15. Dezember 2017 – 15:09
Riu gibt in der Stadthotellerie Vollgas
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Riu Plsaza New York Times Square – Foto: Riu
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Ricardo Luque – Foto: Riu

Riu hat einen Lauf. Das bescheinigte der mallorquinischen Hotelkette jüngst auch Tui-Chef Friedrich Joussen, dessen Konzern mit 50 Prozent an der Hotelmanagement-Gesellschaft des Familienunternehmens beteiligt ist. Dass die Tui Hotels & Resorts ihr operatives Ergebnis deutlich steigern konnten, habe vor allem am Wachstumstreiber Riu gelegen, sagte Joussen bei der Vorlage der Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres.

Portfolio auf dem Prüfstand. Zu der erfolgreichen Entwicklung trug natürlich der Umstand maßgeblich bei, dass Riu vor allem in Destinationen sehr präsent ist, die in den vergangenen Jahren sehr gefragt waren – wie etwa Spanien und die Karibik. Dabei befindet sich das Unternehmen keineswegs auf einem ungezügelten Expansionskurs. Vielmehr wird die Produktpalette immer wieder überprüft. So zog sich das Unternehmen bereits 2015 aus Kuba zurück, im selben Jahr folgte nach dem Anschlag auf das Riu Imperial Marhaba im tunesischen Ferienort Port el Kantaoui der Rückzug aus Tunesien. In der Türkei wird im März die Zusammenarbeit mit den Kaya Hotels beendet. Jüngster Coup in dieser Hinsicht war der Verkauf des größten Hotelkomplexes von Puerto Plata in der Dominikanischen Republik an die Kette Senator Hotels & Resorts. Für 84 Millionen Euro übernimmt sie die Hotels Bachata, Mambo und Merengue und zusammen fast 1.600 Zimmern.

Starke Investitionen für die Stadthotellerie. Dass Riu sich immer mal wieder von Häusern trennt, hat seinen Grund. Denn wenn das Unternehmen neue Anlagen eröffnet, wird es oft teuer. Anders als andere Hotelketten arbeitet Riu nur selten mit Management- oder Franchiseverträgen, sondern kauft in der Regel gleich die Immobilie. "80 Prozent der Riu Hotels gehören uns", bestätigt Ricardo Luque, der für den Ausbau der Stadthotelmarke Riu Plaza verantwortlich ist. Zu den kostspieligsten Investitionen zählte das 2016 eröffnete 647-Zimmer-Hotel am New Yorker Times Square. "Das war ein Wagnis“, räumt Luque ein. Doch das Hotel sei so schnell erfolgreich geworden, dass Firmenchef Luis Riu gleich nebenan ein weiteres Grundstück für ein Hotel gekauft habe. Und so war im November Baubeginn für das zweite Haus der Marke im Big Apple, das dem ersten in Größe und Design stark ähneln soll.–

Weitere Pläne. Überhaupt ist der Bereich der Stadthotellerie derjenige, in dem die mallorquinische Hoteliersfamilie am stärksten Gas gibt. Seit 2010 investiert Riu in dieses Segment und hat seither Cityhotels in Panama, Guadalajara, Miami, Berlin, New York und Dublin eröffnet  – stets in Toplagen, wie Luque betont. Das trifft auch für das nächste Projekt zu, das Riu Plaza im Hochhauses Edificio España an der Plaza de España in Madrid. Das Hotel in dem historischen Gebäude soll nach umfangreicher Sanierung voraussichtlich 2019 eröffnen. Damit ist die Projektliste aber noch nicht zu Ende. Spruchreif ist zwar noch nichts, aber Luque könnte sich weitere Rius in den USA vorstellen. In Orlando, zum Beispiel, oder in Chicago. Und auch europäische Metropolen hat der Manager fest im Visier. Lissabon hält er für interessant, London ebenfalls. Investitionen in der britischen Hauptstadt seien zwar derzeit extrem  teuer. Aber mit dem Brexit könnte das Preisgefüge dort vielleicht wieder etwas günstiger werden, hofft er.

Christian Schmicke