06. November 2016 – 16:58
FTI legt gegen den Trend zu
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Dietmar Gunz – Foto: FTI

Das Unternehmen hat den Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr um fünf Prozent auf 2,75 Milliarden Euro gesteigert. Das entspricht zwar einem deutlich geringeren Zuwachs als in den Vorjahren, aber es ist durchaus bemerkenswert in einem Jahr, in dem sich selbst der langjährige Überflieger Schauinsland mit stagnierenden Umsätzen und schrumpfenden Gewinnen auseinandersetzen muss.

In der Bilanz enthalten sind allerdings nicht nur die Umsätze des Veranstalters, sondern die Einkünfte sämtlicher Tochtergesellschaften der FTI Group – also auch die der international rasch expandierenden Incoming-Agentur Meeting Point. Sie spielt für das Unternehmen eine immer wichtigere Rolle; zum einen, weil sie Hotelkapazitäten aus den Destinationen über zahlreiche Quellmärkte hinweg vermarktet, und zum anderen, weil sie für Betrieb und Vermarktung der rasch wachsenden FTI-Hotelmarke Labranda zuständig ist. Der Umsatzzuwachs dürfte daher nicht allein aus dem Veranstaltergeschäft, sondern auch aus der Ausweitung der Aktivitäten im Incomingbereich und in der Hotellerie resultieren.

Türkei-Buchunge nur knapp unter Vorjahr.

Mindestens ebenso bemerkenswert wie die Umsatzentwicklung insgesamt ist die Bilanz, die FTI-Chef Dietmar Gunz für die Türkei zieht. Während die Konkurrenz mit Blick auf die Nachfrage für das Land Einbußen von mehr als 30 Prozent nennt, spricht Gunz von einem Rückgang der Gästezahl um gerade einmal drei Prozent. Zwar liegt das Umsatzminus wegen des Preisverfalls bei Türkei-Reisen wohl höher, dennoch bleibt die Differenz zu Gesamtmarkt beträchtlich.

Nach den Gründen gefragt, äußert sich der FTI-Chef eher vage. FTI ziehe aus Entwicklungen eigene Schlüsse und schwimme dabei nicht immer mit dem Mainstream, sagt er. Das ist bekannt, erklärt aber wenig. Eher schon die Aussage, dass man an Kapazitäten noch festgehalten habe, als andere bereits die Verlagerung in westlichere Destinationen vorantrieben. Dies gelte für die Türkei ebenso wie für Ägypten, sagt Gunz. Beide Länder hätten im Last-Minute-Geschäft ein hohes Buchungsaufkommen generiert. Für beide Ziele gelte allerdings auch, dass sich die Nachfrage vor allem bei Familien auf die sehr kurzfristigen Buchungen konzentriere. Länger im Voraus würden vor allem Türkei-Reisen derzeit kaum gebucht. Und angesichts der aktuellen Situation werde sich dieser Trend vermutlich erst einmal fortsetzen. Bei der Türkei seien die Reaktionen der Kunden auf Anschläge, Terror und ähnliche Ereignisse ebenso heftig wie kurzfristig, ergänzt Vertriebsgeschäftsführer Ralph Schiller. "Direkt nach einem Ereignis rauschen die Buchungszahlen massiv in den Keller, und nach zehn bis 16 Tagen bewegen sie sich wieder auf Normalniveau", erzählt er. Das sei bei keinem anderen Zielgebiet so.

Für die übrigen Destinationen lief die Geschäftsentwicklung bei FTI weitgehend marktkonform. Gegen den Markttrend zählt Marokko bei den Münchenern zu den Gewinnern, positiv hätten sich auch die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman entwickelt, berichtet Schiller. Ansonsten sind unter den Top-Zielen die "üblichen Verdächtigen" wie Spanien Portugal, Griechenland, Deutschland, Kroatien und die Fernstrecke, allen voran die Karibik.