03. August 2017 – 17:04
Mexiko: Insulaner machen Fährhafen dicht
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Strand von Holbox – Foto: dronepicr/Wikipedia

Zu einer ungewöhnlichen, aber offenbar ziemlich wirkungsvollen Maßnahme griffen am Wochenende die Bewohner der mexikanischen Insel Holbox im Norden der Halbinsel Yucatán. Nachdem sie rund eine Woche lang nahezu ohne Wasser und Strom verbracht hatten, machten sie am Wochenende kurzerhand den Hafen  für die Fähre dicht, die Yucatán mit der Insel verbindet, und verhinderten so, dass Besucher dorthin gelangen konnten. Via Facebook ließ die Chefin des örtlichen Hotelverbandes, Barbara Hernandez,wissen, man wolle die Behörden, die sich nicht um die Probleme von Holbox kümmerten, auf diese Weise erneut auf die Misstände aufmerksam machen und sie zum sofortigen Handeln zwingen. "Wir hatten kein Wasser und keinen Strom, und auch die Kommunikation funktionierte ohne Internet und Mobilfunksignal nicht. Die Situation war schrecklich", sagte Hernandez gegenüber mexikanischen Medien.

Behörden ignorierten die Probleme. Gegen die Besucher richte sich die Aktion nicht, erklärte der Hotelverband. "Wir bedauern die Unannehmlichkeiten, aber sie entstehen dadurch, dass wir weder Gästen noch unserer einheimischen Bevölkerung die grundlegendste Versorgung garantieren können", schrieb er. Die Aktion führte offenbar zum Erfolg: Der Gouverneur des Bundesstaates Quintana Roo, zu dem Holbox gehört, sicherte zu, Sofortmaßnahmen  zu ergreifen, um die Strom-  und Wasserversorgung zu stabilisieren. Zur Überbrückung der Wasserengpässe wurden zunächst Tanklaster auf die Insel geschickt. Zudem würden umgehend Mittel zur Verfügung gestellt, um Strom- und Wasserleitungen sowie die Kanalisation zu reparieren, kündigte die Regierung an.

Beliebte Ferieninsel. Holbox gilt als ruhige Alternative zu den Bettenburgen des Badeortes Cancun. Die Insel ist sowohl  als Urlaubsort als auch für Tagesausflüge beliebt. Täglich besuchen rund 5.000 Übernachtungsgäste und zusätzlich 2.000 Ausflügler das Eiland, auf dem 3.000 Menschen regelmäßig und 1.200 weitere während der Hochsaison leben. Die Versorgungsprobleme resultieren nach Angaben der örtlichen Behörden daraus, dass die Ver- und Entsorgungseinrichtungen vor 30 bis 40 Jahren gebaut wurden. Damals lebten 800 Menschen auf der Insel – überwiegend vom Fischfang. Die Vorstellung, dass sich Holbox einmal zum Besuchermagneten entwickeln könnte, lag zu dieser Zeit noch in weiter Ferne. Der Fährhafen ist mittlerweile übrigens wieder offen.

Christian Schmicke