29. März 2018 – 14:34
DRV-Vertrieb geht gegen LH-Bestpreise auf die Barrikaden
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Foto: Lufthansa

Es hat ein bisschen gedauert, aber nun reagieren die Vertreter der Reisebüros im Branchenverband auf die sogenannten Bestpreise von Lufthansa, die erstmalig exklusiv nur auf NDC- und Direct-Connect-Buchungskanälen angeboten werden. Logischerweise werten die Vertreter des Vertriebs den Schritt als Affront gegenüber dem Fremdvertrieb. "Die Lufthansa wirft damit Knüppel in die Beine des Reisebürovertriebs. Sie entzieht dem Fremdvertrieb wettbewerbsfähige Preise und verabschiedet sich aus dem neutralen Preis-Leistungsvergleich", sagt Ralf Hieke, DRV-Vizepräsident der mittelständischen Reisemittler. Otto Schweisgut, Vorsitzender des DRV-Ausschusses Flug, sieht in der Lufthansa-Strategie "eine klare Diskriminierung des Fremdvertriebs durch gravierende Wettbewerbsvorteile für den Eigenvertrieb". Auch im Geschäftsreisesegment kommt die Aktion nicht gut an. Der DRV-Vorstand und DRV-Ausschussvorsitzende Business Travel Stefan Vorndran kritisiert, die technische Umsetzung sei unzureichend: „Die derzeit im Markt verfügbaren technischen Anwendungen sind allesamt für den professionellen Flugschein-Vertrieb gerade im Geschäftsreisebereich nicht brauchbar. Durch die Anbindung solcher Tools beziehungsweise deren Anwendung entstehen Mehraufwände, die erheblich sind."

Mangelnde Transparenz. Auch für die Kunden sei die Bevorzugung des Eigenvertriebs nachteilig, denn Lufthansa entziehe sich damit der Vergleichbarkeit, urteilen die Vertriebsvertreter. "Die Airlines, auch gerade die Lufthansa, wollen um jeden Preis den ‘neutralen Marktplatz‘ verlassen und sowohl den Preis- als auch den Servicewettbewerb verschleiern", kritisiert DRV-Vorstandsmitglied Joachim Horn. Den Preis für weniger Transparenz zahle am Ende der Kunde, stellt Hieke fest.

Technische Unzulänglichkeiten. Otto Schweisgut, Vorsitzender des DRV-Ausschusses Flug, sieht bei den individuellen Direktanbindungen zudem technische Mängel: "Die angebotenen Alternativen decken seit Jahren in keiner Weise die erforderlichen Funktionalitäten ab, um eine professionelle und effiziente Betreuung der Reisenden sicherstellen zu können. Ich habe den Eindruck, dass von Seiten Lufthansa wenig Interesse an funktionierender Technologie besteht. Das lässt vermuten, dass durch diese unzureichende Funktionalität und die massive preisliche Benachteiligung der Fremdvertrieb langfristig gezielt benachteiligt werden soll." Aktuelle Feldversuche zeigten noch große Probleme bei Benutzerfreundlichkeit und Funktionsumfang des Lufthansa-Direktbuchungskanals von Farelogix heißt es. Das Angebotsverzeichnis sei nicht vollständig, die Kombinierbarkeit mit anderen Airlines sei nicht gegeben, und Umbuchungen mit Aufzahlungen seien systemseitig oft nicht durchführbar, sondern nur über das designierte Serviceteam per Telefon.

In der Analyse sind sich die Veretriebsexperten also einig. Ein wirksames Gegenmittel zu finden, um die zunehmende Steuerung der größten deutschen Airline auf den Eigenvertrieb zu verhindern, dürfte ihnen allerdings schwerfallen. Denn bislang haben sämtliche Drohungen, der Vertrieb werde von Lufthansa wegsteuern, dem Carrier allenfalls ein müdes Lächeln abgerungen. Die Null-Provisions-Debatte vergangener Jahre und der Streit um die GDS-Gebühr lassen grüßen.