21. September 2017 – 15:00
Reiseprofis fordern verpflichtende Kundengeldabsicherung für Airlines
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Die allermeisten Reiseprofis wünschen sich eine verpflichtende Absicherung der Kundengelder bei Insolvenz von Airlines, wie sie auch für Reiseveranstaltern gesetzlich vorgeschrieben ist. Foto: Wikipedia/Avij

In einer exklusiven Online-Umfrage von Reise vor9 und Gloobi.de, an der rund 650 Reiseprofis teilnahmen, sprachen sich 87 Prozent dafür aus, eine verpflichtende Insolvenzschutzversicherung für Fluggesellschaften einzuführen. Etwa zehn Prozent der Befragten, von denen gut zwei Drittel im Reisebüro und etwa 20 Prozent bei Veranstaltern aktiv sind, würden eine solche Absicherungspflicht für die Kundengelder nur dann befürworten, wenn eine weltweite Lösung dafür gefunden würde und deutsche oder europäische Airlines keine Wettbewerbsnachteile wegen höherer Kosten zu befürchten hätten.

Dass die Pleite von Airberlin in der Branche tiefe Spuren hinterlässt, ist mittlerweile hinreichend bekannt. Mehr als ein Viertel der Umfrageteilnehmer gibt an, dass ihr Unternehmen dadurch einen unmittelbaren wirtschaftlichen Schaden erlitten hat, weil es für bereits bezahlte Tickets geradestehen muss. Und eine deutliche Mehrheit von mehr als 60 Prozent ist damit beschäftigt, für betroffene Kunden alternative Beförderungsmöglichkeiten für gestrichene Airberlin-Verbindungen zu finden. Etwa ebenso viele geben an, dass die Airberlin-Pleite ihrem Unternehmen eine Menge zusätzlicher Arbeit bereitet, von der ein erheblicher Teil an Wochenenden und außerhalb der normalen Arbeitszeiten geleistet werden muss.

In Kommentaren äußern viele Touristiker ihr Unverständnis darüber, dass Reiseveranstalter schon lange und vom nächsten Juli an im Zuge der neuen Pauschalreisegesetzgebung auch Reisebüros ihre Einnahmen gegen Insolvenz absichern müssen, während Airlines nicht dazu verpflichtet sind. Die sei insbesondere deshalb absurd, weil die Fluggesellschaften von ihrer Kundschaft stets 100 Prozent Vorkasse verlangten, während Veranstalter Anzahlungsforderungen von mehr als 20 Prozent explizit begründen und die bei der Buchung entstehenden eigenen Kosten nachweisen müssten. Nun seien sie unverschuldet Leidtragende der Versäumnisse des Gesetzgebers.

Christian Schmicke