25. September 2017 – 18:22
Das Ende von Airberlin ist beschlossene Sache
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Erinnerungsfoto von Airberlin aus dem Gründungsjahr 1979: Nach 38 Jahren ist das Ende nun in Sicht. Foto: Airberlin

 

Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft steht vor ihrer Auflösung. Der Aufsichtsrat von Airberlin hat gestern weitere Übernahmeverhandlungen nur mit Lufthansa und Easyjet bestätigt. Demnach soll Lufthansa die österreichische Tochter Niki, die Luftverkehrsgesellschaft Walter (LGW) mit ihren 20 Regionalflugzeugen sowie weitere Jets von Airberlin bekommen. Easyjet erhält ebenfalls Teile der Airberlin-Flotte.

Langstrecke wird komplett eingestellt

Gleichzeitig kündigten Management und Insolvenzverwalter von Airberlin das Ende aller Langstrecken an. Bereits gestern wurde die Strecke Düsseldorf – Los Angeles eingestellt. Bis zum 15. Oktober folgen die restlichen Verbindungen, weil die Leasinggesellschaften bis dahin auch die verbliebenen Airbus 330 zurückziehen.

Auch im Europa-Flugplan sollen Flüge gestrichen werden. Unter anderem fallen von nächster Woche an die Strecken Hamburg – München und Köln – München weg. Weitere „Anpassungen“ sollen folgen.

Geld für Gläubiger hat Priorität

Unternehmer Hans-Rudolf Wöhrl, Niki Lauda, Condor, der Luftfahrtkonzern IAG und ein chinesischer Bieter gehen bei der Zerschlagung von Airberlin leer aus. Die Unterlegenen im Bieterkampf und Wettwerber Ryanair meldeten sich teilweise lautstark zu Wort und unterstellten ein abgekartetes Spiel und eine Einflussnahme der Bundesregierung bei der Auswahl der Bieter.

Sachwalter Lucas Flöther hält dies für völlig abwegig. „Das Insolvenzverfahren dient dazu, die Gläubiger bestmöglich zu befriedigen. Dieser einfache Satz, der sich aus §1 der Insolvenzordnung ergibt, beschreibt präzise, welches Ziel wir mit allem verfolgen, was wir in diesem Insolvenzverfahren tun.“ Der Zuschlag gehe an denjenigen mit dem besten Angebot.

Ohne Kredit der Bundesregierung längst am Boden

Über Höhe der Offerten von Lufthansa und Easyjet wurde Stillschweigen vereinbart. „Wenn die Abschlüsse wie geplant finalisiert werden, besteht eine gute Chance, den KfW-Kredit zurückzuzahlen“, betont Airberlin in einer Pressemitteilung. „Den heute präsentierten Verhandlungsstand konnten wir nur mit der schnellen Überbrückungshilfe der Bundesregierung erreichen“, sagt CEO Thomas Winkelmann. „Andernfalls hätten wir am Wochenende 12./13. August 2017 die Flotte grounden müssen.“

Winkelmann sieht für 80 Prozent der Airberlin-Belegschaft gute Chancen, bei den Bietern Lufthansa und Easyjet einen neuen Job zu finden. Generalbevollmächtigter Frank Kebekus mahnt allerdings, man sei noch nicht am Ziel. „Ein stabiler Flugbetrieb in den kommenden Tagen und Wochen ist Grundvoraussetzung für den Erfolg. Alles andere gefährdet die Verhandlungen."