15. November 2017 – 14:27
Kommentar: Das Gejammer über innerdeutsche Flugpreise ist Unsinn
schmicke-christiangloobi-chefredakteurfoto-privatsw

Der Aufschrei war zu erwarten. Nach dem Aus für Airberlin sind die Tarife für Flüge auf innerdeutschen Kurzstrecken deutlich gestiegen. Das Portal Mydealz hat bei einer Stichprobe einen Preisanstieg zwischen 26 und 39 Prozent ermittelt. Keine Frage – das ist beträchtlich. Aber der empörte Aufschrei darüber ist lächerlich. Denn zum einen ist es völlig normal, dass bei einer Verringerung des Angebotes die Preise steigen, kurzfristig jedenfalls. Dafür muss Lufthansa aktiv überhaupt nichts tun. Die günstigeren Buchungsklassen sind eben schneller ausgebucht und dann kommen andere Tarife ins Spiel. Lange werden sich Streckenmonopole ohnehin nicht halten. Volle Flugzeuge, deren Sitze zu hohen Preisen verkauft werden können, locken sofort neue Konkurrenz an.

Zum anderen ist Lufthansa, wenn es um innerdeutsche Verbindungen geht, auch dann nicht ohne Konkurrenz, wenn sie die Flugstrecke im Monopol bedient. Anders als bei Mittel- und Langstreckenflügen ist der Zeitgewinn, den das Fliegen bringt, innerdeutsch in den wenigsten Fällen nennenswert. Selbst auf den längsten Strecken, etwa von Hamburg nach München, beträgt er gegenüber der Bahn von Innenstadt zu Innenstadt gerade mal gut eine Stunde. Werden die Flüge also zu teuer, dann weichen Kunden, die vor allem preisgünstig reisen wollen und für die Zeit kein so wichtiger Faktor ist, auf Fernbusse aus. Andere nehmen die Bahn, was, wie gesagt, gar nicht oder nur unerheblich länger dauert als zu fliegen, und Reisenden überdies die Möglichkeit bietet, während der gesamten Fahrt zu arbeiten oder ein gutes Buch zu lesen.

Außerdem ist die innerdeutsche Fliegerei unter verkehrspolitischen und ökologischen Aspekten ohnehin höchst fragwürdig. Einigermaßen sinnvoll ist sie allenfalls für Zubringer zu Fernflügen von Flughäfen wie München – und das auch nur, weil diese skandalöserweise immer noch keine brauchbare Anbindung an den Fernverkehr der Bahn haben. All dies sind keine neuen Erkenntnisse. Aber angesichts des allgemeinen Preisexplosionsgejammers ist es offenbar notwendig, darauf hinzuweisen, dass immer mehr immer billigerer Inlandsflugverkehr in Deutschland keineswegs ein erstrebenswertes Ziel ist.

Christian Schmicke