27. August 2017 – 19:15
Airberlin-News: Seehofers Lufthansa-Schützenhilfe, Laudas Rückkaufpläne
airberlin-jetfoto-airberlin-wiese
Foto: Airberlin/Wiese

 

Nachdem die Debatte um die Übernahme von Teilen der insolventen Airberlin in der zweiten Hälfte der vergangenen Woche noch einmal Fahrt aufnahm, nachdem am Mittwoch bei einer Versammlung des Gäubigerrates keine Vorentscheidung zu Gunsten von Lufthansa gefallen war, blieb es am Wochenende vergleichsweise ruhig.

Seehofer will Lufthansa helfen. Zwei Akteure nutzten allerdings die Gelegenheit, um sich und ihre Pläne ins Gespräch zu bringen. Der erste war Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Er sprach sich für eine Übernahme von Airberlin durch Lufthansa aus, deren Ziel es sei, die größte deutsche Airline „im Rahmen des Rechts zu stärken“. Es sei „wichtig, an die heimische Wirtschaft zu denken“, sagte der CSU-Chef den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Das unterscheide ihn „von vielen in der Europäischen Kommission, die den Betrieben in Europa große Schwierigkeiten machen, obwohl es ihre Aufgabe wäre, die europäischen Unternehmen zu stärken gegenüber der amerikanischen und chinesischen Konkurrenz“, erklärte der Ministerpräsident, ganz im Wahlkampfmodus.

Lauda denkt an Rückkauf. Außerdem meldete sich der Gründer der Airberlin-Tochter, Niki Lauda, zu Wort. Der will sich gerne die Bücher der Fluggesellschaft ansehen, um gegebenenfalls auch ein Gebot abzugeben. Der Tageszeitung „Österreich“ sagte er: "Ich habe einen Brief vom Insolvenzverwalter von Airberlin bekommen. Mit der Einladung, mir die Papiere anzuschauen. Das werde ich jetzt machen. Und am kommenden Dienstag habe ich bei ihm bereits einen Termin.“

Wöhrl darf doch in die Bücher schauen. Einen Tag später, am Mittwoch, will der Nürnberger Unternehmen Hans Rudolf Wöhrl bei Airberlin vorstellig werden. Wöhrl, der die Fluggesellschaft komplett übernehmen und das Geschäft wieder auf Deutschlandstrecken und europäischen Ferienflüge konzentrieren will und dem von Airberlin-Chef Thomas Winkelmann zunächst vorgeworfen worden war, er betreibe „Trittbrettfahrerei in einer für viele Mitarbeiter sehr schwierigen Situation“, bezeichnete die Einladung als „sehr erfreuliche Trendwende“. Im Anschluss an den Termin werde man „die aktuelle Situation analysieren und eine Fortführungsprognose erstellen, um auf dieser Basis ein qualifiziertes Angebot unterbreiten zu können“, sagte er dem Portal „Airliners“.

Die Phalanx ernsthafter Aspiranten wird damit immer länger. Auch Ryanair-Chef Michael O’Leary hatte bekundet, er würde gerne für die komplette Airberlin bieten, doch seien ihm die Wirtschaftsdaten der Airline bislang nicht zugänglich gemacht worden. Condor soll an der Übernahme der Leasingverträge für mindestens zehn Airberlin-Maschinen inklusive der Slots interessiert sein. Easyjet interessiert sich für Airberlin-Slots in Düsseldorf. Und Lufthansa würde bekanntlich gerne rund 90 Airberlin-Maschinen samt der kompletten Niki als Wachstumsbeschleuniger für die Low-Cost-Tochter Eurowings nutzen.

Letztere sorgte bereits mit Stellenausschreibungen im großen Stil für Piloten und Flugbegleiter für Aufregung. Der „Spiegel“ zitiert aus einem internen Schreiben von Eurowings-Flugbetriebsleiter Michael Spohr, in dem die eigene Belegschaft um Verständnis bitet, dass die Firma bereits Stellenausschreibungen für zusätzliche Crews veröffentlicht habe, auf die sich von Arbeitslosigkeit bedrohte Airberlin-Kollegen bewerben könnten – in der Regel allerdings zu deutlich schlechteren Konditionen. Dagegen gingen die Airberlin-Beschäftigten auf die Barrikaden. In einem offenen Brief an die Bundesregierung heißt es, diese vertrete „im Zuge einer Aufspaltung der Airberlin einseitig deutsche Wirtschaftsinteressen" und vernachlässige  die "soziale Schutzwürdigkeit" der Angestellten. Es dränge sich "der Eindruck auf, dass die Übernahme der Air Berlin durch die Lufthansa lange vorbereitet war; und dies mit dem Wohlwollen der Bundesregierung".

Christian Schmicke