12. Juni 2017 – 13:58
Malaysia erhebt Übernachtungssteuer – und streitet über ihren Sinn
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Kuala Lumpur – Skyline bei Nacht – Foto: Flickr/Naim Fadil

Vom 1. Juli an kassiert Malaysia von Touristen und Geschäftsreisenden eine Steuer, deren Höhe von der  Kategorie der gebuchten Unterkunft abhängt. Sie beginnt bei umgerechnet 52 Cent pro Zimmer und Nacht für einfache Unterkünfte und reicht bis zu 4,20 Euro für die Luxushotellerie. Die Summe soll bei der Abreise von den Hotels eingenommen und an die Behörden abgeführt werden. Ausgenommen davon sind die so genannten Homestays, bei denen Gäste in Familien übernachten, sowie nicht-kommerzielle religiöse Unterkünfte und Etablissements mit weniger als zehn Zimmern.

Mit den Einnahmen aus der Steuer, die die Regierung auf rund 150 Millionen Euro schätzt, sollen das Tourismusmarketing  des Landes sowie die Erhaltung touristischer Attraktionen finanziert werden. Der malaysische Staat hatte seine Zuwendungen dafür reduziert, nachdem sich seine Einnahmen angesichts gesunkener Ölpreise ebenfalls verringert hatten. Die Reduzierung seines Budgets bedeute nicht, dass dem Tourismus keine große Bedeutung beigemessen werde, wird Tourismusminister Mohammed Nazri Abdul Aziz am Sonntag zitiert. Doch es gebe eben noch wichtigere Prioritäten, wie zum Beispiel die Entwicklung des ländlichen Raumes, Gesundheit, Bildung oder Verteidigung. Deshalb müsse der Tourismus selbst nun mehr zur Finanzierung von Marketing und Infrastruktur beitragen.

Dass die neue Steuer unter Kunden und touristischen Unternehmen aus den Quellmärkten nicht viele Anhänger findet, liegt auf der Hand. Doch auch in Malaysia selbst ist die Maßnahme umstritten. So hatten sich etwa die Tourismusorganisationen von Langkawi und Sarawak entschieden gegen die Steuer ausgesprochen, weil sie dadurch Wettbewerbsnachteile gegenüber Nachbarländern wie Thailand und Nachfrageeinbußen befürchten. Die Regierung des Bundesstaates Sarawak im Nordwesten der Insel Borneo hat nach einem Streit zwischen Malaysias Tourismusminister Mohammed Nazri Abdul Aziz und seinem Counterpart auf der Ebene des Bundesstaates sogar den Abzug ihres Vertreters aus der nationalen Tourismusmarketing-Behörde Tourism Malaysia verkündet. Begründung: Der Bundesstaat besitze mit dem Sarawak Tourism Promotion Board eine eigenen touristische Vertretung und müsse daher in der nationalen Organisation nicht vertreten sein. Eine Doppelung dieser Funktionen sei überflüssig.

Christian Schmicke