03. Mai 2017 – 14:18
HNA Group – der chinesische Krake
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Hauptquartier der HNA Group auf Hainan – Foto: HNA Group

Eigentlich hatte die Nachricht mit Touristik nichts zu tun, aber dennoch ließ sie aufhorchen: Die chinesische HNA Group ist mit fast zehn Prozent der Aktien zum größten Gesellschafter der deutschen Bank aufgestiegen. Mit der jüngsten Aufstockung ist das Aktienpaket rund 3,4 Milliarden Euro schwer und damit größer als das des Investmentriesen Blackrock und der Herrscherfamilie al-Thani aus Katar. HNAs jüngste schlagzeilenträchtige Aktion in Deutschland, der Kauf des Flughafens Hahn, nimmt sich mit einem geschätzten Volumen von 17 bis 18 Millionen Euro im Vergleich dazu geradezu bescheiden aus.

Zeitgleich machen in den Vereinigten Staaten Spekulationen die Runde, nach denen das chinesische Konglomerat eine große US-Kreuzfahrtreederei kaufen will. Das wäre durchaus folgerichtig, denn den Kuchen des wachsenden chinesischen Kreuzfahrtmarktes teilen derzeit die großen internationalen Reedereien unter sich auf. Geld für solche Investitionen aufzubringen, scheint für die HNA Group ohnehin kein Problem zu sein. Erst vergangene Woche stieg sie mit knapp 17 Prozent beim Schweizer Duty-Free-Händler Dufry ein und beteiligte sich am Flughafen von Rio de Janeiro.

Einkaufstour ohne Ende. Im vergangenen Jahr sorgten große Hotel-Investments für Aufmerksamkeit. Prominentester Deal war die 25-Prozent-Beteiligung an Hilton Worldwide. Seit Ende April 2016 gehören HNA zudem die Carlson Hotels inklusive der Mehrheitsbeteiligung an der Rezidor Hotel Group. Auch an der spanischen Gruppe NH Hotels sind die Chinesen mit rund 30 Prozent beteiligt. Und in der Sharing Economy mischt HNA ebenfalls mit. Im Herbst 2015 investierte die Gruppe in das "chinesische Airbnb" Zhubaijia.com.

Sowohl das Firmengeflecht, das hinter der HNA Group steht, als auch die Beteiligungen werden immer unübersichtlicher. Nach eigener Darstellung managte die Gruppe Ende vergangenen Jahres 13 Flughäfen in China. Neben der Fluggesellschaft Hainan Airlines gehören zum Portfolio die chinesischen Carrier Tianjin Airlines, Capital Airlines, Deer Jet, Lucky Air, West Air, Fuzhou Airlines, Urumqi Air, Beibu Gulf Airlines, Yangtze River Airlines, Guilin Airlines, Chang’an Airlines sowie Africa World Airlines aus Ghana und die französische Aigle Azur. Insgesamt betreibt der Mischkonzern damit 1.250 Flugzeuge. Auch an der portugiesischen Tap ist die HNA Group seit dem vergangenen Jahr beteiligt.

Einige Ungereimtheiten. Das enorme Volumen der Auslandsinvestitionen des chinesischen Mischkonzerns wirft Fragen auf. Denn eigentlich hatte sich Chinas Zentralregierung Ende vergangenen Jahres entschlossen, das Ausmaß der Auslandsinvestitionen zu limitieren, um die hohen Kapitalabflüsse aus dem Land einzudämmen. Viele Unternehmen aus dem Reich der Mitte mussten ihre Shopping-Touren danach stoppen, HNA dagegen kauft unvermindert weiter hinzu. Vor rund zwei Wochen fragten sich nach Informationen der in Hongkong erscheinenden "South China Morning Post" auch Medien vom chinesischen Festland, aus welchen Quellen die horrenden Summen für die Expansion stammen könnten und wer eigentlich genau hinter dem Emporkömmling von der Tropeninsel Hainan steckt. Das gefiel der chinesischen Zensurbehörde offenbar nicht. Jedenfalls verschwanden Meldungen, nach denen sich die Investitionen aus Bankkrediten im Wert von umgerechnet gut 80 Milliarden Euro speisen sollten, innerhalb kürzester Zeit wieder von den Websites der chinesischen Zeitungen.

Christian Schmicke