26. September 2017 – 22:10
Flight Centre: Ein australisches Reisebüro weltweit auf Einkaufstour
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Graham Turner ist Gründer und Chef der Flight Centre Travel Group und einer der reichsten Männer Australiens. Foto: Flight Centre

Beinahe monatlich schluckt die Flight Centre Travel Group aus Down Under Reisebüros rund um den Globus. Doch wer steckt eigentlich dahinter? Graham Turner ist einer der reichsten Männer Australiens. Das Business-Magazin „Forbes“ taxierte sein Vermögen auf umgerechnet rund eine halbe Milliarde Euro. So viel kann man offenbar im Reisevertrieb verdienen.

Turners Aufstieg begann vor über 40 Jahren. In London kam ihm die Idee, günstige Europa-Touren mit Doppeldeckerbussen anzubieten. Die Marke „Topdeck Travel“ für junge Leute gibt es heute noch. Doch Anfang der 80er Jahre zog es Turner zurück nach Australien. Er gründete in Brisbane einen Shop für Billigtickets. Das war die Geburtsstunde von Flight Centre.

Globales Reisebüro mit Milliarden-Umsätzen

Heute ist aus den Flight Shops ein riesiger Reisekonzern geworden, der in allen Nischen Reisen verkauft und dessen Aktien an der australischen Börse gehandelt werden. Die Flight Centre Travel Group (FCTG) weist einen Umsatz von rund 13 Milliarden Euro aus.

Und die Gruppe expandiert weiter. „Die Flight Centre Travel Group baut ihr weltweites Netzwerk weiter aus“, kündigt Turner im Geschäftsbericht weitere Zukäufe an. Die Zahl der Standorte rund um den Globus nähert sich der Zahl 3.000 und schon jetzt arbeiten mehr als 20.000 Beschäftigte für Flight Centre.

Ein Blumenstrauß an Marken

In Deutschland kennt man Flight Centre unter diesem Namen noch nicht, obwohl die Gruppe seit elf Jahren durch ihre Geschäftsreisesparte FCM Travel Solution präsent ist. Noch ist DER Touristik exklusiver Franchisenehmer und Statthalter der Australier in Deutschland. Doch diese Partnerschaft endet zum Jahreswechsel und FCM wird selbst aktiv.

Keimzelle für das Firmengeschäft wird Opodo Corporate, das die Flight-Centre-Gruppe von Edreams Odigeo übernommen hat. Das Berliner Büro firmiert künftig unter FCM Germany. „Wir sehen großes Potenzial für FCM im deutschen Reisemarkt“, sagt Marcus Eklund, Global General Manager von FCM Travel Solutions. Das Berliner Team soll umziehen und zunächst auf 50 Mitarbeiter anwachsen. Eklund will außerdem Standorte in Frankfurt und München eröffnen.

Sechs Zukäufe in sechs Wochen

Die Flight-Centre-Gruppe ist weltweit auf Einkaufstour. Zuletzt verkündeten die Australier die Übernahme von einem halben Dutzend Firmen. In Kanada kaufte FCTG das auf Luxusreisen, Business Travel und Veranstaltungen spezialisierte Reisebüro Les Voyage du Vallon mit Sitz in Quebec-City.

In Neuseeland schlug die Gruppe gleich zweimal zu, beim größten unabhängigen Geschäftsreisebüro, Executive Travel Group, und dem touristischen Netzwerk, der Travel Managers Group, die aus rund 180 mobilen Reiseverkäufern und 22 stationären Büros besteht. In Sydney schnappte sich Flight Centre die Organisation Travel Partners, ein Netzwerk von Reiseverkäufern, die von zu Hause aus arbeiten und knapp 50 Millionen Euro umsetzen.

Vom stationären Reisebüro überzeugt

Der Flight-Centre-Gründer glaubt nicht, dass das Internet die Reiseverkäufer ersetzen wird. Die Leute wollten mit einem Profi über ihre Pläne reden und sich beraten lassen. Sie erwarten eine persönliche Empfehlung, und die könne es online nicht geben. Deshalb werde er weitere Shops eröffnen. Darunter sogenannte Hyperstores in New York, Los Angeles, London oder Abu Dhabi.

In Deutschland steckt die Flight Centre Travel Group zwar noch in den Kinderschuhen. Doch Deutschland ist als einer der Schlüsselmärkte identifiziert. Mit FCM in Berlin entwickelt sich ein erstes Standbein. Doch dabei dürfte es nicht bleiben.

Die ganze Flight-Centre-Story lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Reise vor9 Magazins.