11. Mai 2017 – 13:07
EuGH-Urteil bringt keine Klarheit über Informationspflicht bei Flugausfällen
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Grafik: Wikipedia

Wer haftet, wenn ein Flugreisender, der seinen Flug im Reisebüro gebucht hat, zu spät über einen Flugausfall informiert wird? Die Fluggesellschaft oder auch das Reisebüro? Ein aktuelles Urteil des Europäischen Gerichtshofes unterstreicht zwar den Anspruch eines Fluggastes auf Entschädigung, beantwortet diese Frage aber nicht. In dem konkreten Fall hatte ein Niederländer, der über sein Reisebüro einen Flug gebucht hatte, erst zehn Tage vor seinem geplanten Abflugtermin vom Reisebüro erfahren, dass sein Flug gestrichen wurde. Daraufhin forderte er von der Airline 600 Euro Entschädigung. Diese weigerte sich, die Entschädigung zu zahlen. Dagegen klagte der Kunde vor einem niederländischen Bezirksgericht. Dieses wiederum wandte sich an den EuGH mit der Bitte, die EU-Verordnung, die Ausgleichsleistungen für Fluggäste im Fall der Annullierung von Flügen regelt, im Hinblick auf den vorliegenden Fall auszulegen.

Das Gericht stellte nun fest: Flugreisende haben einen Anspruch auf Entschädigung, wenn sie von ihrer Fluggesellschaft nicht rechtzeitig über die Streichung ihrer Flugverbindung informiert werden. Nach dem am Donnerstag gefällten Urteil muss die Fluggesellschaft Kunden spätestens zwei Wochen vor dem geplanten Abflug über die Flugstreichung informieren. Dabei sei es für den Entschädigungsanspruch des Kunden unerheblich, ob der Reisende bei der Airline oder bei einem Reisebüro gebucht habe, erklärten die Richter.

Die Airline hatte in dem Verfahren argumentiert, dass sie den Reisevermittler des Kunden rechtzeitig über die Flugstreichung informiert habe. Die Richter entschieden, dass dies nicht die Haftungspflicht gegenüber dem Kunden einschränke. Allerdings wiesen sie zugleich darauf hin, dass die Fluggesellschaft versuchen könne, sich das Geld von dem Reisevermittler zurückzuholen, der die Nachricht über den annullierten Flug erst mit Verspätung weitergeleitet hatte.

Christian Schmicke