17. August 2017 – 16:03
Große Reisebüroumfrage: Wer darf mit auf Inforeise?

Vier von fünf Reisebüromitarbeitern fliegen ein- bis zweimal pro Jahr aus und gehen auf Inforeise, eine kleine Minderheit von sieben Prozent sogar öfter. Allerdings kommen fast 14 Prozent der Expedienten gar nicht raus, wie eine exklusive Umfrage von Counter vor9 mit mehr 650 Teilnehmern zeigt.

Und das Thema Inforeisen bewegt die Gemüter. „Unsere Chefin möchte das nicht“, lautet eine von über 400 Kommentaren vom Counter. „Ich darf nur alle drei bis vier Jahre auf eine Inforeise gehen“ oder „bekomme von der Geschäftsführung keine angeboten“ sind weitere Stimmen vom Counter, die Frust durchblicken lassen. „Aus Compliance-Gründen geht bei uns keiner auf Info“, meint ein anderer.

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Dabei gibt es offenbar Gelegenheiten genug. Denn immerhin 32 Prozent der Reisebüros erhalten mehr als zehn Einladungen pro Jahr. 28 Prozent werden sechs bis zehnmal gefragt, bei 37 Prozent landen eine bis fünf Inforeisen auf dem Tisch. Nur drei Prozent gehen leer aus. Doch oft dringen Einladungen gar nicht bis zum Counter vor. „Der Chef reist gerne, nur wenn die Tour oder der Veranstalter ihn nicht interessiert, dann gibt er die Info weiter“, meint ein Umfrageteilnehmer exemplarisch.

Der Chef bestimmt

Wer fliegt, bestimmt fast immer der Chef. Er hat in 71 Prozent der Reisebüros auch bei Inforeisen das Sagen. Das Team redet bei 32 Prozent mit, die Expedienten selbst bei 20 Prozent. Deren Wünsche werden aber oft berücksichtigt. „Wir stimmen uns im Team ab und der Chef genehmigt es in der Regel“, so handhaben es offenbar viele Büros. Das einladende Unternehmen hat nur bei fünf Prozent der Reisebüros Einfluss bei der Teilnehmerauswahl.

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Dabei spielt die Bedeutung des Zielgebiets für das Büro bei 77 Prozent eine wichtige Rolle. Allerdings meinte einer: „Ich muss sicher nicht fünfmal nach Mallorca, um die Insel verkaufen zu können.“ Die Interessen der Mitarbeiter werden immerhin zu 46 Prozent berücksichtigt. Für 24 Prozent zählt die Leistung des Mitarbeiters. „Eine Info dient immer noch auch als Motivation und Dankeschön“, so ein Kommentar.

Urlaub nehmen für Inforeisen

Eine Mehrheit der Expedienten muss für Inforeisen keinen Urlaub opfern, viele aber doch. Am häufigsten bekommen die Countermitarbeiter eine Inforeise pro Jahr frei. Oft gilt die Regel halb Urlaub, halb Arbeit. Immerhin 24 Prozent müssen immer Urlaub nehmen. Gefrustet meint einer: „Nur Lieblinge werden freigestellt.“ Ein anderer Expedient schimpft: „Es ist schlimm, dass man für eine Weiterbildung Urlaub nehmen muss. Man liegt da ja nicht am Strand.“

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Eventuell anfallende Kosten übernehmen die meisten Büros ganz oder anteilig, nur jeder zehnte Expedient muss dies aus der eigenen Tasche bezahlen.
Wer auf Inforeise geht, hat was zu erzählen. Das müssen fast alle Expis auch, wenn sie zurück sind. 65 Prozent erzählen ihren Kollegen mündlich über ihre Erfahrungen. 34 Prozent müssen sogar einen schriftlichen Bericht verfassen, damit alle im Reisebüro etwas von der Inforeise haben.

Thomas Hartung