuerhinterziehung, Solzialdumping und Leiharbeit. Dem will der irische Billigflieger nun offenbar entgegen steuern und versucht, seinen Plänen einen Hauch von gesellschaftlichem Verantwortungsbewusstsein zu verleihen.  

Dass er dabei nicht mit feinem Florett, sondern mit dem Vorschlaghammer vorgeht, liegt wohl in der Natur des Unternehmens. So stellte die Airline gerade im Rahmen einer Konferenz zum Tourismus auf Malta einen "Fünf-Punkte-Plan" vor, der nichts geringeres leisten soll, als "den EU-Tourismus um zehn Prozent zu steigern" – binnen eines Jahres, wohlgemerkt. Blickt man freilich genauer auf das geforderte Maßnahmenpaket, so zeigt sich, dass der große Plan im wesentlichen darauf abzielt, die Rahmenbedingungen für den Low-Cost-Flieger günstiger zu gestalten. Denn, so die zentrale These von Kenny Jacobs, Chief Marketing Officer von Ryanair: "Niedrige Flugpreise sind der zentrale Treiber des regionalen Tourismus und der Schaffung von Arbeitsplätzen." Der Tourismus könne im nächsten Jahr um zehn Prozent wachsen und  zwei Millionen neue Jobs schaffen, "wenn die EU-Mitgliedsstaaten die erforderlichen Maßnahmen vornehmen, um Europäer dazu zu animieren, ihren Urlaub in Europa zu verbringen".

Dabei entsprechen die Vorschläge in ziemlich holzschnittartiger Weise dem, was Ryanair ohnehin stets forderte. So  sollten Flughafengebühren reduziert und Steuern auf Kurzstreckenflügen innerhalb Europas abgeschafft werden. Dem "Mangel an Unterkünften" müsse "durch niedrigere Kosten und dem Bau von mehr Hotels entgegengewirkt" werden. Mit anderen Worten: Was Experten als Auslöser und Antreiber einer ruinösen Preisspirale in der Luftfahrt ausgemacht haben, will Jacobs auch auf die Hotellerie übertragen wissen. Denn, so sein Kalkül: Je stärker dort die Preiskämpfe und je niedriger die Reisekosten, desto besser für Ryanair. Wenn dann noch stärker ins Marketing investiert, neue Ziele erschlossen und die Sasison verlängert werde, könne "der europäische Tourismus eine goldene Wachstumsmöglichkeit gewinnbringend nutzen".

Christian Schmicke