07. August 2017 – 16:40
Palmas Bürgermeister relativiert Touristenschelte
arranpalma
Screenshot aus einem Video der Organisation Arran
festibalvilanova
Abbildung: Festival Vilanova

In eine Interview mit dem "Spiegel" hat der Bürgermeister der mallorquinischen Hauptstadt Palma, Antoni Noguera, klargestellt, wie seine umstrittenen Äußerungen zu deutschen Touristen zu verstehen sind. Noguera hatte gegenüber der "Mallorca Zeitung" gesagt: "Der Abschaum, der uns geschickt wird, ist nicht angenehm." Diese Äußerung, die anschließend heftig kritisiert wurde, beziehe sich lediglich auf eine Minderheit, die sich daneben benehme, erklärt Noguera gleich zu Beginn des Interviews. Die deutschen Touristen seien "wichtig auf Mallorca". "Aber die­se klei­ne Min­der­heit, die sich hier am Strand von Pal­ma da­ne­ben ­be­nimmt, die­se Deut­schen sind nicht will­kom­men."

In den vergangenen Wochen hatte eine Reihe von Vorfällen auf Mallorca für negative Schlagzeilen gesorgt. In einem Lokal hissten Deutsche die Reichkriegsflagge, brüllten fremdenfeindliche Parolen und bedrängten Frauen. Daneben sorgten randalierende und prügelnde Touristen, die auch tagsüber splitternackt und stockbetrunken herumlaufen, die in der Öffentlichkeit Sex haben oder sich erleichtern, bei der Bevölkerung der Insel für zunehmenden Unmut.

Militante Aktionen. Auch die Aktionen, die sich gegen die unerwünschten Massen richten, werden immer militanter. Waren es zunächst noch symbolische Aktionen wie die "Sperrung" des Tourismusministeriums in Palma, so weiten sich nun die deutlich robusteren Attacken der linksautonomen Jugendgruppe Arran, die in Barcelona begonnen hatten, auf Mallorca aus. Ende Juli stürmte eine Gruppe ein Restaurant am Yachthafen, entzündete Bengalos, bewarf die Gäste mit Konfetti und hielt Spruchbänder mit Klassenkampf-Parolen in die Höhe. Angehörige derselben Gruppe hatten bereits in Barcelona einen Touristenbus gestoppt und mit Parolen besprüht sowie die Reifen von Leihfahrrädern für Touristen zerstochen.

Ironischer Protest. In der Kulturszene wächst der Unmut über die Besuchermassen ebenfalls, wie die "Mallorca Zeitung“ berichtet. So ist auf dem Plakat für ein Festival in Esporles, das Mitte August stattfindet, eine Mallorca-Karte zu sehen, auf der dicht gedrängt Urlauber an Urlauber stehen. In Esporles überragt ein großer Ziegenbock die Szenerie, der ein Schild mit dem Wort „Arruix!“ („weg hier!) in den Händen hält. "Overbocking" lautet das Motto des Festivals,in Anlehnung an das englische Wort „overbooked“. Der Veranstalter erklärte gegenüber der "Mallorca Zeitung“, er habe dem Thema „mit Humor Aufmerksamkeit schenken“ wollen.

Auf Twitter formiert sich indes eine Gegenbewegung. Unter #YoSiQuerioTurismo versammeln sich Befürworter der touristischen Entwicklung und heben deren Bedeutung für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt der Insel hervor.

Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy warnte am Montag bei einem Besuch auf Mallorca davor, Urlauber schlecht zu behandeln. Die Gäste müssten umsorgt werden, es seien Verantwortungsgefühl und gesunder Menschenverstand gefragt. Schließlich sorge der Tourismus landesweit für 13 Prozent der Arbeitsplätze.

Christian Schmicke