03. November 2017 – 15:06
Diese Events erwarten Reisebüros von ihren Ketten und Kooperationen
qta-jahrestagung2014
QTA-Jahrestagung 2014 – Foto: QTA

Große Party, einmal im Jahr? Die Ketten- und Kooperationschefs regelmäßig vor Ort? Unterstützung bei Praxisthemen oder eher Branchenpolitik? Welche Event-Formate und Inhalte erwarten die Reisebüros von ihren Organisationen? Dieser Frage ging Gloobi.de im Rahmen einer exklusiven Online-Umfrage für das "Reise vor9 Magazin" nach. Das Ergebnis der Online-Umfrage, an der rund 250 Chefs und Mitarbeiter aus dem Vertrieb teilnahmen, zeigt: Jahrestagungen besitzen für die Mehrzahl der Ketten- und Kooperationsmitglieder einen beachtlichen Stellenwert. Aber damit alleine ist es nicht getan.

Rund zwei Drittel der Befragten finden die Vorzeige-Events wichtig oder, wie knapp 35 Prozent von ihnen, sogar sehr wichtig. Allerdings drückt sich dieser hohe Stellenwert nicht bei allen im praktischen Handeln aus. Denn nur gut die Hälfte der Umfrageteilnehmer nimmt immer oder wenigstens regelmäßig daran teil. Für eine große Zahl von Reisebüros ist die Tagung hingegen kein Pflichttermin, sondern eher eine Entscheidung von Fall zu Fall. Für rund ein Viertel ist dabei ausschlaggebend, ob der Termin in ihre Pläne passt. Jeder Achte macht seine Anreise davon abhängig, ob ihn das Zielgebiet, in dem getagt wird, reizt. Und ebenso viele sind noch nie auf einer Jahrestagung ihrer Kette oder Kooperation gewesen.

Daraus wird deutlich: Ein groß inszeniertes Event im Jahr allein reicht nicht aus, um Franchisenehmer und Mitglieder zu halten – und erst recht nicht, um neue hinzu zu gewinnen. Denn das inhaltliche Spektrum, das eine solche Großveranstaltung in zwei bis drei Tagen abdecken kann, ist begrenzt. Neben Zielgebietserkundungen und abendlichen Partys bestimmten über Jahre Talkshow-artig inszenierte Diskussionsrunden zu mehr oder minder brisanten Themen, Grundsatzreden der Ketten- und Kooperationsfürsten und Workshops zu diversen Einzelthemen, bei denen auch die Sponsoren der Veranstaltungen nicht zu kurz kommen durften, das Bild. Das mag im Gesamtbild eine gelungene Veranstaltung ergeben. Der Vielfalt der Wünsche und Ansprüche der Reisebüros an ihre Organisation wird es aber nicht gerecht.

Zukunftsthemen im Fokus. Erklären lässt sich dies anhand der weiteren Umfrageergebnisse zu den Erwartungen, die Reisebüros an die Formate und Inhalte der Events haben. Denn die gewünschten Themen umfassen die gesamte Palette der Zukunftsfragen, mit denen sich die Agenturen konfrontiert sehen. Ganz weit vorne stehen mit branchenpolitischen Themen weiterhin die Klassiker der Jahrestagungen. Knapp vier von fünf Büros wollen diese auf den Veranstaltungen ihres Bündnisses diskutiert sehen. Doch gleich dahinter folgt mit dem Thema IT ein Bereich, der im Rahmen von Events mit hunderten von Teilnehmern allenfalls angerissen werden kann und anschließend der individuellen Vertiefung anhand der Ausgangslage des einzelnen Büros bedarf. Auch in betriebswirtschaftlichen Fragen erwarten die Reisebüros die Unterstützung ihrer Organisation durch entsprechende Veranstaltungen. Zudem wünscht sich eine deutliche Mehrheit von ihnen Impulse für das eigene Marketing.

Produkte und Destinationen Nebensache. Weniger gefragt sind nach dieser Erhebung die bei Ketten und Kooperationen beliebten Produktschulungen von Leistungsträgern, wie etwa Veranstaltern. Etwa die Hälfte der Umfrageteilnehmer hält sie zwar für wichtig; die andere Hälfte sieht Ketten und Kooperationen hingegen nicht in der Pflicht, für die Verbreitung der Botschaften der touristischen Partner zu sorgen. Auch die Vermittlung von Zielgebietswissen betrachtet eine Mehrheit der befragten Reiseprofis eher als Aufgabe der jeweiligen Tourismusorganisationen denn als wichtigen Bestandteil von Ketten-  und Kooperations-Events.

Persönlicher Austausch im Mittelpunkt. Neben breit gefächerten thematischen Schwerpunkten wünschen sich die Vertriebsprofis vor allem Event-Formate, bei denen sie sich mit ihren Kollegen austauschen können. Dazu bieten natürlich die großen Jahrestagungen Gelegenheit, vor allem aber Angebote, die den Austausch im kleineren Kreis ermöglichen. Die Umfrageteilnehmer haben dabei übrigens nicht nur die Reisebüroschefs im Blick. Rund die Hälfte wünscht sich ausdrücklich Event-Formate, die auch den Dialog unter Expedienten ermöglichen.

Ein weiteres Anliegen ist den Reisebüros der direkte Draht zu den Ketten- und Kooperationschefs – möglichst ohne dafür selbst jedes Mal selbst weite Wege zurücklegen zu müssen. Deshalb stehen Veranstaltungen auf lokaler und regionaler Ebene bei jedem zweiten Umfrageteilnehmer hoch im Kurs. Sie stellen die Zentralen der Verbünde zwar vor logistische und zeitliche Herausforderungen, werden aber von den Mitgliedern, die so ihrerseits ohne großen zeitlichen Aufwand zum Ausdruck bringen können, wo sie der Schuh drückt, sehr geschätzt.

Christian Schmicke

Weitere Infos zu Events der Reisebüroketten und -kooperationen finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Reise vor9 Magazins