01. Juni 2017 – 15:48
GDS wettern gegen Gebühr – und arbeiten schon an Lösungen
amadeuszentrale
Amadeus-Zentrale in Madrid – Foto: Wikipedia

Der Europäische Verband der IT-Dienstleister und OTAs, ETTSA, fordert die EU auf, mit juristischen Mitteln gegen die GDS-Gebühr für Flugbuchungen bei British Airways und Iberia vorzugehen. In einem Beitrag für das britische Fachblatt Travel Weekly erklärt ETTSA-Generalsekretär Christoph Klenner: “Der Mechanismus einer Gebühr widerspricht den Prinzipien von Transparenz und Neutralität im Airline-Vertrieb, denen sich die EU verschrieben hat." Mit der Gebühr wollten die Airlines "Verbraucher von den Kanälen wegziehen, die sie in die Lage versetzen, Reiseangebote neutral zu vergleichen, und sie auf ihre eigenen Plattformen locken". Dagegen müsse die EU vorgehen, bevor es zu spät sei. Bei dieser Gelegenheit fordert Klenner auch gleich eine weitere Untersuchung ein, die klären soll, ob die Merger und Übernahmen im europäischen Airline-Geschäft "tatsächlich die versprochenen Verbesserungen für die Verbraucher bewirkt" hätten.

"Nicht im Interesse der Kunden." Auch der IT-Riese Amadeus, der zu den Mitgliedern des ETTSA zählt, macht keinen Hehl daraus, dass ihm die GDS-Charge nicht schmeckt. Diese sei "nicht im Interesse der Reisenden" insitiert das Unternehmen, und: "Amadeus ist der festen Überzeugung, dass weltweit gesehen der indirekte Vertrieb für alle Beteiligten die günstigste Lösung darstellt." Die Reisenden wollten "Konsistenz, Transparenz und Auswahl, und wir stellen das als Branche am besten zur Verfügung, indem wir alle Beteiligten mit allen Angeboten aus allen Kanälen verbinden und integrieren".

NDC-Lösung wird entwickelt. Gleichwohl bastelt Amadeus bereits an einer Lösung, um künftig NDC-basierte Angebote  über Schnittstellen in die Systeme zu integrieren und die Gebühr damit zu umgehen. Diese Möglichkeit hatten British Airways und Iberia explizit eingeräumt. "Wir sind zuversichtlich, eine Einigung zu erreichen, was die Integration NDC-basierter Angebote über die API angeht", heißt es aus der Amadeus-Zentrale in Madrid auf Nachfrage. Im Rahmen der New Distribution Capability wolle Amadeus "eine integrierte Lösung entwickeln, die auf breiter Front sowohl von Reisebüros als auch von Fluggesellschaften genutzt werden kann, um substanzielle und nachhaltige Ergebnisse zu generieren", erklärt der GDS-Betreiber weiter.

Zum Hintergrund: Der Flugdatenstandard NDC wurde vom Airline-Verband Iata und seinen Mitgliedern entwickelt. Er soll die eine verbesserte Darstellung und einfachere Buchung von Zusatzangeboten, wie beispielsweise Lounge-Zugang, In-flight-Entertainment, speziellen Menüs oder verschiedenen Gepäckarten ermöglichen. Außerdem wollen die Airlines Kunden damit individualisierte Angebote unterbreiten. Zudem gibt ihnen NDC die Möglichkeit, Angebote in den verschiedenen Vertriebskanälen unterschiedlich auszusteuern.

Christian Schmicke