19. April 2017 – 12:00
Mehr als 1.500 Reisebüros stehen vor einem Generationswechsel

Für viele Reisebüroinhaber scheint das Thema Betriebsübergabe schlimmer zu sein als ein Zahnarztbesuch. Deshalb wird es, ganz ähnlich wie dieser, gerne auf die lange Bank geschoben, zeigten die Recherchen des "Reise vor9 Magazins". Doch es hilft alles nichts – irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem die Frage der Nachfolge auf der Agenda steht.

Mit dieser Thematik werden sich in nächster Zeit viele Reisebüroinhaber auseinandersetzen müssen. Aquilin Schömig, Geschäftsführer der Reisebürokette Derpart, schätzt, dass in den kommenden Jahren allein altersbedingt 1.500 Büros vor dem Verkauf oder der Schließung stehen. Andere Experten gehen von noch höheren Zahlen aus. Auf bis zu 3.000 Agenturen, die in den Verkauf gelangen könnten, reicht die Bandbreite der Schätzungen. Denn die Gründergeneration der 80er und frühen 90er Jahre kommt in die Jahre.

Reisebüroketten und -kooperationen haben den Handlungsbedarf auf diesem Gebiet erkannt und bieten ihren Mitgliedern Hilfestellung an. Das geschieht nicht ganz uneigennützig. Schließlich gilt es, zu verhindern, dass ein Mitglied im Zuge eines Inhaberwechsels oder durch Geschäftsaufgabe verloren geht oder gar zu einer anderen Organisation wechselt.

Ein heikles Thema ist die Wertermittlung. Schließlich ist der Verkaufspreis, den der Inhaber für sein Büro erzielt, in der Regel ein Teil seiner Altersversorgung. Entsprechend hoch ist oft die Erwartungshaltung. Klassische Kennzahlen seien etwa Umsatz und Ertragsstärke der vergangenen drei Jahre, der Stammkundenanteil, die Kostenstrukturen und die Mitarbeiterproduktivität sowie die Qualität der Einrichtung und die Attraktivität des Standortes, sagt Albin Loidl, Chef der Kooperation Neckermann Reisen Partner.

Eine – sehr grobe – Richtschnur für den Verkaufswert können laut Experten drei bis fünf Prozent des vermittelten Umsatzes oder rund 50 Prozent der Provisionseinnahmen eines Jahres sein. Andere nehmen den Vorsteuergewinn als wesentliche Kennzahl. Der Wert des Büros wird dann so angesetzt, dass der Käufer den Preis inklusive Zins nach sechs bis acht Jahren wieder eingefahren hat.

Eine Herausforderung für den Käufer liegt darin, dass der Schlüssel für den Geschäftserfolg oft im Wissen, den Kundenkontakten und den Aktivitäten des Inhabers in seinem lokalen Umfeld liegt. Anders als Büroausstattung und Technik sind solche Werte nicht einfach übertragbar. In solchen Fällen sei nur eine sehr langfristig angelegte Übergabe erfolgversprechend, bei der der Nachfolger Schritt für Schritt an den Kundenstamm herangeführt werde, sagt Thomas Bösl, Chef der Kooperation RTK und der Kette Reiseland.

Christian Schmicke

Die vollständige Story lesen Sie im neuen "Reise vor9 Magazin", das gerade erschienen ist.