07. August 2017 – 17:30
Holidaycheck wehrt sich gegen gekaufte Bewertungen
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Georg Ziegler – Foto: Holidaycheck

Georg Ziegler, Director Content des Hotelbewertungsportals, sieht in dem Geschäftsmodell des "Bewertungs-Optimierers" Five Star Marketing "einen eindeutigen Verstoß gegen unseren Code of Conduct, der jegliche Form der Manipulation untersagt". Ob diese Praktiken als betrügerisch und darüber hinaus als unlauterer Wettbewerb einzuschätzen seien, müsse juristisch geprüft werden, so Ziegler. Die Anwälte des Unternehmens seien in dieser Hinsicht gerade aktiv. "Die Übernachtung in einer Unterkunft ist generell Grundvoraussetzung für das Verfassen einer Bewertung. Bei Manipulationsversuchen verfolgt Holidaycheck eine Null-Toleranz-Politik: Sobald wir von Unternehmen oder Einzelpersonen hören, die gefälschte Bewertungen zum Kauf anbieten, prüfen wir, wie wir gegen diese vorgehen können", unterstreicht er. Auf diese Weise sei schon mehreren schwarzen Schafen das Handwerk gelegt worden.

Technische und manuelle Prüfung. Wie berichtet, bietet Five Star Marketing mit Sitz in Löhne positive Bewertungen zum Paketpreis zum Kauf an. Eine Bewertung auf Holidaycheck kostet 19,95 Euro, den Zehner-Pack gibt’s für 189,85 Euro. Der Holidaycheck-Manager glaubt aber, dass die Bewertungsplattform gegen Attacken wie diese auch jenseits der juristischen Fragen ausreichend gewappnet sei. Jede Hotelbewertung auf Holidaycheck durchlaufe als erstes ein technisches Prüfverfahren, bei dem automatisiert anhand von 60 Filtern überprüft werde. Das System schlage hier unter anderem an, wenn eine Bewertung deutlich positiver oder deutlich negativer ausfalle als die bisher vorliegenden Bewertungen. Wenn in der technischen Prüfung eine Bewertung auffällig sei, werde sie von einem geschulten Mitarbeiter zusätzlich überprüft. Bei Bedarf werde daraufhin ein Übernachtungsnachweis beim Urlauber angefordert. Könne dieser nicht vorgelegt werden oder bestehe die Bewertung die Prüfung nicht, werde sie nicht veröffentlicht.

Einzelbewertungen ändern die Tendenz kaum. Selbst wenn eine einzelne gefälschte Bewertung auf die Seite gelange, könne diese das gesamte Stimmungsbild über ein Hotel nicht grundlegend ändern, erklärt Ziegler, Denn eine einzelne Lobeshymne habe nur einen beschränkten Einfluss auf ein im Schnitt sehr kritisch beurteiltes Hotel. Eine insgesamt sehr negative Weiterempfehlungsrate eines vielfach bewerteten Hotels ändere sich durch einzelne positive Beurteilungen gewöhnlich nicht in einem Umfang, der andere Urlauber in ihrer Hotelwahl beeinflusse. "Unserer Erfahrung nach lesen die Urlauber Hotelbewertungen durchaus differenziert und wägen Positives und Negatives gegeneinander ab. Sie haben zudem die Möglichkeit, uns auffallende Bewertungen zu melden", so der für den Inhalt der Bewertungen verantwortliche Direktor.

Ziegler glaubt auch nicht, dass das Angebot von Five Star Marketing starken Zulauf erfährt. "Der Großteil der Hoteliers hat verstanden, dass der Kauf von Bewertungen nicht der richtige Weg ist, um langfristig erfolgreich zu sein. Hoteliers tun sich selbst keinen Gefallen, auf Angebote wie die von Five Star Marketing zurückgreifen – ganz im Gegenteil: Gefälschte Bewertungen, die nicht wiedergeben, was der Gast tatsächlich vor Ort vorfindet, schüren vor allem falsche Erwartungen bei künftigen Urlaubern, die ihre Enttäuschung anschließend in negativen Bewertungen wiedergeben – und dem Hotel damit langfristig mehr Schaden als Nutzen bringen."

Christian Schmicke