07. Februar 2017 – 21:39
Britische Behörden ermitteln gegen Urlauber-Schadenersatzeintreiber
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Foto: Ashotel

Das britische Justizministerium prüft die Geschäftspraktiken von Anwaltskanzleien, die britische Urlauber in Spanien dazu ermutigt haben sollen, bei Hotels und Veranstaltern Schadenersatzansprüche für vermeintliche Magen-Darm-Erkrankungen einzufordern. Derartige Fälle waren im vergangenen Jahr gehäuft in spanischen Urlaubsregionen aufgetreten (Gloobi.de berichtete). Nach Darstellung örtlicher Hotelverbände sollen Mitarbeiter der Kanzleien Urlauber in den Destinationen angesprochen und aufgefordert haben, im Hotel zu erklären, sie seien nach einer dort eingenommenen Mahlzeit erkrankt und forderten nun eine Kompensation des erlittenen Schadens. Den Großteil der Summe sollen im Erfolgsfall die Schadenersatzeintreiber kassiert haben.

Die spanischen Hoteliers verwiesen in diesem Zusammenhang darauf, dass sich entsprechende Klagen britischer Urlauber vervielfacht hätten, während sich die deutschen und französischen Gäste in ihren Häusern offenbar bester Gesundheit erfreuten. Nach Informationen des britischen Fachblatts "Travel Weekly" zeigte sich der britische Branchenverband Abta erfreut, dass nun eine formelle Untersuchung der Angelegenheit eingeleitet wurde. Dies sei sowohl im Interesse der Industrie als auch der Kunden, die wirkliche Ansprüche anzumelden hätten, dringend geboten, sagte der Justitiar des Verbandes, Simon Bunce, dem Blatt. Die Zeitung "Mail on Sunday" zitiert einen Sprecher des Justizministeriums mit der Bemerkung, die Aufklärung von Betrugsfällen in diesem Sektor habe für seine Behörde "höchste Priorität".

In Großbritannien wird vermutet, dass die massive Zunahme der Urlauberbeschwerden auf einem Strategieschwenk im Geschäftsmodell der Schadenersatzeintreiber basiert. Viele von ihnen hatten zuvor ihr Geld mit der Einforderung von Schadenersatz für angebliche Schleudertraumata nach Verkehrsunfällen verdient. Dieser Praxis hatten die Justizbehörden jüngst einen Riegel vorgeschoben.