24. November 2016 – 18:36
Lufthansa: Vier Tage Streik, eine Kampfansage und Eurowings-Pläne
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Kampfbereit_ Lufthansa-Chef Carsten Spohr – Foto: Lufthansa

"Lieber einige Tage ohne Lufthansa als irgendwann ganz ohne Lufthansa." So beschreibt Lufthansa-Chef Carsten Spohr seine Haltung zum Streik der Piloten, der am Freitag dazu führt, dass 830 Kurz- und Mittelstreckenflüge ausfallen, und am Samstag die Langstreckenverbindungen schachmatt setzen soll. In dem Tarifkonflikt gehe es nicht darum, Härte zu beweisen, sondern um "die Zukunft der Fluggesellschaft". Würde die Führung des Konzerns der Forderung der Piloten nachkommen, deren Gehälter im Rahmen einer Neuauflage des seit fünfeinhalb Jahren abgelaufenen Tarifvertrages um 20 Prozent zu erhöhen, dann hätte die Airline "keine Chance, zu überleben".

Angesichts der Expertenmeinungen zur aktuellen Wettbewerbssituation im Airline-Gewerbe erscheint die Argumentation des Lufthansa-Vorstandschefs plausibel. Noch überzeugender wäre sie vielleicht auch für die Angestellten, hätte sich nicht der Vorstand vor rund einem Jahr selbst eine ordentliche Gehaltserhöhung genehmigt. Spohrs Jahresgehalt stieg damals um 15 Prozent auf 2,3 Millionen Euro, die übrigen vier Vorstandsmitglieder erhielten jeweils rund 100.000 Euro mehr. Wobei nach Expertenmeinung einzuräumen ist, dass Lufthansa-Vorstände im Dax-Vergleich relativ geringe und wenig gestaffelte Gehälter beziehen. Dagegen können sich die Pilotengehälter auch im  internationalen Vergleich durchaus sehen lassen.

"Irgendwann fliegt Eurowings nach Frankfurt"

Für das Unternehmen und seine Kunden deutet jedenfalls auch am dritten Streiktag nichts auf eine baldige Einigung hin. Der Sprecher der Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg, erklärte am Freitag in Frankfurt: "Es gibt kein vorher festgelegtes Enddatum für den Streik." Es muss nicht direkt mit der aktuellen Eskalation zusammenhängen, passt aber ins Bild, dass Lufthansa-Vorstandsmitglied Harry Hohmeister jüngst bei einer Fachtagung des Travel Industry Clubs ankündigte, "irgendwann" werde die Lufthansa-Billigtochter Eurowings von und nach Frankfurt fliegen. Nicht als Zulieferer für die Lufthansa-Langstrecke, sondern zum Beispiel für Ferienflüge nach Heraklion auf Kreta. Wenn solche Verbindungen kostengünstiger mit Eurowings bedient werden könnten, werde man das tun. Es gehe dabei ncht um die wachsende Konkurrenz durch Ryanair, sondern um "Kundenbedürfnisse", so der LH-Vorstand.

Für die Tarifverhandlungen facht die Führungsspitze den Konflikt damit weiter an. Denn hinter den Kulissen spielt die Ausgliederung von Wachstumssegmenten an Eurowings in der Auseinandersetzung eine große Rolle. Da diese kein Bestandteil der Tarifverhandlungen ist, darf sie offiziell aber keine Relevanz haben. Im September 2015 musste Cockpit den 13. Ausstand auf Anweisung des Landesarbeitsgerichts in Frankfurt abbrechen, weil der Gewerkschaft vorgeworfen wurde, sie verfolge Ziele, die bei Verhandlungen über Tarifverträge gar nicht erreicht werden könne. Spätestens, wenn es irgendwann doch noch zu einer Schlichtung kommt, werden beide Seiten aber nicht mehr umhin kommen, ihre Streitthemen in sämtlichen Facetten neu aufzurollen. (CS)