06. März 2017 – 16:38
Reisetussis: "Aus der Meckertruppe ist eine große Plattform geworden"
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Sandra Jacobs, Inhaberin des Tui Teisecenters in Kevelaer

Genervte Reisetussis (und -typen!) – aus einem eher privaten Chat einiger befreundeter Touristikerinnen hat sich seit 2011 die größte Facebook-Gruppe der Branche mit rund 8.200 Mitgliedern entwickelt. Wir haben mit Sandra Jacobs, einer der Gründerinnen, über ihre Erfahrungen gesprochen.

Frau Jacobs, kommt man als Administratorin der größten deutschen Touristiker-Plattform auf Facebook eigentlich noch zum Arbeiten?

Sandra Jacobs: (lacht) Ja, klar. Wir sind ja als Administratorinnen zu viert und können die Arbeit unter uns aufteilen. Außerdem laufen auch viele Diskussionen auf der Plattform, ohne dass wir uns darin irgendwie einmischen müssten.

Im Ernst: wie hoch ist denn der Zeitaufwand, den Sie mit den "Genervten Reisetussis" haben?

Durchschnittlich etwa zwei bis drei Stunden in der Woche. Wenn gerade irgendwelche größeren, heiklen Themen anstehen, kann es natürlich auch mal mehr sein, denn wir müssen die Dinge ja im Blick behalten.

Und womit verbringen Sie konkret die Zeit, in der Sie auf der Plattform aktiv sind?

Die meiste Arbeit machen die Anträge der Kollegen, die in die Gruppe aufgenommen werden möchten. Das sind jeden Tag bis zu 20. Oft sind darunter Facebook-Mitglieder, aus deren Profilen nicht zu erkennen ist, ob es sich tatsächlich um Touristiker handelt. Ganz am Anfang wurden solche Anfragen noch automatisch bestätigt. Inzwischen lehnen wir sie nach zwei Tagen ab, wenn wir keine weiteren Informationen von den Kandidaten erhalten.

Das Themenspektrum innerhalb der Gruppe ist extrem breit gefächert. Von Scherzen über Anfragen nach Tipps zu Zielgebieten und Hilferufen, wenn etwas schiefgelaufen ist, bis hin zu branchen- und weltpolitischen Debatten ist alles dabei. Haben sich die Schwerpunkte in den vergangenen fünfeinhalb Jahren geändert?

Das Gewicht politischer Themen ist in den letzten Jahren deutlich größer geworden, während die Zahl reiner Witz-Postings stark abgenommen hat. Daran kann man erkennen, dass die Rahmenbedingungen für unseren Job schwieriger geworden sind.

Gerade wenn politische Themen in der Gruppe diskutiert werden, geht es dabei bisweilen ganz schön zur Sache…

Ja, das ist leider richtig. Wir freuen uns ja über lebhafte Debatten. Aber manchmal kann eine eigentlich harmlose Frage, wie zum Beispiel: „Wie läuft denn bei Euch die Türkei?“ richtig eskalieren. Wenn einfach kontrovers darüber diskutiert wird, wie sich die politische Situation dort mit Urlaub verträgt, ist das natürlich völlig in Ordnung. Aber die Dialoge dürfen nicht in Beleidigungen ausarten.

Macht Ihnen die Arbeit mit den Reisetussis nach fast sechs Jahren eigentlich noch Spaß?

Ja, und wie! Ich bin auch immer noch stolz darauf, was sich aus unserer kleinen Chat-Gruppe von 15 Reisetussis, die gemeinsam an Inforeisen teilgenommen haben, entwickelt hat. Aus dieser Meckertruppe – wir waren am Anfang wirklich genervt – ist eine richtig große Plattform geworden, in der man sich gegenseitig hilft. Außerdem finde ich es immer noch faszinierend, dass sich mit Schwarmwissen nahezu jedes Problem lösen lässt.

Das vollständige Interview lesen Sie in der neuen Ausgabe von „Reise vor9 Magazin“, die gerade erschienen ist.
Das Gespräch führte Christian Schmicke