08. August 2017 – 15:00
Griechenland-Spezialist Jassu Reisen sagt den Reisebüros adieu
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Jan Hürter – Foto: Jassu Reisen

In den Sonntagsreden der Kooperations- und Kettenchefs wird sie gerne beschworen – die Zusammenarbeit der Reisebüros mit kleineren und mittelständischen Veranstaltern, von denen viele auf bestimmte Zielgebiete oder Reisearten spezialisiert sind. Und so schaffen immer mehr Spezialisten Schnittstellen, machen ihre Angebote für den stationären Vertrieb in den gängigen Buchungssystemen verfügbar und bieten anständige Provisionen, um ihre Vertriebsbasis zu erweitern.

Doch zwischen Wunschdenken und Alltag klafft offenbar eine beachtliche Lücke. Das musste jedenfalls Jan Hürter, Chef des Griechenland-Spezialisten Jassu Reisen, erleben. Nun zog er die Reißleine. Der Veranstalter hat sich aus den Buchungssystemen Merlin, Amadeus und Jack Plus zurückgezogen und die Verlinkungsmöglichkeit mit seiner Website im Rahmen eines Partnerprogramms abgeschaltet.

1.800 Agenturen, zehn aktive Büros. Auf Anfrage von Gloobi.de versichert Hürter, dass er sich den Schritt nicht leicht gemacht habe. Sein Unternehmen habe immer an den stationären Vertrieb geglaubt und viel in die Zusammenarbeit investiert. Doch letztlich hätten die puren Fakten eine klare Sprache gesprochen. "Wir haben aktuell etwa 1.800 Agenturen über die Systeme angeschlossen, von denen im letzten Jahr lediglich zehn Büros Buchungen getätigt haben", berichtet er. Daraus könne man nur einen Schluss ziehen: "Die Kosten für die Systeme stehen in keiner Relation zu den Buchungen. Wir bedauern diesen Schritt, sehen aber keine Zukunft für unser Produkt im stationären Reisebüro."

Dass dieser Schritt ausgerechnet in einem Jahr erfolgt, in dem die Nachfrage nach Griechenland-Reisen so stark ist wie lange nicht, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Auch bei Jassu Reisen, die sich auf Ferienhäuser spezialisiert haben, laufen die Geschäfte prima - allerdings nicht über den Counter, sondern online. "Bei entsprechender Nachfrage werden von den Reisebüros meist die großen Veranstalter gewählt", sagt der Chef des Bonner Veranstalters, der zum nächsten Jahr die Provision von derzeit zehn auf sieben Prozent senkt. Die Tür zuschlagen will er den Reisebüros damit aber keineswegs. "Die Reisebüros sind weiter herzlich willkommen, unsere handverlesenen Ferienhäuser in Griechenland anzubieten", betont er. Im Zuge gesonderter Vereinbarungen sind dann bestimmt auch wieder mehr als die angekündigten sieben Prozent Provision drin.

Christian Schmicke