28. Februar 2017 – 15:30
Richter gibt tunesischer Polizei Mitschuld an Sousse-Toten

Nach sechswöchiger Untersuchung hat ein Londoner Gericht der tunesischen Polizei eine Mitverantwortung für die hohe Zahl von Todesopfern bei der Schusswaffenattacke in Sousse im Juni 2015 zugesprochen. Untersuchungsrichter Nicholas Loraine-Smith stellte am Dienstag fest, die Reaktion der Sicherheitskräfte bei dem Anschlag, der 38 britische Touristen das Leben kostete, sei "chaotisch und feige" gewesen. So seien Polizisten vor dem Attentäter, der am Strand auf Badegäste feuerte und Handgranaten warf, fortgelaufen, um weitere Waffen zu holen, statt ihn zu stoppen. Daraufhin habe der Terrorist das Hotel gestürmt und weitere Urlauber erschossen.

Dem Veranstalter Tui, bei dem die Kunden ihren Urlaub gebucht hatten, und dem Hotel Riu Imperial Marhaba, vor und in dem der Anschlag stattfand, schreibt der Richter keine Verantwortung für den Verlauf der Ereignisse zu. Angehörige der Opfer und ihre Anwälte hatten dem Veranstalter laut dem britischen Fachblatt "Travel Weekly" ein "hohes Maß an Selbstgefälligkeit" angesichts des Risikos, dem seine Gäste ausgesetzt gewesen seien, attestiert. Indem das Unternehmen seiner Verantwortung für die Sicherheit der Gäste nicht gerecht geworden sei, habe es seine Pflichten vernachlässigt.

Der Untersuchungsrichter lehnte es ab, in diesem Zusammenhang eine Vernachlässigung der Sorgfaltspflicht durch Tui oder das Hotel festzustellen. Wenn überhaupt, dann hätte es allenfalls zu einem anderen Fortgang der Ereignisse führen können, wenn das Wachpersonal des Hotels bewaffnet gewesen wäre, sagte er laut BBC. Eine Anwältin, die 22 Familien von Opfern vertritt, kündigte nach BBC-Angaben dennoch an, dass sie zivilrechtliche Klagen gegen Tui einleiten wolle.