12. November 2017 – 18:14
Reiseveranstalter TUI sucht seine Kunden von morgen
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TUI-Deutschland-Chef Marek Andryszak will mehr jüngere Kunden erreichen

„Mit ungefähr 40 wird man zum Tui-Kunden“, erklärt Tui-Deutschland-Chef Marek Andryszak den Lebenszyklus seiner Urlauber. In diesem Alter seien die Kunden beruflich und privat gesettelt und die Kinder zwei bis drei Jahre alt. „Dann bin ich 20 bis 25 Jahren regelmäßig Tui-Kunde.“ Danach ebbe die Reisetätigkeit langsam ab. Das heißt für Andryszak: „Heute sind Best Ager unser Stammklientel.“

Kein Problem für Andryszak in naher Zukunft. „Aber wir müssen uns die Frage stellen, was in 20 Jahren passiert und was ist mit denen, die unter 40 sind?“ Bei ihnen sieht Andryszak großes Wachstumspotenzial. „Darauf werden wir uns in den nächsten Jahren konzentrieren.“

Allerdings zeige die junge Generation ein gänzlich anderes Reiseverhalten. „Die jüngere Zielgruppe bucht zu 80 Prozent Kurzaufenthalte bis vier Tage- und zu 80 Prozent wird online gebucht.“ Bei jetzigen Tui-Stammkunden sei es genau umgekehrt.

Tui müsse ihre Marke für junge Kunden interessanter machen und Wege finden sie zu erreichen. Die Aufgabe von 1-2-Fly und die Integration der Produkte in das TUI-Programm sei ein Schritt dazu. 1-2-Kunden seien jünger als TUI-Kunden und durch den Übergang führe man diese Zielgruppe an die Marke TUI heran, glaubt Andryszak.

Markt für Einzelleistungen wächst stärker

Doch der TUI-Chef weiß auch, dass dies nicht ausreicht. Er sieht, dass das Wachstum weniger im klassischen Pauschalreisemarkt stattfindet, sondern im Broker-Markt, wie er ihn nennt. Darunter versteht Andryszak Hotel- oder Flug-Portale wie Booking. „Der Broker-Markt ist inzwischen größer als der Veranstaltermarkt“, sagt Andryzak. Er beziffert ihn auf 4,5 Millionen Kunden, den Veranstaltermarkt auf 4 Millionen.

Andryszak will diesen Markt nicht aufgeben und mit vielen Projekten um die junge Zielgruppe werben. Etwa über die geolokalisierte Ansprache der TUI-App-Nutzer, TUI-Deals aufs Smartphone, den verstärkten Einsatz von Coupons, Pinterest als weitere Social-Media-Plattform und nicht zuletzt über ein Warenkorbsystem, mit dem sich Kunden online ihre Reise mit wenigen Klicks selbst zusammenstellen können.

TUI will größeres Stück vom Kuchen

Mit der Geschäftsentwicklung im abgelaufenen Sommer zeigt sich der TUI-Chef sehr zufrieden, ohne genaue Zahlen zu nennen. „Trotz Hurrikan Irma und der Air Berlin-Insolvenz sind wir sehr gut durch den Sommer gekommen und verzeichnen derzeit eine starke Nachfrage für den Winter. Im zweiten Jahr in Folge wachsen wir deutlich stärker als der Markt.“ Dementsprechend sei der TUI-Marktanteil in Deutschland laut GfK um gut einen Prozentpunkt auf 23,3 Prozent gestiegen.

Mit der Vielzahl der Vertriebsprojekte, der steigenden Gästezufriedenheit und dem massiven Ausbau des Angebots hofft Andryszak, das TUI-Stück vom Reisekunden weiter zu vergrößern. In den vergangenen drei bis vier Jahren habe TUI die Produktpalette nahezu verdoppelt. Dieser Trends setze sich mit dem neuen Sommerprogramm fort. Die Saison habe „hervorragend begonnen“, mit einem starken Wintergeschäft sei TUI „aktuell gut unterwegs“, sagt Andryszak. „Die Aussichten für den Sommer 2018 sind gut.“ Die Konsumbereitschaft der Deutschen sei unverändert hoch und die Reisepreise blieben annähernd stabil.

Thomas Hartung