12. Oktober 2017 – 17:17
Lufthansa schluckt Airberlin
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Carsten Spohr – Foto: Lufthansa

Die Lufthansa übernimmt große Teile der insolventen Fluggesellschaft. Beide Unternehmen unterzeichneten am Donnerstag einen entsprechenden Kaufvertrag. Spohr hatte gegenüber der "Rheinischen Post“ erklärt, Lufthansa werde vermutlich 81 Flugzeuge, die bis dahin von Airberlin betrieben wurden, übernehmen, 3.000 Mitarbeiter einstellen und insgesamt 1,5 Milliarden Euro in den Seal investieren. Teil des Deals ist die Übernahme der Ferienfluggesellschaft Niki und der Airberlin-Tochter LG Walter. Beide sind nicht insolvent.

Kartellrechtliche Fragen. Die nahezu komplette Übernahme durch Lufthansa wirft nach den Worten von Kartellamtspräsident Andreas Mundt wettbewerbsrechtliche Fragen auf. "Die kartellrechtliche Prüfung steht noch aus. Die Europäische Kommission wird sich das sehr genau ansehen", sagte Mundt der "Rheinischen Post“. Er kündigte an, das Bundeskartellamt werde "das dortige Verfahren begleiten", kündigte der Präsident des Bundeskartellamts an. Dabei dürfte es vor allem um die Frage gehen, ob durch die Übernahme auf einzelnen Flugstrecken eine unzulässige marktbeherrschende Stellung entsteht.

Auch andere Experten rechnen mit kartellrechtlichen Hürden für den Handel. So hatte Spohr am Donnerstag erklärt, auf bestimmten Strecken werde es eine konzerninterne Konkurrenz zwischen Lufthansa und Eurowings geben. Das halten viele Beobachter für Augenwischerei. "Konzerne werden aus kartellrechtlicher Sicht als ein Unternehmen angesehen", sagte der Düsseldorfer Kartellrechtler Martin Gramsch von der Kanzlei Simmons & Simmons gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Prüfung dauert mehrere Monate. Lufthansa-Chef Spohr selbst rechnet ebenfalls damit, dass es bis zur Absegnung der Übernahme noch eine Weile dauert. Er rechne damit, dass die EU bis zu drei Monate brauche, um den Kauf kartellrechtlich zu überprüfen, heißt es in der rheinischen Post. Insgesamt könne es aber bis zu einem Jahr dauern, bis die Integration vollständig umgesetzt ist. Schließlich müsse seine Airline dutzende bisher geleaste Jets kaufen und neu lackieren, und auch die Einstellung der zahlreichen neuen Mitarbeiter funktioniere "nicht von heute auf morgen“. Grundlegende Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Übernahme hat er aber nicht. "Im Falle eines Groundings von Air Berlin hätten uns nach dem EU-Verteilungsverfahren für die Vergabe von Start- und Landerechten ähnlich viele Slots zugestanden", argumentiert er.

Der Lufthansa-Chef kündigte zugleich ein Angebot an, „um im Ausland gestrandeten Passagieren der Air Berlin die Heimreise zu einem fairen Preis anzubieten, sofern wir die Kapazitäten dafür haben“. Am 15. Oktober werden alle Langstreckenflüge von Airberlin einstellt, für die Kurz- und Mittelstreckenverbindungen kommt spätestens am 28. Oktober das Aus.

Piloten müssen sich in Österreich bewerben. Die Piloten, die künftig für Lufthansa aktiv sein wollen, müssen sich übrigens bei Eurowings in Österreich bewerben. Dies ist offenbar auf einen Konflikt mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit zurückzuführen, die Lufthansa in einem Tarifvertrag bislang lediglich erlaubt, bis zu 23 Airbus-Jets bei Eurowings Deutschland fliegen zu lassen. Deshalb werden weitere Piloten bei Eurowings in Wien untergebracht. Allerding erklärt Eurowings, auf diese Crews den deutschen Tarifvertrag anwenden zu wollen und die Piloten ab Deutschland einzusetzen. Um die wechselnden Piloten schnell einstellen zu können, besorgt sich Eurowings von ihnen die schriftliche Erlaubnis, ihre Personalakten bei Air Berlin anzufordern.

Die Pilotengewerkschaft Cockpit geht nach dem Deal sogleich zum Angriff über. "Es kann nicht sein, dass sich Piloten nach der Übernahme auf ihre eigenen Arbeitsplätze bewerben und dann auch noch Gehaltsabschläge von bis zu 40 Prozent hinnehmen müssen – so wie es Lufthansa im Moment von den Piloten fordert. Das hat mit sozialer Verantwortung nichts zu tun und zeigt erneut, dass es hier anscheinend nur darum gehen soll, die Arbeitnehmer zu maximal günstigen Konditionen zu übernehmen.“, so Sprecher Markus Wahl.

Christian Schmicke