22. Februar 2017 – 14:00
Reisebüros befürchten den Verlust von Bausteinreisen
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Der Bundestag entscheidet letztlich über die neue Pauschalreiserichtlinie. Am 23. Januar tagt der Ausschuss, wo der DRV die separaten Zahlungen bei verbundenen Reiseleistungen kippen will. Foto: Flickr/Herman

Getrennte Bezahlvorgänge bei der Vermittlung verbundener Reiseleistungen bedeuten das Aus dieses Geschäfts, ist mehr als jedes zweites Reisebüro überzeugt. "Daran wird der Verkauf scheitern. Das Ganze ist kaum vermittelbar", antworteten 55 Prozent der Agenturen in einer Umfrage des Deutschen Reiseverbandes (DRV). 41 Prozent glauben zwar, dass dies nicht einfach wird, "wahrscheinlich werden die Kunden das aber meist hinnehmen". Schließlich gehe das Reisebüro damit auf den besonderen Kundenwunsch ein.

Die meisten individuell reisenden Kunden fragen drei bis fünf Bausteine an (56 Prozent), etwa für Flug, Hotel, Transfer oder Mietwagen. Damit das Reisebüro nicht in die Veranstalterhaftung kommt, müsste es jede einzelnen Leistung komplett separat abschließen und berechnen. "Das ist bürokratisch, praxisfern und droht die Kunden aus dem Reisebüro zu vertreiben", sagt DRV-Hauptgeschäftsführer Dirk Inger.

Sollte diese Vorschrift kommen, sagen 88 Prozent der Reisebüros, "der bürokratische Mehraufwand wird immens steigen". Zehn Prozent erwarten dann zwar auch deutlich mehr Arbeit, das bleibe aber "letztlich noch überschaubar".

An der DRV-Umfrage haben sich 1.774 Reisebüros beteiligt; sie ist also durchaus aussagekräftig. Dem Verband liefert die Umfrage Argumentationshilfe, um bei der Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie in deutsches Recht vorgeschriebene getrennte Bezahlvorgänge für verbundener Reiseleistungen doch noch zu kippen.

Am Montag, 23. Januar, gibt es im Bundestagsausschuss Recht und Verbraucherschutz eine Anhörung, zu der DRV-Präsident Norbert Fiebig als Sachverständiger geladen ist. Er hat nicht nur mit dem Umfrageergebnis Rückenwind aus den Reisebüros. Zudem hat der Aufruf des Verbandes an die Branche, mit Mustertexten Bundestagsabgeordnete und -ausschüsse auf die Probleme mit dem Gesetzestext hinzuweisen, mehr als 68.000 Briefe und E-Mails generiert.