19. Juni 2017 – 15:11

Der Wonnemonat Mai hat zwar dem Umsatz in deutschen Reisebüros gut getan, aber das ist ausschließlich den Frühbuchern zu verdanken. Die Schnäppchenjäger für den kommenden Winter waren unterwegs. Der Umsatz mit Abreise ab November stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um 21 Prozent, so die Zahlen des GfK-Vertriebspanels. Jeder vierte gebuchte Euro im Mai war für den Winter.

Die von den Reiseveranstaltern herbeigesehnte Aufholjagd bei den Sommerbuchungen hat im Mai einen Dämpfer bekommen. Die Buchungseingänge lagen nur auf dem Niveau von 2016, das allerdings damals ein Minus von 16 Prozent auswies. Kumuliert steht der Sommer aktuell mit drei Prozent im Plus und hat damit das Minus von sieben Prozent vor einem Jahr noch nicht wieder wettgemacht.

Das GfK-Vertriebspanel basiert auf den Buchungsdaten von 1.500 Reisebüros. Die Stichprobe umfasst rund 340.000 Buchungssätze.

16. Juni 2017 – 18:44
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Ergebnisse ei­ner Ge­mein­schaftstu­die der Uni­ver­si­tä­ten von San­to Do­min­go und Pu­er­to Ri­co über den Zu­stand der do­mi­ni­ka­ni­schen Ostküs­te lassen nach Informationen des "Dom-Rep-Magazins" Rückschlüs­se auf die Ursachen der Ero­sion, von der die Strände betroffen sind, zu. Nicht et­wa star­ker Wel­len­gang durch vor­bei zie­hen­de Hur­ri­ka­ne ver­ur­sa­che das Abtra­gen der Strän­de, son­dern durch den Kli­ma­wan­del be­ding­te Kaltfron­ten, heißt es. Da­von gebe es jedes Jahr meh­re­re, zitiert das Blatt den Kli­ma-Exper­ten Ra­fael Men­dez-Te­je­da von der Uni­ver­si­tät Pu­er­to Ri­co. Die Kaltfron­ten drü­ckten kal­te Luft auf die Was­se­ro­ber­flä­che und ver­ur­sa­chten so den Wel­len­gang. Un­ter­sucht wur­den rund 40 Ki­lo­me­ter Küs­te zwi­schen Uve­ro Alto und Jua­nil­lo. Die Re­vi­sion al­ter Fo­tos der Strän­de zwi­schen 1958 und 2016 habe be­stä­ti­gt, dass die be­lieb­ten wei­ßen Sand­strän­de lang­sam ver­sch­win­den. Dar­über hin­aus steigt der Meer­esspie­gel in der Ka­ri­bik jähr­lich zwi­schen 12 und 15 Millimeter. Zur Ret­tung der Strän­de müs­se vor al­lem auch die Be­bauung festen Regeln unterworfen wer­den. Wenn fes­te Ge­bäu­de und Mau­ern zu dicht am Ufer stünden, kön­ne der Sand nicht mehr dorthin zu­rück­flie­ßen.

16. Juni 2017 – 12:55
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Die Turbulenzen bei Airberlin verursachen im stationären Vertrieb jede Menge zusätzliche Arbeit und erhöhen den Beratungsbedarf deutlich. Das ist das Ergebnis einer exklusiven Umfrage für Gloobi, an der sich rund 200 Reisebüros beteiligten. Knapp die Hälfte der befragten Vertriebsprofis erklärt, die Flugausfälle und Verspätungen verursachten in ihrem Büro viel zusätzliche Arbeit. Bei einem weiteren Drittel fällt etwas mehr Arbeit an. 55 Prozent der Teilnehmer sagen, zahlreiche Kunden seien verunsichert, 31 Prozent geben an, dass lediglich einige Kunden Anzeichen von Verunsicherung zeigten.

Weniger Buchungen. Auch das Buchungsverhalten hat sich angesichts der Negativ-Schlagzeilen der vergangenen Wochen verändert. 43 Prozent der Expedienten erklären, ihre Kunden buchten nun seltener Airberlin-Flüge. Bei 45 Prozent beschränken sich die Buchungen jetzt auf Pauschalreisen, bei denen die Kunden und ihr Geld besser abgesichert sind als bei Einzelplatzbuchungen.

Jeweils die Hälfte der Reiseprofis rät Kunden dazu, auf andere Airlines auszuweichen oder die Fluggesellschaft nur noch im Rahmen von Pauschalarrangements zu buchen. In Kommentaren geben viele Teilnehmer an, die buchten Airberlin nur noch, wenn es auf der jeweiligen Strecke keine Alternative dazu gebe. Nur elf Prozent sagen ihren Kunden, sie könnten Airberlin-Flüge weiterhin unbesorgt buchen.

Selbst ohne Einschränkungen mit der angeschlagenen Airline verreisen würden nur 16 Prozent der Befragten. 44 Prozent würden dies ausschließlich im Rahmen von Veranstalterpaketen tun und 34 Prozent ausschließlich kurzfristig.

Lange Wartezeiten bei der Hotline. In Kommentaren kritisieren die Reisebüros zudem lange Wartezeiten und mangelnde Kompetenz in den Servicezentren des Carriers. Ein Expedient berichtet von bis zu zwei Stunden in der Warteschleife. "Bei Verschiebungen und Ausfällen muss ich bei telefonischen Rückfragen mit einer Wartedauer in der Hotline von bis zu zwei Stunden rechnen, um dann am anderen Ende der Leitung einen Mitarbeiter anzutreffen, der ein unverständliches Deutsch spricht und dem ich darüber hinaus noch seinen Job erklären muss", klagt ein Reisebüromitarbeiter.

Christian Schmicke

16. Juni 2017 – 12:06

In aller Stille hat Tui die 2012 gestartete "Experten-Community" auf der Website beerdigt. Die Plattform, auf der Reisebüros und Tui-Angestellte Reiseberichte und Tipps veröffentlichten, um sich als Experten für bestimmte Zielgebiete oder Urlaubsformen zu profilieren, ist bereits abgeschaltet. Laut Tui können Expedienten ihre Tipps und Bilder noch bis Ende Oktober im Erfassungstool der Community finden, um sie gegebenenfalls anderweitig zu verwenden.

"Perfekte Gelegenheit". Bei der Einführung des Tools hatte Tui geworben, die Community sei "eine perfekte Gelegenheit für Expedienten und Spezialveranstalter, die ihr Wissen teilen und dabei neue Kundenkontakte knüpfen möchten". Jeder Expedient könne selbst entscheiden, wie viel er von seinem Wissen preisgibt. Je mehr jemand verrate, desto höher seien "theoretisch die Chancen auf neue Kontakte zu Kunden mit dem entsprechenden Wissen“. Zuletzt wurden unter dem Link 163 Firmenprofile und 1.683 Reiseexperten mit insgesamt 6.519 Expertentipps aufgeführt.

Neue Projekte. Der Marktführer erklärt die Auflösung der Community damit, dass man sich auf "andere Projekte aus dem Bereich Multichannel" konzentrieren wolle, die den stationären Vertrieb mit dem Online-Vertrieb verknüpfen. Diese böten "aktuell einen stärkeren Mehrwert für die Kunden, den Veranstalter und die Vertriebspartner". Gemeint sind damit etwa ein Live-Chat und das so genannte "Reisewunschportal", das Kunden nach ihren Wünschen fragt, wenn sie in Begriff sind, die Tui-Seite zu verlassen. In beide Aktivitäten werden Reisebüros einbezogen.

Geringe Beliebtheit. Eine Umfrage unter Reisebüros für das "Reise vor9 Magazin" hatte im Mai ergeben, dass die Mitmach-Angebote der Veranstalter bei Reisebüros nicht sonderlich beliebt sind. Die Mehrheit der befragten Expedienten beteiligt sich auf diesen Plattformen nicht. Und nur 18 Prozent derer, die grundsätzlich in Expertenforen aktiv sind, stellen ihr Know-how auf der Website ihres Leitveranstalters zur Verfügung - also nicht einmal fünf Prozent aller 200 befragten Büros. Wenn überhaupt, ist der stationäre Vertrieb eher auf der eigenen Website oder auf derjenigen seiner Reisebüroorganisation aktiv.

Christian Schmicke

14. Juni 2017 – 14:51
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Zuletzt mag mancher gedacht haben, Sebastian Ebel könne eigentlich gar nicht genug Jobs haben. Neben der Führung von Tui Deutschland, die er stets mit dem Attribut "übergangsweise" etikettierte, ist Ebel im Konzernvorstand für Hotels und Kreuzfahrten sowie die Region Central mit Tochtergesellschaften in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Polen zuständig. Und nebenbei ist er Präsident des Beinahe-Erstliga-Aufsteigers Eintracht Braunschweig. Nun zieht sich Ebel zurück – aber nicht vom Fußball, sondern "nur" aus der Führung von Tui Deutschland. Den Posten übernimmt Touristik- und Vertriebsgeschäftsführer Marek Andryszak. Ebel will sich auf seine Aufgaben als Konzernvorstand konzentrieren und das Wachstum im Hotel- und Kreuzfahrtgeschäft vorantreiben. Zudem erhält er einen Sitz im Aufsichtsrat von Tui Deutschland. Neu in die Geschäftsführung rückt Stefan Baumert auf. Baumert war bislang Leiter Produkt & Trading und wird im neuen Führungsteam um Andryszak Touristikchef.

Andryszak ist seit Januar Touristikchef von Tui Deutschland und seit April in Personalunion Vertriebsgeschäftsführer. Seit 2016 leitet er zudem die Last-Minute-Tochter L'tur. Davor war er von 2009 bis 2016 Vorsitzender der Geschäftsführung von Tui Polen. Begonnen hat der Wirtschaftsingenieur seine Tui-Laufbahn als Trainee der Tui AG im Jahr 2000.

Baumert war 2015 nach zweijähriger Tätigkeit als Produktchef im L'tur-Vorstand zu Tui Deutschland zurückgekehrt und hatte den neu geschaffenen Bereich Produkt & Trading übernommen. Bei Tui arbeitet der studierte Betriebswirt bereits seit 1999.

14. Juni 2017 – 14:21
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Bernd Schulz wird Vorstandsvorsitzender beim IT-Dienstleister für Geschäftsreise- und Reisekostenmanagement Ifao AG. Er übernimmt den Posten von Unternehmensgründer Louis Arnitz, der sich ins Privatleben zurückzieht. Schulz trat bereits Anfang Januar dem Management-Team von Ifao bei, seit dem 7. April 2017 führt er die Geschäfte der Ifao Group, einer Tochtergesellschaft der Ifao AG. Zuvor war er seit 2012 Geschäftsführer von Amadeus Germany mit Verantwortung für die Märkte Deutschland, Österreich und Schweiz.
Schulz führt nun die Ifao AG und die Ifao Group gemeinsam mit Geschäftsführerin Karin Froese. Ifao ist zu 88,7 Prozent im Besitz von Amadeus.

Schulz kennt die Ifao-Lösungen, wie er sagt, noch aus der Nutzerperspektive. Schließlich ist er im Geschäftsreise-Management ein alter Hase. Von 1999 bis 2012 arbeitete er in verschiedenen Funktionen im Travel Management der Siemens AG, zuletzt als Leiter des globalen Travel Managements. Als Großkunde sei er bereits damals regelmäßig in die Weiterentwicklung von der Ifao-Lösung Cytric eingebunden gewesen, unterstreicht  er und verspricht, "die Geschäftsreise- und Abrechnungsprozesse für unsere Kunden noch effektiver, nutzerfreundlicher und kostengünstiger zu gestalten".

14. Juni 2017 – 14:16

Die deutschen Gründer und ihre Kapitalgeber machen Kasse: Trust You, die größte Plattform für Hotelbewertungen, geht an den japanischen Internet-Konzern Recruit. Für eine nicht genannte Summe übernimmt Recruit alle Anteile des Münchner Start-ups. Die Gründer Jakob Riegger und Benjamin Jost bleiben an Bord und sollen die weitere internationale Expansion vorantreiben.

Trust You ist ein Metasearcher für Hotelbewertungen. Die Plattform wertet rund 150 Quellen in allen Sprachen aus und sucht dort automatisiert nach Gästefeedback, zum Beispiel bei Holidaycheck oder Booking. Dazu kommen eigene Umfragen. Das addiert sich auf rund 100 Millionen Bewertungen pro Jahr.

Einnahmen generiert Trust You von den Hotels, den sie ein umfangreiches Reputations-Management zur Verfügung stellt. Trust You analysiert die Bewertungen und fasst sie zusammen. Die Hoteliers erhalten so einen tagesaktuellen Überblick, wie Gäste ihr Hotel einschätzen, wo ihre Schwächen und wo ihre Stärken liegen. Abnehmer sind sowohl Ketten wie Accor oder Best Western als auch Einzelhotels.

Trust-You-Käufer Recruit Holdings kommt aus der Personalwesen und ist mit einer Job-Suchmschine groß geworden. Heute steht Recruit für einen Umsatz von rund 15 Milliarden Euro und investiert zunehmend in die Reiseindustrie. Zum Portfolio zählt die größte japanische Online Travel Agency Jalan und die Reservierungsplattform für Restausrants Quandoo.

13. Juni 2017 – 21:16
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Die römische Bürgermeisterin Virginia Raggi führt strenge Strafen zum Schutz der historischen Brunnen der Ewigen Stadt ein. So drohen Touristen, die in der Nähe von 40 historisch oder künstlerisch wertvollen Brunnen picknicken, sie verschmutzen oder darin baden, Strafen von bis zu 240 Euro. Streng verboten ist auch das Klettern auf die Brunnen sowie, Tiere oder Kleidung darin zu waschen.

Die Maßnahmen sollen historische Monumente wie den Trevi-Brunnen und den berühmten Barcaccia-Brunnen vor der Spanischen Treppe schützen. "Jeder muss die Schönheit Roms respektieren", erklärte Raggi, die Mitglied der populistische Fünf-Stern-Bewegung ist. Die Polizei sei zudem angewiesen worden, die historischen Plätze aufmerksamer als bisher zu beobachten. Der Erlass gilt zunächst bis Oktober.

13. Juni 2017 – 18:32
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Besser spät als nie: Der Deutsche Reiseverband (DRV) hat einen Ausschuss für Digitalisierung ins Leben gerufen. Dirk Föste von der Tui AG wurde im Rahmen der ersten Sitzung des neuen Ausschusses zum Vorsitzenden und Oliver Wulf, DRV-Vorstand mittelständische Reisemittler, zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Der Ausschuss habe "mit seiner Arbeit die ganze Breite der Branche im Blick", teilt der Verband mit.

Der neue Ausschuss soll  den Austausch mit branchenfremden Unternehmen fördern und von deren Expertise profitieren. Daher nehmen Experten zum Beispiel von Google und Amazon als ständige Gäste an den Ausschusssitzungen teil, um den Erfahrungsaustausch fruchtbarer zu gestalten. "Die Tourismusbranche muss sich im Wettbewerb mit den globalen Internetplayern zunehmend messen und sich gleichzeitig der hohen Dynamik der digitalen Entwicklung stellen, die uns der Kunde vorgibt. Umso wichtiger ist es, den Blick über den Tellerrand zu wagen, offen für neue Ideen zu sein und die Digitalisierung als Chance zu begreifen, den Kunden immer schneller und besser zu bedienen“, sagt Föste.

Der neue DRV-Ausschuss Digitalisierung wolle, so Föste weiter, den oft schwer greifbaren und oft missbrauchten Querschnittsbegriff Digitalisierung "entmystifizieren“ und in fassbare Handlungen für die Branche übersetzen. Zudem müsse sich die Branche mithilfe der Digitalisierung den steigenden Erwartungshaltungen der Kunden nähern.Ebenso wichtig werde es sein, sich mit den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen der Digitalisierung für die Reisebranche zu beschäftigen.

Ein weiterer Baustein des DRV auf dem Weg in die digitale Welt ist der kürzlich gestartete Digitalisierungs-Blog Reisen 4.0. Er soll als Informations- und Kommunikationsplattform rund um das Thema Digitalisierung dienen und das Sprachrohr der zukünftigen Ausschussarbeit sein.

13. Juni 2017 – 14:44
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Wenn sich am Mittwoch die Aktionäre von Airberlin zur Hauptversammlung in London treffen, werden sie über die aktuellen Ereignisse rund um das Unternehmen bestens informiert sein. Denn seit Wochen ist ihr Unternehmen in den Schlagzeilen. Allerdings sind die in den seltensten Fälllen positiv. Zu  den jüngsten öffentlich gemachten Anekdoten zählt die des Passagiers, der erst 15 Minuten vor dem Boarding darüber informiert wurde, dass sein Flug von Stuttgart nach Berlin gestrichen sei. Und um das Maß voll zu machen, heißt es in der vom "Focus" verbreiteten Meldung, die Crew sei noch später davon in Kenntnis gesetzt worden als der Fluggast.

Mit solchen Hiobsbotschaften verschlechtert sich die Lage von Airberlin und ihrer österreichischen Schwestergesellschaft Niki täglich. Denn es ist unwahrscheinlich, dass viele Kunden angesichts zahlreicher Flugausfälle und Verspätungen sowie der wirtschaftlich angespannten Lage derzeit zu Neubuchungen bereit sind. Erst recht nicht, wenn sie zu wirtschaftlich tragfähigen Preisen oder gar langfristig erfolgen sollen.

Teure Flugausfälle und Verspätungen. Hinzu kommt, dass Verspätungen und Flugausfälle die Airline teuer zu stehen kommen, zumal immer mehr Passagiere über die Entschädigungsregelungen in solchen Fällen Bescheid wissen und die diversen Portale zur Einforderung von Fluggastrechten die Gunst der Stunde geschickt nutzen, um sich und ihre Services ins rechte Licht zu rücken. Allein das Portal Fairplane gibt an, in diesem Jahr schon 1,85 Millionen Euro für seine Kunden von Airberlin eingestrichen zu haben.

Auch die jüngsten Verkehrszahlen dürften nicht zur Entspannung beitragen. Denn im Mai beförderte Airberlin mit rund 2,2 Millionen Passagieren 18 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Die Auslastung sank um gut einen Prozentpunkt auf 79 Prozent. Ob Airberlin mit staatlicher Unterstützung rechnen kann, wie von Airline-Chef Thomas Winkelmann angefragt, ist zudem mindestens unsicher. Aus dem Bundeswirtschaftsministerium hatte es dazu erst geheißen, Voraussetzung für eine Bürgschaft sei ein tragfähiges Zukunftskonzept des Unternehmens. Nun erklärte eine Sprecherin, die Prüfung der Anfrage werde "einige Wochen bis Monate" dauern. Auch Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries meldete sich zu Wort: "Die Situation von Air Berlin ist prekär, sonst würde so ein Antrag auf Bürgschaft nicht gestellt", sagte die SPD-Politikerin.

Gewerkschaft gegen Geld vom Staat. Aus der Politik waren in Sachen Bürgschaft in den vergangenen Tagen überwiegend ablehnende Stimmen zu vernehmen. Lediglich der Flughafenverband ADV, für den Airberlin ein Großkunde ist, äußerte sich zustimmend. Gegenwind kommt nun auch von der Flugbegleitergewerkschaft Ufo. Deren Tarifvorstand Nicoley Baublies hält "von Staatsbürgschaften in der jetzigen Situation nichts". Es stehe "nach Aussagen aller Beteiligten fest, dass Air Berlin nicht unabhängig bleiben kann und Lufthansa das Unternehmen übernehmen will". Darum solle der Marktführer jetzt "einen offenen Dialog mit dem Unternehmen und der Belegschaft" darüber führen, unter welchen Bedingungen eine Integration möglich sei. Es müsse dafür gesorgt werden, dass die Airberlin-Mitarbeiter "nicht zu irgendwelchen Tochterfirmen in Mallorca, Österreich oder gar Irland abgeschoben werden". Laut Baublies "geschieht das schon oder wurde angedroht." Staatshilfen seien nur denkbar, wenn sie als Vorbedingung jede Art von Tarifflucht ausschließen, um dann "einen reibungslosen Übergang" zu ermöglichen, erklärte Baublies gegenüber der "Rheinischen  Post".

Lufthansa könnte der große Gewinner sein. Recht entspannt kann dagegen der avisierte Partner oder Retter Lufthansa die Entwicklung beobachten. Grundsätzlich will er Airberlin als Schutzschild gegen ein weiteres Vordringen von Billig-Airlines wie Ryanair oder Easyjet gerne erhalten und ist, wie Vorstandschef Carsten Spohr mehrfach bekräftigte, auch an einer Übernahme interessiert. Allerdings nur, wenn deren Gesellschafter Etihad vorher die Schulden in Höhe von rund 1,2 Milliarden Euro trägt. Unter wettbewerbsrechtlichen Gesichtspunkten seien die Chancen dafür gar nicht schlecht, sagte nach Kartellrechtlers Martin Gramsch der Nachrichtenagentur DPA. Möglich sei etwa eine "Sanierungsfusion". In diesem Fall müsste die Lufthansa belegen, dass Air Berlin sonst von der Insolvenz bedroht wäre und aus dem Markt ausscheiden würde.

Falls aber doch alles daneben geht und Airberlin richtig in die Pleite schlittert, hat sich Lufthansa gegen unmittelbare Folgen abgesichert. Die meisten der 38 Airberlin-Jets, die für die Kranich-Airline fliegen, laufen mittlerweile über eigene Leasing-Verträge. Offenbar sehen auch die Analysten Lufthansa als  potenziellen Gewinner aus der Airberlin-Krise. Jedenfalls stieg der Aktienkurs der Fluggesellschaft seit dem Jahresbeginn um knapp 50, im vergangenen Monat um neun und am Dienstag um immerhin drei Prozent. Neben der Situation des nationalen Rivalen könnte allerdings auch die aktuelle Krise der Airlines in der Golfregion ihren Teil dazu beigetragen haben.

Christian Schmicke