12. Juli 2017 – 13:00
DER Touristik will mit Tierschutz künftig Ernst machen
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Foto: World Animal Protection

Die Veranstalter der DER Touristik haben angekündigt, bis 2020 sukzessive alle Angebote mit direktem Kontakt zu Wildtieren aus ihren Programmen zu entfernen. Dabei bezieht sich das Unternehmen auf Angebote wie Elefantenreiten, Delfinschwimmen, aber auch Spaziergänge mit Löwen, Bärenshows oder Stierkämpfe.

Auf diese Weise sollten "Tiere im Rahmen des Tourismus vor Missbrauch geschützt und ihr natürlicher Lebensraum erhalten werden, damit unsere Kunden die Tierwelt in den Reisländern auf verantwortungsvolle und sichere Weise entdecken können“, kündigt René Herzog, CEO DER Touristik Central Europa, an. Bei der Entwicklung der Richtlinie für das geplante Maßnahmenpaket orientiert sich das Unternehmen, wie andere Touristikanbieter auch, an der "Global Welfare Guidance for Animals in Tourism" des britischen Reiseverbands ABTA. Der Leitfaden definiert Mindestanforderungen für Attraktionen mit Tieren und wurde von zoologischen Sachverständigen, Tierschutzorganisationen und der Reisebranche entwickelt.

Anbieter werden überprüft. Partner, die Aktivitäten mit Tieren anbieten, werden nach und nach vor Ort von unabhängigen Experten für Tierschutz im Tourismus auf die Einhaltung der Anforderungen untersucht. "Angebote, die unsere Anforderungen grundsätzlich nicht einhalten, wie beispielsweise Elefantenreiten und Stierkämpfe, werden aus unseren Katalogen entfernt", verspricht Ulrike Braun, Leiterin Corporate Responsibility der DER Touristik. Anbietern mit unbefriedigenden Standards werde angeboten, "gemeinsam an Verbesserungen zu arbeiten". Wenn dies nicht fruchte, würden sie ebenfalls aus dem Angebot genommen.

Branchenweiter Trend. Mit dem Schritt folgt DER Touristik anderen Unternehmen. Ende vergangenen Jahres hatte Thomas Cook, ebenfalls unter Berufung auf die Global-Wellfare-Richtlinien der ABTA, Maßnahmen zum Tierschutz angekündigt. Im April teilte der Konzern mit, 16 Angebote, die nicht den Anforderungen an eine artgerechte Tierhaltung entsprächen, seien aus den Programmen gestrichen worden.

Vorreiterrolle. Tui versprach bereits im Juli 2015, Elefantenreiten und Elefantenshows aus dem Angebot zu nehmen. Dies sei bereits im Folgejahr konsequent umgesetzt worden, heißt es aus Hannover. Seither biete der Konzern ausschließlich elefantenfreundliche Ausflüge an, bei denen Kunden "Elefanten auf eine Art und Weise erleben, die unnatürliches Verhalten vermeidet". Zudem betont der Marktführer, die Einhaltung der Globalen Tierschutz-Leitlinien, an der man seit 2013 gemeinsam mit der ABTA arbeite, sei bereits ein Bestandteil aller Lieferverträge. Eine unabhängige Auditierung sei Voraussetzung dafür, weiterhin ein Anbieter von Tier-Ausflügen für die Tui-Gruppe zu sein.

Signalwirkung. Auch außerhalb der Veranstalterlandschaft ist Bewegung in die Sache gekommen. Im Herbst 2016 erklärte etwa die Reise-Website Tripadvisor, man werde "den Ticketverkauf für Attraktionen einstellen, bei denen Reisende in direkten Kontakt mit wilden Tieren kommen, die in Gefangenschaft gehalten werden oder zu einer gefährdeten Art zählen".

Hartnäckige Kritiker. Nach und nach setzen sich die Tierschutzstandards also durch. Das dies so ist, ist vor allem der unermüdlichen Arbeit von Tierschutzorganisationen zu verdanken. Jahrelang hatten Vereine wie Peta, das Wal- und Delfinschutz-Forum WDSF, World Animal Protection und andere immer wieder den Finger in die Wunde gelegt und auf Missstände aufmerksam gemacht. Nicht jeder vermeintliche Skandal wurde dabei ganz sauber recherchiert, aber die Aktionen zeigten Wirkung. So erreichte der WDSF 2014 mit Tui, FTI, Schauinsland Reisen und Alltours eine Übereinkunft, weltweit keine Delfin- und Orca-Shows mehr anzubieten. DER Touristik und Thomas Cook schlossen sich diesem Schritt damals nicht an.

Tierschutz contra Umsatz. Denn die Reiseleitungen und Zielgebietsorganisationen der Veranstalter verdienen an Ausflügen zu Tiershows, die sie ihren Kunden verkaufen, kräftig mit. Reiseleiter werden anhand der Zusatzverkäufe, die sie erreichen, beurteilt. Und für viele Zielgebietsorganisationen sind diese ein zentraler Bestandteil ihrer Kalkulation. Sich davon teilweise zu verabschieden, fiel ihnen daher naturgemäß nicht leicht.

Christian Schmicke