26. April 2017 – 13:15
Fluggastportale werben um Reisebüros als Partner
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Rund eine dreiviertel Milliarde Euro Entschädigung steht deutschen Passagieren zu. Fluggastportale wollen dieses Geld mit Hilfe von Reisebüros bei Airlines eintreiben. Foto: Fair Plane

Fluggastportale verkaufen sich gerne als Verbraucherschützer. Doch das ist nicht ihre Motivation. Es geht um viel Geld, etwa eine dreiviertel Milliarde Euro, die von Verspätungen und Flugausfällen betroffenen Passagieren nach Recht und Gesetz zusteht. Das Eintreiben dieser Entschädigungszahlungen ist ein Riesengeschäft. Reisebüros können daran mitverdienen und ihren Kunden dabei was Gutes tun.

Nicht jeder kennt seine Rechte

Viele Passagiere wissen gar nicht, dass sie Anspruch auf Entschädigung haben. Dabei ist das Recht eindeutig: Ist ein Flugzeug in der EU mehr als drei Stunden verspätet, überbucht oder fällt ganz aus, wird eine Entschädigung fällig. Die Höhe hängt von der Entfernung ab und liegt zwischen 250 und 600 Euro.

Doch viele Airlines ignorieren dieses Recht und lassen ihre Kunden auflaufen. Das ist die Basis der Fluggastportale, die daraus ein einträgliches Geschäftsmodell entwickelt haben. Jetzt entdecken sie Reisebüros als Partner, wenn es darum geht, unwissende Passagiere aufzuklären und zu gewinnen. Denn die Agenturen haben die Kunden.

Reisebüros erhalten eine Vergütung

Das Reise vor9 Magazin hat acht Fluggastportale befragt, die mit Reisebüros zusammenarbeiten. Einige haben Rahmenvereinbarungen mit Ketten und Kooperationen, manche Affiliate-Programme für B2B-Partner oder sogar White-Label-Tools für Reiseportale. Für die Vermittlung betroffener Passagiere geben die Fluggastportale einen Teil ihrer Erfolgsprovision, die meist 30 Prozent der Entschädigungssumme beträgt, an die Reisebüros weiter:

EU Claim will demnächst ein Partnerprogramm für Reisebüros starten. Agenturen bekommen dann einen Vertrag, und es wird ein Link konfiguriert, den sie an ihre betroffenen Kunden weitergeben können. Für die Vermittlung erhalten Reisebüros eine Vergütung, die quartalsweise ausgezahlt wird.

EUflight kündigt ein Affiliate-System an, das Reisebüros nutzen können. In Vorbereitung ist zudem die Integration einer Eingabemaske auf einem großen deutschen Reiseportal. Reisebüros erhalten je nach Entschädigung zwischen 15 und 40 Euro für die Vermittlung pro Fluggast.

Fair Plane hat in Deutschland Rahmenvereinbarungen mit Schmetterling, TUI Take off und vielen Einzelbüros. Bei gelegentlichen Fällen reicht für Reisebüros ein einfacher Koop-Vertrag. Die Vergütung für Reisebüros ist gestaffelt und abhängig vom Volumen. Gezahlt wird nach Abschluss eines Verfahrens. Fair Plane hilft Reisebüros auch bei Erstattungen.

Flightright bietet seit kurzen seinen Service auch Reisebüros an, die sich über eine B2B-Seite anmelden können. Für jeden Fall wird ein personalisierte Link generiert, der vom Reisebüro an den betroffenen Kunden weitergegeben wird. Flightright zahlt bei erfolgreicher Durchsetzung einer Entschädigung eine Vergütung. Details dazu werden in einem Vertrag geregelt.

Flugrecht kooperiert mit rund 200 Reisebüros. Die Agenturen bekommen einen Vertrag und einen individualisierten Link, den sie an ihre Kunden weitergeben. Auf dieser Landing Page kann auch das Reisebüro-Logo platziert werden. Für die Vermittlung erhalten sie einen Festbetrag nach erfolgreichem Abschluss des Falls.

Flug-verspätet testet gerade die Zusammenarbeit mit Reisebüros in Deutschland. In anderen Ländern läuft die Kooperation mit Flugportalen und Online-Reisebüros bereits. Die Agenturen werden prozentual am Erfolgshonorar von Flug-verspätet beteiligt. Die Höhe hängt von der Zahl der vermittelten Fälle und vom Kundenprofil ab.

Passengers Friend arbeitet mit mehr als 1.000 Reisebüros zusammen und hat Vereinbarungen mit AER, TSS und DER. Die Ansprüche der betroffenen Passagiere werden über das Reisebüro ausgeschüttet, das nach Abschluss des Falls im Folgemonat eine Vergütung von sieben Prozent (inklusive MwSt.) erhält.

Refund.me bietet Reisebüros über ein B2B-Portal Zugang zu Reportings, und sie können den Bearbeitungsstand einzelner Fälle abfragen. Konditionen für die Zusammenarbeit werden individuell verhandelt.

Mehr über Fluggastportale, die Zusammenarbeit mit Reisebüros, die Kontaktdaten sowie ein Interview mit Luftverkehrsrechtsexperte Ronald Schmid lesen Sie im aktuellen Reise vor9 Magazin.

Thomas Hartung

Fluggastportale werben um Reisebüros