21. August 2017 – 16:06
„Ohne eine Differenzierung müssen alle Policen regelmäßig teurer werden“
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Olaf Nink – Foto: Allianz

Olaf Nink, Hauptbevollmächtigter der Niederlassung von Allianz Worldwide Partners in Deutschland und seit 2010 Mitglied der Geschäftsführung der AWP Service Deutschland GmbH, will die Tarife für Reiseversicherungen individualisieren. Dies wird dazu führen, dass Ältere mehr zahlen müssen als Jüngere, und auch für verschiedene Reiseziele  und -formen werden die Risiken unterschiedlich bewertet. Gloobi.de sprach mit dem Versicherungsmanager über seine Pläne, anhand individueller Risikoprofile neue Tarife einzuführen.

Herr Nink, die Menge der Produkte und Tarife von Reiseversicherungen hat in den letzten Jahren  deutlich zugenommen. Außerdem wurden immer mal wieder neue Risiken in den Versicherungsumfang einbezogen oder davon ausgeschlossen. Blickt der Reisebürovertrieb da noch durch?
Die Komplexität hat auf jeden Fall ein Ausmaß erreicht, das eine Vereinfachung für den stationären Vertrieb wünschenswert macht. Versicherungen sind für Reisebüros ein Nebenprodukt. Deshalb müssen sie für Expedienten einfach zu verkaufen sein und dürfen nicht zu viel Beratungsaufwand erfordern. Der Schlüssel dazu ist die Technik. Darin investieren wir gerade intensiv.

Wie soll eine technische Lösung, die den Reisebüros das Leben erleichtert, denn aussehen?
Zunächst einmal setzen wir beim Produkt an. Im Idealfall soll künftig jeder Kunde den für seine individuellen Risikoparameter passenden Tarif erhalten. Das klingt zunächst nach mehr Komplexität, aber es lässt sich lösen, wenn das Risiko im Hintergrund gleich mitbewertet wird.

Woran wollen Sie die Risikobewertung denn ausrichten?
Wichtige Parameter sind zum Beispiel das Alter des Kunden, sein Reiseziel und die Reisedauer. Wir verfügen über die Daten, anhand derer sich die individuellen Risikoprofile sehr genau darstellen lassen.

Bedeutet das, dass ein 70-Jähriger für den gleichen Versicherungsschutz eine andere Summe zahlt als ein 30-Jähriger, oder ein Brasilien-Urlauber einen anderen Tarif erhält, als einer, der nach Schweden reist?
Ja, genau. Einen ersten kleinen Schritt in diese Richtung haben wir mit der Einführung eines eigenen Tarifs für Kunden ab 67 Jahren im vergangenen Jahr schon gemacht.

Ihre älteren Kunden werden darüber nicht begeistert sein. Verstößt so etwas nicht gegen das Diskriminierungsverbot?
Nein. Sie dürfen natürlich nicht willkürlich festlegen, dass Menschen mit blauen Augen höhere Tarife zahlen müssen. Aber wenn Sie nachweisen können, dass ein bestimmtes Merkmal eindeutig mit einem erhöhten oder verringerten Risiko korreliert, ist es völlig korrekt, dieses in die Berechnung der Versicherungsprämie einfließen zu lassen. Und gerade die demografische Entwicklung stellt uns diesbezüglich vor erhebliche Herausforderungen.

Sie meinen, die Alten sind teurer als die Jungen?
Ja, klar. Nehmen Sie nur die Reiserücktrittskostenversicherung – da ist das evident. Ältere Menschen erkranken zwischen Buchung und Reiseantritt im Durchschnitt häufiger als jüngere. Und dieser Effekt verschärft sich dadurch, dass auch die Angehörigen, deren Erkrankung ebenfalls als Rücktrittsgrund anerkannt wird, bei älteren Menschen in der Regel ebenfalls älter sind. Wenn wir das angesichts der Entwicklung der Alterspyramide in unsere Kalkulation einbeziehen, ohne zu differenzieren,  werden alle Policen in regelmäßigen Abständen teurer. Da ist es doch gerechter, die Tarife anhand des individuellen Risikos zu ermitteln.

Schafft das am Counter nicht zusätzlichen Erklärungsbedarf?
Nicht, wenn es dafür eine technische Lösung gibt. Während des Buchungsprozesses ermittelt das System den jeweiligen Tarif im Hintergrund gleich mit und modifiziert ihn, wenn sich zum Beispiel das Reiseziel oder die Reiseform ändert. Am Ende muss der Expedient nur noch ermitteln, welche Versicherungen der Kunde wünscht, und er erhält sofort den passenden Tarif dafür. Der Aufwand am Counter darf auf keinen Fall steigen.

Wann werden Sie Ihre Zukunftsvision technisch umsetzen können?
Wir gehen davon aus, dass wie in zwei bis drei Jahren so weit sind. 2019 wollen wir startbereit sein. Aber das hängt natürlich nicht allein von uns ab.

Das Gespräch führte Christian Schmicke

Das komplette Interview lesen Sie im "Reise vor9 Magazin", dessen aktuelle Ausgabe gerade erschienen ist.