22. März 2017 – 14:18
Reisebüroorganisationen auf Einkaufstour
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Gut gehende Reisebüros sind begehrte Kaufobjekte, Ketten und Kooperationen sind dabei – Foto: LCC

Dass Konzerne wie Tui und Thomas Cook schon seit längerer Zeit und mit eher mäßigem Erfolg bestrebt sind, den Anteil ihres "gebundenen Vertriebs" durch Zukäufe von Reisebüros auszubauen, ist bekannt. Weniger offenkundig waren bislang die Aktivitäten anderer Organisationen in diesem Bereich. Doch das ändert sich zunehmend. Denn auf der Jagd nach profitablen Reisebüros werden auch Akteure wie Lufthansa City Center, die Reisebürokette Derpart und der Kooperationsprimus RT Reisen in Burghausen immer aktiver.

LCC gründen Reisebüro AG. So gründeten die Lufthansa City Center Ende vergangenen Jahres eine Aktiengesellschaft, die künftig Büros für die Franchise-Marke kaufen und der Organisation damit attraktive Standorte sichern soll. Sie befindet sich im Besitz von 37 Franchisen-Nehmern und der Kettenzentrale und ist mit einem Eigenkapital von 1,5 Millionen Euro ausgestattet. Vorstand ist der frühere Tui-Manager Wilfried Klotmann. In diesem Jahr seien Kaufgespräche mit drei bis vier Reisebüros geplant, sagt dieser. Die Zukäufe müssten nicht zwangsläufig LCC-Büros sein, wohl aber Vollreisebüros, "die zur Kette passen". Themen wie Personalplanung, Budgetierung und Controlling sollen nach dem Kauf von der Zentrale übernommen werden. Damit könnten sich die Counter-Mitarbeiter "noch besser auf die Produktsteuerung und die Kunden konzentrieren“, so Klotmann.

Derpart baut Zahl eigener Büros aus. Für die Franchise-Kette Derpart sind Zukäufe ebenfalls ein wichtiges Thema. Derpart habe im vergangenen Jahr zehn Büros gekauft, berichtet Geschäftsführer Aquilin Schömig. Es habe sich ausnahmslos um Franchise-Nehmer gehandelt, von denen die meisten ihr Büro aus Altersgründen abgeben wollten. Auch künftig werde die Kette, die derzeit 53 eigene Niederlassungen betreibt, aktiv Büros hinzukaufen, kündigt Schömig an. Vorwiegend sei man am Kauf von Franchise-Büros interessiert, aber auch der Erwerb von Fremdbüros sei nicht ausgeschlossen. Entscheidend für Zukäufe sei deren "aktuelle und künftige Wirtschaftlichkeit".

RTK expandiert durch Übernahmen. Auch RTK-Chef Thomas Bösl sieht in der Übernahme "wirtschaftlich gesunder Reisebüros" ein geeignetes Instrument, um die Schlagkraft der eigenen Organisation zu stärken und den Büros eine Perspektive zu bieten. Sowohl RTK als auch die von der RT Group übernommene Kette Reiseland hätten das in der Vergangenheit bereits getan und wollten diesen Kurs fortsetzen. Und auch Willi Müller, Chef der Kooperation Schmetterling, antwortet auf die Frage, ob seine Organisation selbst Reisebüros kaufe, mit: "Grundsätzlich ja." (CS)