04. Dezember 2017 – 16:37
DRV, VUSR und ASR im Check: Verbände haben bei Reisebüros einen schweren Stand
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Viele Reisebüros sehen das Tauziehen unter den verbänden mit gemischten Gefühlen – Foto: Pixabay

Man kann zu dem jüngsten der touristischen Verbände stehen, wie man will, eines muss man ihm lassen: Dem VUSR gelingt es, seine Fans zu aktivieren. Rund ein Drittel der Teilnehmer einer exklusiven Online-Umfrage für Gloobi.de gab sich als VUSR-Mitglied zu erkennen. DRV-Mitglieder hingegen machten nur ein Viertel der Teilnehmer aus, die Zahl der teilnehmenden ASR-Mitglieder lag bei unter zehn Prozent. 75 Prozent der Befragten wiesen sich als Vertreter des stationären Vertriebs aus.

Meinungen liegen weit auseinander. Wie aus zahlreichen schriftlichen Kommentaren deutlich wird, ist die Branche in Sachen Verbände stark polarisiert. Während aus den Reihen der DRV-Mitglieder viele Stimmen laut wurden, die den Branchenverband als einzige seriöse Vertretung gegenüber der Politik werten, halten nicht wenige Reisebüros den VUSR für die wahre Vertretung ihrer Interessen. Der Mittelstandsverband ASR, der lange versuchte dieses Thema zu besetzen, hat sich durch interne Querelen offenbar ins Abseits manövriert.

Mäßige Noten. Insgesamt geben die Umfrageteilnehmer dem DRV für seine Arbeit die Schulnote 4, während der ASR noch eine halbe Note schlechter abschneidet. Der VUSR erhält die Note 3. Immerhin: 60 Prozent der Befragten halten den DRV für sehr wichtig oder wichtig. Aber auch hier kann der VUSR, vermutlich dank der höheren Mitgliederzahl unter den Teilnehmern, stärker punkten. Zwei Drittel glauben, er sei für ihre Arbeit wichtig.

Reiserecht wichtigstes Thema. Vom DRV, der in diesen Tagen seine Jahrestagung im Emirat Ras Al Khaimah veranstaltet, wünschen sich 82 Prozent, dass er die Pauschalreiserichtlinie noch stärker in seinen Fokus rücken möge. 79 Prozent sähen ihn gerne stärker in der Marktforschung engagiert, 78 Prozent in der Nachwuchsförderung. Den VUSR wollen jeweils rund 60 Prozent stärker bei brancheninternen Konfliktthemen sowie in der Weiterbildung und Nachwuchsförderung aktiv sehen

Ambivalente Haltung. Aufschlussreich ist auch die Haltung der Touristiker zu einigen Aussagen in Sachen Verbandsarbeit. Denn einerseits trauen viele dem DRV nicht zu, dass er ihre Interessen zufriedenstellend vertritt. Andererseits sehen sie in miteinander konkurrierenden Verbänden aber auch ein Problem. So glauben gut drei Viertel, dass Reisebüros eine eigene Interessenvertretung außerhalb des DRV brauchen. Der These, dass ein einziger Verband sinnvoller, weil schlagkräftiger wäre, stimmt rund die Hälfte überwiegend zu, ebenso viele meinen, das Tauziehen unter den Verbänden schwäche die Branche. Dass Reisebüros ihre Interessen am besten im DRV durchsetzen können, glaubt gerade mal ein Viertel. Insgesamt herrscht gegenüber den Verbänden große Skepsis, dies verdeutlicht auch das folgende Ergebnis: Etwa zwei Drittel der Befragten stimmen der Aussage zu, dass die Verbandsspitzen nicht für ihre Mitglieder arbeiten, sondern eigene Interessen verfolgen. Einer prinzipiellen Absage an die Verbandsarbeit entspringt dieses Statement aber nicht. Denn 85 Prozent sind der Meinung: Wer erwartet, dass ein Verband seine Interessen vertritt, sollte sich dort auch engagieren.

Christian Schmicke