18. Mai 2017 – 20:39
DRV-Reisebürotag: Hoffnungsträger Kreuzfahrt
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Hat sicher ihren Anteil am Kreuzfahrtboom – die "Amadea" ist das aktuelle ZDF-"Traumschiff" – Foto: Phoenix Reisen

"Ohne das Wachstum des Kreuzfahrtmarktes sähen die aktuellen Zahlen für unsere Branche erheblich schlechter aus", sagte DRV-Präsident Norbert Fiebig gleich zu Beginn des DRV-Reisebürotages am 18. Mai in Frankfurt. Kein Wunder also, dass sich die Vertriebstagung des Branchenverbandes dieses Themas gerne annahm. Schließlich sind die aktuellen Marktdaten, und erst recht die Prognosen, nicht nur optimistisch, sondern geradezu euphorisch. „In diesem Jahr haben wir die Zwei-Millionen-Grenze überschritten“, sagte Wybcke Meier, Chefin von Tui Cruises, bei einer Podiumsdiskussion über die Perspektiven des Segments. Bis 2020 rechnet Meier mit drei Millionen Kreuzfahrtgästen aus Deutschland pro Jahr und vielleicht 2026, spätestens aber 2028, werde man die Vier-Millionen-Marke erreichen.

Fluch und Segen. Freilich sind die optimistischen Prognosen zugleich Hoffnung und Zwang. Schließlich erwartet die Branche weltweit bis 2026 die Indienststellung von 97 neuen Schiffen, und die müssen gefüllt werden. Das Potenzial dafür sei vorhanden, ist Meier sicher: "56 Prozent der Deutschen können sich heute noch nicht vorstellen, eine Kreuzfahrt zu machen. Das zeigt, welche Chancen noch vorhanden sind."

Auch das Segment der Flusskreuzfahrten werde weiter wachsen, betonte Arosa-Flussschiff-Chef Jörg Eichler im Rahmen der Diskussion. Sein Unternehmen werde die Flusskreuzfahrten künftig noch klarer als bequeme Form der Städtereise vermarkten und die Schiffe dafür adäquat ausrüsten: "Wir werden ein modernes Mehr-Generationen-Schiff bauen lassen, das deutlich größer ist als die heutigen Modelle", kündigte er an.

Aus der Sicht der Reisebüros ist der Kreuzfahrtboom eine Chance. Schließlich ist der persönliche Kontakt zum Kunden die beste Voraussetzung für Überzeugungsarbeit. Allerdings wird das Kreuzfahrt-Wachstum nicht von einem entsprechenden allgemeinen Marktwachstum getragen, sondern es geht zu einem großen Teil zu Lasten des klassischen Badeurlaubs an Land. Diese Kette kann nur durchbrochen werden, wenn es gelingt, zunehmend mehr Kunden zu gewinnen, die ihren Urlaub bisher individuell ohne die Touristik organisiert haben. Die Chancen dafür stünden gut, glaubt Reisebüroinhaber und DRV-Vorstand Oliver Wulf. Schließlich gewinne die Kreuzfahrt immer jüngere Gäste.

Problem Rabattsucht. Als größtes Problem kristallisiert sich unterdessen aus der Vertriebsperspektive immer mehr die Neigung heraus, die Kunden für die nicht selten hochpreisigen und daher attraktiven Reisen durch Preisnachlässe auf Kosten der eigenen Provision, Rückvergütungen oder Bordguthaben zu locken. Dem stehen Reedereien und stationärer Vertrieb gleichermaßen ablehnend wie machtlos gegenüber. Es gebe wohl kein Marktsegment, in dem die Rabattsucht so verbreitet sei wie bei der Kreuzfahrt, formulierte es ein Tagungsteilnehmer. Dabei, so Tui-Cruises-Managerin Meier, sei diese angesichts einer Auslastung der Schiffe von rechnerisch mehr als 100 Prozent und Reisen, die bis zu 16 Monate im Voraus ausgebucht seien, "völlig überflüssig". Und auch Benjamin Krumpen, Chef von Phoenix Reisen, appellierte: "Lasst Euch nicht zu Rabatten hinreißen, sonst entsteht der Eindruck, Eure Provisionen seien zu hoch."

Christian Schmicke