21. September 2017 – 09:00
Lufthansa will höchstens die Hälfte von Airberlin
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Lufthansa-CEO Carsten Spohr hätte gerne noch 20 bis 40 Airberlin-Maschinen. Foto: Lufthansa

Lufthansa hat kein Interesse, Airberlin ganz oder größtenteils zu schlucken. Das machte CEO Carsten Spohr einen Tag vor dem Zusammenkommen des Gläubigerausschusses vor Journalisten deutlich. „Für uns hat absolute Priorität, dass wir die 38 Maschinen, die wir schon vor einigen Monaten von Airberlin übernommen haben, operationell stabilisieren.“ Die meisten dieser Flugzeuge habe Lufthansa bereits gekauft oder die Leasingverträge übernommen. „Sie fliegen in Eurowings-Farben, mit Eurowings-Passagieren und auf Eurowings-Slots“, so Spohr.

Kartellrechtliche Obergrenze erreicht

„Darüber hinaus gehen wir von einem Marktaustritt der Airberlin aus“, sagt Spohr. „Wir stellen uns vor, dass wir um weitere 20 bis 40 Flugzeuge wachsen können.“ Dann sei eine Obergrenze erreicht. „Viel mehr glauben wir kartellrechtlich gar nicht machen zu können“, ergänzt der Lufthansa-Chef. Damit könnte von den ursprünglich 144 Airberlin-Maschinen etwa die Hälfte bei Lufthansa landen.

Kein Gebot für Langstrecke

Für Langstreckenjets von Airberlin habe Lufthansa kein Gebot abgegeben. „Und das werden wir auch nicht tun“, betont Spohr. Hier soll Tochter Eurowings aus eigener Kraft wachsen und im nächsten Sommer auch von Berlin in die Ferne starten.

Die Furcht vor einem Lufthansa-Monopol kontert Spohr mit Zahlen zum Marktanteil. Der liege in Deutschland bei 34 Prozent und dabei seien die Umsteiger aus dem Ausland ins Ausland enthalten. Das Gerede von „Monster und Dominanz“, wie es Ryanair gerne verbreite, sei daher leicht zu widerlegen. Und Spohr schießt zurück: „Ryanair hat 108 Monopolstrecken ab Deutschland“, und damit die meisten.

Konsolidierung geht weiter

Das Verschwinden von Airberlin ist für Spohr nicht das Ende der Konsolidierung. „Die fünf größten Airlines in Europa haben zusammen nur 53 Prozent Marktanteil.“ Zu wenig, sagt Spohr, und prophezeit weitere Konzentration. „Da wird Airberlin nicht der letzte Schritt sein.“ Für die Kunden sei das gut und nicht schlecht. Denn wenige starke Airlines würden einen härteren Wettbewerb führen als viele schwache.

Thomas Hartung