27. Juni 2017 – 17:41
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Die EU-Kommission hat Google zu einer Strafe von 2,4 Milliarden Euro verdonnert. Die Suchmaschine benachteilige Wettbewerber bei der Online-Produktsuche, erklärt die Behörde zur Begründung. Der Internet-Konzern habe seine dominierende Position missbraucht  und Konkurrenten und Verbraucher damit geschädigt, erklärte die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Konkret bezieht sich das Vorgehen der Kommission auf die Shopping-Suche von Google. Dort werden prominent die von Händlern beim Internet-Konzern platzierten ausführlichen Anzeigen mit Fotos, Preisen und Links präsentiert. Diese Anzeigen sind Teil auch der normalen Google-Suche.

Diese Platzwahl auf der allgemeinen Treffer-Site sieht die EU-Kommission als widerrechtliche Bevorzugung der eigenen Google-Dienste an. Treffer mit Produktvergleichen der Konkurrenz kämen erst viel später, wo sie seltener angeklickt würden, so das Argument. Der US-Konzern habe "seinen eigenen Preisvergleichsdienst in seinen Suchergebnissen ganz oben platziert und Vergleichsdienste der Konkurrenz herabgestuft", erklärte Vestager.

Google hat nun 90 Tage Zeit, um die Systematik zu ändern. Tut der Konzern das nicht, dann  drohen weitere Strafen von bis zu fünf Prozent des Tagesumsatzes des Mutterkonzerns Alphabet. Gemessen an den Umsätzen aus dem Jahr 2016 wären das immerhin rund elf Millionen Euro täglich.

Die Entscheidung der Kommission ermöglicht es Konkurrenten nun, Schadenersatzansprüche gegen Google geltend zu machen. Sie könnte zudem eine Signalwirkung für andere Wirtschaftszweige haben. Zwar sind in der Touristik bislang keine EU-Verfahren gegen den Internetriesen anhängig. Es gibt aber durchaus  Beschwerden, die derzeit von der EU geprüft werden. Google erklärte dazu, man prüfe, Berufung gegen die Strafe einzulegen. Das Argument des Konzerns in dem seit 2010 laufenden Verfahren lautet, die mit Fotos und Details "verbesserten" Suchergebnisse in der Shopping-Suche erleichterten Nutzern die Auswahl und den Kontakt zu Händlern. Dies sei  keine Bevorzugung, sondern man höre den Kunden zu.

26. Juni 2017 – 20:35
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Dass sich Tui immer mehr vom Reiseveranstalter zum Hotel- und Kreuzfahrtunternehmen mit angeschlossenem Veranstalter entwickelt, ist keine ganz neue Erkenntnis. Konzernchef Friedrich Joussen hat diese Strategie in Reden und Interviews bereits mehrfach unterstrichen. Doch nun erreicht der Paradigmenwechsel in Hannover eine neue Dimension. Tui-Vorstand Sebastian Ebel, der in diesen Tagen den Chefposten bei Tui-Deutschland an Marek Andryszak übergibt, vermied bei der jüngsten Programmvorstellung gegenüber der Presse konsequent den Begriff Veranstalter und sprach vom "Vermarktungsbereich", der die eigenen "Assets" – gemeint sind Schiffe und Hotels – als "gleichberechtigte Säule" ergänze.

Ebel begründet das damit, dass die rechtliche Konstruktion, die sich mit dem Begriff Veranstalter verbinde, "dem Kunden oft nicht bewusst" sei und dass Tui neben dem Veranstaltergeschäft, auch reine Vermittlung betreibe, wie etwa im Ferienhaussegment. Nicht die Kategorie Veranstalter sondern die Marke Tui solle für Qualität bürgen. Man könnte die Begriffsspielerei als unerheblich abtun, wenn damit nicht das historisch gewachsene Selbstverständnis der Tui, aber auch anderer Veranstalter, so überdeutlich auf den Kopf gestellt würde. Denn die Veranstalter tendierten stets dazu, sich und ihre Rolle als Kern der Touristik aufzufassen – als Bindeglied zwischen Leistungsträgern und Vertrieb und sozusagen als Komponisten des Produktes.

Im Rahmen der neuen Aufgabenteilung kommt dem Veranstalter allerdings nur noch die Aufgabe zu, die ertragsstarken Assets, also die eigenen Hotels und Schiffe, möglichst gut auszulasten und ihre Produkte schnell und wirksam in den Markt zu bringen. Aus der traditionellen Veranstalterperspektive ist das in etwa so, als würde der Schwanz mit dem Hund wedeln. Und der Druck, dies möglichst schnell und effizient zu tun, wächst. So mahnt der neue Tui-Deutschland-Chef Andryszak bereits an, der Aufwand bei der Erstellung der Produkte müsse reduziert und Prozesse schlanker und einfacher gestaltet werden. Auch das ist im Grunde nichts Neues. Aber es zeigt deutlich, dass sich die Tui-Mitarbeiter weiterhin auf bewegte Zeiten einstellen müssen. Denn, so der scheidende Deutschland-Chef Ebel, der sich fortan auf seine Aufgaben im Konzernvorstand der Tui Group konzentrieren will: "Beim Marktanteil haben wir mit mehr als 23 Prozent unser Ziel fast erreicht. Beim Gewinn bleibt dagegen noch viel Luft nach oben."

Christian Schmicke

26. Juni 2017 – 16:56
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Bis zum Ende der Saison 2018/19 will der Marktführer 40 bis 45 neue Anlagen unter den Labels Riu, Robinson, Magic Life, Tui Blue, Sensimar, Sensatori und Family Life eröffnen. Als wichtigste Neueröffnungen im kommenden Winter nennt Konzernvorstand Sebastian Ebel drei Anlagen auf der Fernstrecke: Den Robinson Club Noonu auf den Malediven, den Robinson Club Khao Lak in Thailand und das Fünf-Sterne-Hotel Riu Dunamar an der Costa Mujeres in Mexiko. Und auch darüber hinaus sollen die Karibik, der Indische Ozean und Südostasien eine Schlüsselrolle für die Expansion der Tui-Hotellerie spielen. Denn diese Regionen seien als Ganzjahresdestinationen für die Hotellerie besonders ertragreich, betont Ebel.

Neben der eigenen Hotellerie wächst auch das Angebot der angebotenen Häuser insgesamt. Allein auf der Fernstrecke sind zum Winter 37.000 Hotels über Tui buchbar. Insgesamt sind es laut Marek Andryszak, der im Juli die Leitung von Tui Deutschland übernimmt, rund 150.000, von denen die meisten über Bettenbanken generiert werden.

Am unteren Ende der Preisskala will Tui mit der Kernmarke ebenfalls kräftig wachsen. So kündigt Andryszak zu Winter den Ausbau der Offerten im Drei-Sterne-Segment auf den Kanarischen Inseln an. Vor allem auf Gran Canaria und Lanzarote sollen Kunden auf der Suche nach preisgünstigen Angeboten häufiger fündig werden. Bedenken, dass die Angebotsausweitung im Budget-Bereich der Marke Tui schaden könnte, hat er nicht. “Die Marke verträgt das“, glaubt Andryszak. „Wir festigen unsere Marktführerschaft in den Bereichen, in denen wir stark sind, und steigern unsere Aktivitäten in Segmenten, in denen Tui noch unterrepräsentiert ist.“ Insgesamt soll das Bettenangebot des Marktführers auf den Kanaren gegenüber dem Vorwinter noch einmal um 15 Prozent wachsen.

Christian Schmicke

23. Juni 2017 – 15:55
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Thomas-Cook-Agenturen haben ab November die Chance auf höhere Provisionen. Im neuen Vergütungsmodell für Reisebüros zählt Öger Tours bei der Berechnung des Gesamtumsatzes für die Provisionsstaffel mit. Allerdings fallen dafür die bisher angerechneten Aldiana-Buchungen weg. Öger gleiche dies aber mehr als aus, sagt Cook-Vertriebschef Carsten Seeliger, denn der Öger-Umsatz in den Reisebüros sei etwa doppelt so hoch wie der von Aldiana. Konkrete Zahlen nennt Seeliger aber nicht.

„Die Integration von Öger Tours in das Vergütungsmodell macht es den Reisebüros einfacher, den Einstiegsumsatz von zehn Prozent zu erreichen und bietet ihnen damit bessere Provisionschancen“, sagt Seeliger. Die Einbeziehung von Öger Tours in das Provisionsmodell gehe auf Anregungen aus dem Vertrieb zurück. Reisebüros hätten nicht verstanden, warum dies nicht längst passiert sei. „Ihr gehört doch zusammen“, mussten sich die Cook-Außendienstler immer wieder anhören, wenn sie bei Fragen zu Öger den Kopf schütteln mussten.

Zusätzlich senkt Öger Tours die Schwelle, ab der es zehn Prozent Provision gibt, von 35.000 auf 20.000 Euro. Dies komme insbesondere kleineren Reisebüros entgegen, sagt Öger-Geschäftsführerin Songül Göktas-Rosati. Größeren Öger-Agenturen macht sie das Vertriebsmodell mit einem Bonus bis zu zwei Prozent schmackhaft. Buchungen für die Cook-Hotelmarken Sentido, Smartline, Sun Connect, Sunwing und Casa Cook werden künftig auch bei Öger mit einem halben Prozent Zusatzprovision belohnt, bisher nur bei Cook mit 0,3 Prozent.

Anders als zuletzt gilt das neue Cook-Provisionsmodell wieder nur ein Jahr. Man sei jedoch der erste große Veranstalter, der seine Vergütung veröffentliche und damit Planungssicherheit für Reisebüros biete. Das Signal der laufenden Vergütung für zwei Jahre sei im Vertrieb angekommen, so Seeliger: „Wir sind Partner der Reisebüros und ändern uns.“ Das habe Thomas Cook mit dem größten Provisionsinvestment der letzten zehn Jahre eingehalten. „Jetzt legen wir noch einen drauf“, so Seeliger. Er beziffert die Öger-Integration und neuen Incentives auf eine siebenstellige Summe.

22. Juni 2017 – 18:39

Deutsche Urlauber fühlen sich in ihren Ferien mit 57 Prozent vom Terrorismus kaum stärker bedroht als der Bevölkerungsdurchschnitt mit 55 Prozent. Einen Unterschied gibt es allerdings zwischen Reisenden im In- und Ausland. Wer ausschließlich international unterwegs ist, sorgt sich mehr; hier sind es knapp 63 Prozent.

Eine Zielgruppenanalyse der GfK bringt zudem an den Tag, dass Kreuzfahrer deutlich mehr über Sicherheit nachdenken. Von ihnen sehen 72 Prozent den Terrorismus als großen Herausforderung. Möglicherweise ist die Entscheidung für eine Kreuzfahrt auch von der subjektiven Bedrohungslage abhängig. Und diese ist in den Augen der Urlauber auf einem Kreuzfahrschiff offenbar weniger groß als in einer Unterkunft an Land.

Denn Urlauber in Hotels mit drei, vier oder fünf Sternen machen sich zwischen 54 und 61 Prozent Gedanken um Terrorismus. Die Gäste in einfacheren Unterkünften mit einen oder zwei Sternen sorgen sich eher weniger um den Terror, denn nur 41 Prozent dieser Urlaubsgruppe sehen darin eine Bedrohung.

21. Juni 2017 – 17:22
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Die heute vorgestellte VDR-Geschäftsreiseanalyse 2016 ist für Reisebüros und Travel Management Companies (TMCs) wenig schmeichelhaft. 58 Prozent der Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern pfeifen auf die Dienste eines Reisebüros. Bei größeren Firmen ist die Abkehr vom Reisebüro noch dramatischer. Vor zehn Jahren waren Reisebüros bei Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern gut im Geschäft, nur 14 Prozent organisierten ihre Dienstreisen ohne professionelle Hilfe. Jetzt sind es 44 Prozent.

Am Vergütungsmodell der Reisebüro hat sich hingegen wenig geändert. Am stärksten ist die Transaction Fee verbreitet, die Pro Vorgang oder Ticket fällig wird. Die Management Fee für die Organisation von Geschäftsreisen hat sich bei weniger als zehn Prozent der Unternehmen durchgesetzt. Bei den Kriterien für die Zusammenarbeit mit einem Reisebüro ist Unternehmen die Erreichbarkeit von kompetenten Ansprechpartnern mit 79 Prozent am wichtigsten. Es folgen individueller Service (73%) und nachgewiesene Kosteneinsparungen (72%).

Für die Geschäftsreiseanalyse 2016 hat der Verband VDR von Januar bis März 800 Interviews geführt. Die ergaben, dass die deutsche Wirtschaft so viel unterwegs ist wie noch nie. 11,3 Millionen Geschäftsreisende (plus 2,3%) unternahmen 183,4 Millionen Business-Trips. Sie gaben dafür 51,6 Milliarden Euro aus, was 1,6 Prozent über dem Vorjahr lag.

21. Juni 2017 – 16:36

Die Linke in Hamburg will Kreuzfahrer zur Kasse bitten. "Kreuzfahrtanbieter werben mit dem Hamburger Kulturangebot, das ohne Zweifel Reisen hierher attraktiv macht. Da ist es völlig unverständlich, dass sie sich nicht wie andere Betriebe auch an den Kosten dieses Kulturangebots beteiligen", sagt Norbert Hackbusch von der Linken-Fraktion der Hamburger Bürgerschaft. Hamburg verzichte auf Einnahmen von mindestens 300.000 Euro im Jahr.

Übernachtungen an Bord seien genauso wie die an Land zu sehen. "Es ist unverantwortlich und nicht nachvollziehbar, dass der Senat auf die Einnahmen durch die Kreuzfahrtschiffe verzichtet", schimpft Hackbusch. Damit subventioniere die Stadt nach der Absenkung der Passenger Fee von 9,25 auf 6,60 Euro ein weiteres Mal die Kreuzfahrtindustrie.

20. Juni 2017 – 13:25
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Den meisten Kreuzfahrtkunden ist es offenbar herzlich egal, wie viele Schadstoffe ihr Schiff in die Luft bläst. Dies sagen zumindest 165 Reisebüros, die an einer Umfrage für das Reise vor9 Magazin teilgenommen haben. Auf die Frage „Interessieren sich Ihre Kunden für Umweltschutz auf Kreuzfahrtschiffen?“ sagten fast 60 Prozent „selten“ oder „gar nicht“. Nur 16 Prozent antworteten mit „manchmal“, gerademal 4 Prozent mit „ja, auf jeden Fall“.

Bei 85 Prozent der Counterprofis spielt der Umweltschutz bei der Beratung keine Rolle. „Man ist selbst hin- und hergerissen und froh, wenn das Thema nicht zur Sprache kommt, weil man dieses Produkt nicht reinen Gewissens verkaufen kann“, so der Kommentar eines Reisebüros. „Fürchterliche Entwicklung, Hauptsache der Preis stimmt“, meint ein anderes. „Warum soll ich dem Kunden etwas schlecht reden?“, fragt ein weiterer Reiseverkäufer.

Viele Reisebüros beschäftigen sich nach eigenen Angaben dennoch auch mit den Schattenseiten der Kreuzfahrt. Und sie fühlen sich von den Reedereien darüber nicht ausreichend aufgeklärt. Zwei Drittel hätten gerne zusätzlich Informationen.

Mehr über die Vorwürfe von Naturschützern gegen Kreuzfahrten und das Umwelt-Engagement der Reedereien in der aktuellen Ausgabe von Reise vor9 Magazin.

20. Juni 2017 – 08:44

Der schwedische Flugportalbetreiber Etraveli, den die Pro-Sieben-Gruppe erst im November 2015 übernommen hatte, geht für 508 Millionen Euro an das international tätige Investmentunternehmen CVC. Damit streicht Pro Sieben einen fetten Gewinn ein, denn der Kaufpreis wurde seinerzeit mit 235 Millionen Euro beziffert. Etraveli verkauft Flugtickets in 50 Ländern. Zu den Marken gehören Gotogate, Supersaver und Seat24.

Interessant ist nun, was aus den verbleibenden Reisebeteiligungen der Pro-Sieben-Gruppe wird. Unter anderem gehören das Online-Reisebüro Weg.de, der Veranstalter Tropo und Billiger-Mietwagen zum Portfolio. Wie es mit der Travel-Sparte weitergeht, lässt Pro Sieben vorerst offen.

Der "Review-Prozess" des Reisegeschäfts werde fortgesetzt. "Details zur Anpassung wird die ProSiebenSat.1 Group – auch unter Berücksichtigung des Fortgangs des strategischen Reviews für das verbleibende Online-Reisegeschäft und gegebenenfalls bis dahin erfolgter Akquisitionen – auf ihrem Capital Markets Day (CMD) am 6. Dezember 2017 bekanntgeben", heißt es dazu.

19. Juni 2017 – 15:48

Die rund 4.300 Mitarbeiter von Tui Deutschland erhalten rückwirkend mehr Geld. Zum Stichtag 1. April erhöht der Branchenprimus die Tarifgehälter um 1,5 Prozent. Am 1. Januar kommt dann noch einmal ein Aufschlag von 1,5 Prozent dazu. Eine Verrechnung mit übertariflichen Zulagen soll es nicht geben. Der neue Haustarifvertrag, den Tui mit der Gewerkschaft Verdi abgeschlossen hat, läuft bis 30. September 2018.

Die Tui-Azubis bekommen rückwirkend vom 1. Juni an 40 Euro mehr Monat. Am 1. Januar steigt die Ausbildungsvergütung um weitere 40 Euro.

Als weiteres Goodie gibt es für alle tariflich Beschäftigten ab 2018 einen zusätzlichen Urlaubstag. Die Mitarbeiter in den Reisebüros werden zudem wieder denen beim Veranstalter ein Stück gleichgestellt. Wenn sie an Weihnachten und Silvester nicht arbeiten, ergeben sich daraus keine Minusstunden mehr. Wenn sie arbeiten, werden entsprechende Plusstunden angerechnet.