27. August 2017 – 19:15
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Nachdem die Debatte um die Übernahme von Teilen der insolventen Airberlin in der zweiten Hälfte der vergangenen Woche noch einmal Fahrt aufnahm, nachdem am Mittwoch bei einer Versammlung des Gäubigerrates keine Vorentscheidung zu Gunsten von Lufthansa gefallen war, blieb es am Wochenende vergleichsweise ruhig.

Seehofer will Lufthansa helfen. Zwei Akteure nutzten allerdings die Gelegenheit, um sich und ihre Pläne ins Gespräch zu bringen. Der erste war Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. Er sprach sich für eine Übernahme von Airberlin durch Lufthansa aus, deren Ziel es sei, die größte deutsche Airline „im Rahmen des Rechts zu stärken“. Es sei „wichtig, an die heimische Wirtschaft zu denken“, sagte der CSU-Chef den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Das unterscheide ihn „von vielen in der Europäischen Kommission, die den Betrieben in Europa große Schwierigkeiten machen, obwohl es ihre Aufgabe wäre, die europäischen Unternehmen zu stärken gegenüber der amerikanischen und chinesischen Konkurrenz“, erklärte der Ministerpräsident, ganz im Wahlkampfmodus.

Lauda denkt an Rückkauf. Außerdem meldete sich der Gründer der Airberlin-Tochter, Niki Lauda, zu Wort. Der will sich gerne die Bücher der Fluggesellschaft ansehen, um gegebenenfalls auch ein Gebot abzugeben. Der Tageszeitung „Österreich“ sagte er: "Ich habe einen Brief vom Insolvenzverwalter von Airberlin bekommen. Mit der Einladung, mir die Papiere anzuschauen. Das werde ich jetzt machen. Und am kommenden Dienstag habe ich bei ihm bereits einen Termin.“

Wöhrl darf doch in die Bücher schauen. Einen Tag später, am Mittwoch, will der Nürnberger Unternehmen Hans Rudolf Wöhrl bei Airberlin vorstellig werden. Wöhrl, der die Fluggesellschaft komplett übernehmen und das Geschäft wieder auf Deutschlandstrecken und europäischen Ferienflüge konzentrieren will und dem von Airberlin-Chef Thomas Winkelmann zunächst vorgeworfen worden war, er betreibe „Trittbrettfahrerei in einer für viele Mitarbeiter sehr schwierigen Situation“, bezeichnete die Einladung als „sehr erfreuliche Trendwende“. Im Anschluss an den Termin werde man „die aktuelle Situation analysieren und eine Fortführungsprognose erstellen, um auf dieser Basis ein qualifiziertes Angebot unterbreiten zu können“, sagte er dem Portal „Airliners“.

Die Phalanx ernsthafter Aspiranten wird damit immer länger. Auch Ryanair-Chef Michael O’Leary hatte bekundet, er würde gerne für die komplette Airberlin bieten, doch seien ihm die Wirtschaftsdaten der Airline bislang nicht zugänglich gemacht worden. Condor soll an der Übernahme der Leasingverträge für mindestens zehn Airberlin-Maschinen inklusive der Slots interessiert sein. Easyjet interessiert sich für Airberlin-Slots in Düsseldorf. Und Lufthansa würde bekanntlich gerne rund 90 Airberlin-Maschinen samt der kompletten Niki als Wachstumsbeschleuniger für die Low-Cost-Tochter Eurowings nutzen.

Letztere sorgte bereits mit Stellenausschreibungen im großen Stil für Piloten und Flugbegleiter für Aufregung. Der „Spiegel“ zitiert aus einem internen Schreiben von Eurowings-Flugbetriebsleiter Michael Spohr, in dem die eigene Belegschaft um Verständnis bitet, dass die Firma bereits Stellenausschreibungen für zusätzliche Crews veröffentlicht habe, auf die sich von Arbeitslosigkeit bedrohte Airberlin-Kollegen bewerben könnten – in der Regel allerdings zu deutlich schlechteren Konditionen. Dagegen gingen die Airberlin-Beschäftigten auf die Barrikaden. In einem offenen Brief an die Bundesregierung heißt es, diese vertrete „im Zuge einer Aufspaltung der Airberlin einseitig deutsche Wirtschaftsinteressen" und vernachlässige  die "soziale Schutzwürdigkeit" der Angestellten. Es dränge sich "der Eindruck auf, dass die Übernahme der Air Berlin durch die Lufthansa lange vorbereitet war; und dies mit dem Wohlwollen der Bundesregierung".

Christian Schmicke

 

25. August 2017 – 16:21
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Was sich bereits in den vergangenen Tagen andeutete, steht jetzt fest. Auch das Kundenbindungsprogramm Topbonus von Airberlin ist pleite. Aus dem Unternehmen heißt es in einer Mitteilung: „Diese bedauerliche Entwicklung folgt auf die Entscheidung von Airberlin von letzter Woche, Insolvenzantrag zu stellen. Aufgrund der aktuellen Situation von Airberlin und dem unmittelbaren Zusammenhang für das Vielfliegerprogramm, hatte Topbonus keine andere Wahl, als diesen Schritt zu gehen.“

Das Sammeln und Einlösen von Meilen, das bereits unmittelbar nach der Pleite von Airberlin ausgesetzt worden war,  bleibt damit weiterhin außer Kraft. Der Kontozugang für Mitglieder, um Profile und Meilenguthaben zu prüfen, sowie die Topbonus Mitgliedschaft selbst blieben aber bestehen, erklärt die zu 70 Prozent zu Etihad Airways gehörende Gesellschaft Topbonus Limited mit Sitz in London. Gleichwohl stehen die Chancen schlecht, dass die mehr als vier Millionen Mitglieder des Meilenprogramms, unter denen auch Inhaber von Airberlin-Kreditkarten sind, die mit ihren Umsätzen Meilen sammelten, ihre Guthaben jemals einlösen können.

 

24. August 2017 – 18:26
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Bierpreise sind in vielen Regionen ein guter Indikator zur Einschätzung des Preisniveaus. Das spanische Schnäppchenportal "Cuponation“  hat in Bars in 53 Städten im ganzen Land die Preise für eine Caña, also ein kleines Glas Bier, ermittelt und veröffentlicht. Demnach liegt der mittlere Preis für ein kleines Bier, eine „Caña“, in Spanien bei 1,87 Euro. Am teuersten ist es im Zentrum von Madrid, wo die Caña im Durchschnitt 2,93 Euro kostet. Die günstigste  Provinz ist  Cádiz an der andalusischen Atlantikküste. Dort stehen im Schnitt nur 1,25 Euro auf der Rechnung. Nach Madrid sind das Baskenland mit 2,29 Euro und die Balearen mit 2,25 Euro pro Glas die teuersten Bierregionen. Deutlich günstiger ist die Extremadura mit 1,38 Euro. In Aragón werden am Tresen 1,59 Euro kassiert, in Murcia 1,60 Euro und in Castilla-La Mancha  1,75 Euro. Für ein Bier in den Zentren der Kanarischen Provinzhauptstädte Las Palmas de Gran Canaria und Santa Cruz de Tenerife muss man 1,83 Euro berappen.

Der Tourismus spielt für die Preisbildung eine wichtige Rolle. So sind die Provinzen an Spaniens Küsten deutlich teurer als das Inland. In Meeresnähe liegt der Durchschnittspreis für ein Glas im Schnitt bei 1,95 Euro, im Binnenland sind es im Durchschnitt 1,80  Euro.

Auf dem Rückzug ist laut der Umfrage die klassische Tapas-Kultur. Traditionell wird in spanischen Bars zu jedem Glas Bier oder Wein ohne Aufpreis eine Kleinigkeit serviert. Laut der Erhebung tun dies allerdings nur noch 58,5 Prozent der Wirte kostenlos. In vielen touristisch stark frequentierten Gegenden ist diese Tradition fast ganz verschwunden.

 

24. August 2017 – 17:32
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Nach der Insolvenz von Airberlin war Programm bereits eingefroren worden. Kunden können seither keine Bonusmeilen mehr einlösen und  auch keine mehr sammeln. Da Topbonus zu 70 Prozent Etihad Airways gehört und überdies in eine Gesellschaft namens Topbonus Limited in London ausgegliedert wurde, fühlt sich Airberlin für das Programm nicht mehr zuständig. "Um die Bonusmeilen kümmert sich eine separate Gesellschaft", sagte Insolvenzverwalter Frank Kebekus der „Wirtschaftswoche“. Eine Zukunft gibt er dem Kundenbindungsprogramm ohnehin nicht mehr: "Auch dort hat der Gesellschafter die Finanzierung beendet und es zeichnet sich eine Insolvenz ab", sagt er.

Neben den rund 4,3 Millionen Teilnehmern an dem Programm, deren Punkte damit vermutlich wertlos geworden sind, trifft dies auch Inhaber von Airberlin-Kreditkarten, die einige Kreditinstitute ausgegeben haben. So kostet etwa die Karte der Landesbank Berlinknapp 90 Euro pro Jahr. Für jeden Umsatz darüber konnten Kunden Prämien- und Statuspunkte sammeln. Kunden erhielten darüber am Dienstag folgendes Schreiben:  “Informationen zu Ihrer airberlin Visa Card. Sehr geehrter Herr XYZ, leider hat sich die Situation seit unserer E-Mail vom 16. August 2017 verändert. Topbonus hat am Wochenende neben dem Einlösen nun auch das Sammeln von Meilen bis auf Weiteres ausgesetzt. Damit werden also auch keine Meilen mehr gutgeschrieben. Wir stehen zur Klärung der Sachlage in engem Austausch mit Topbonus. Angesichts der weiterhin unklaren Verhältnisse bitten wir Sie noch um Geduld. Ihre Karte ist natürlich weiterhin – innerhalb Ihres Verfügungsrahmens – einsetzbar. Bei Fragen stehen wir ihnen rund um die Uhr telefonisch unter der Telefonnummer 030/2455 2494 zur Verfügung. Mit freundlichen Grüßen Airberlin Kreditkarten-Service Landesbank Berlin AG“

Airberlin verweist gegenüber Gloobi.de hinsichtlich der Spekulationen über eine bevorstehende Topbonus-Insolvenz auf Etihad als Mehrheitsgesellschafter. Die arabische Airline hatte die Anteile Ende 2012 für mehr als 180 Millionen Euro von Airberlin übernommen. Etihad äußerte sich zu einer Anfrage zur Zukunft von Topbonus Unlimited bislang nicht.

Christian Schmicke

 

24. August 2017 – 16:51
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Geschäftsreisende nehmen immer mehr technische Geräte mit auf Reisen und fühlen sich dadurch produktiver. Das zeigen die Ergebnisse der "CWT Connected Traveler Study“, die Carlson Wagonlit Travel veröffentlicht hat. Für die Studie wurden mehr als 1.900 Geschäftsreisende befragt. Die Business Traveler haben durchschnittlich vier verschiedene Gerätetypen dabei. Wenig überraschend ist das Smartphone für die meisten der wichtigste Begleiter. Mehr als 80 Prozent der Reisenden weltweit nutzen ihr Mobilfunkgerät, um unterwegs Geschäfte fortzuführen.

Die Studie zeigt auch die Unterschiede in der Kontaktaufnahme mit Kollegen oder der Familie. Während die Reisenden mit ihren Familien und Freunden vorwiegend über Telefon (44 Prozent), Skype (24 Prozent) und Textnachrichten (17 Prozent) kommunizieren, dominiert bei Geschäftskollegen die E-Mail (44 Prozent), gefolgt vom Telefon (24 Prozent) und Textnachrichten (14 Prozent).

Zwei Drittel der Reisenden finden es allerdings lästig, so viele Geräte mit sich zu führen. Dennoch wollen sie auf den vergleichsweise schweren Laptop nicht verzichten. Mehr als drei Viertel der deutschen Business Traveler nutzen ihn für berufliche Zwecke hauptsächlich, ehe sie zu anderen Geräten greifen.

Weitere Ergebnisse der Studie finden Sie hier.

 

23. August 2017 – 22:08
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Lufthansa muss mit ihren Plänen zur Übernahme der insolventen Airberlin und ihrer nicht in die Insolvenz gegangenen Tochter Niki wohl noch ein wenig warten. In seiner ersten Sitzung nach Anmeldung der Insolvenz beschloss der Gläubigerrat am Mittwoch, den Betrieb zunächst als Ganzes weiterzuführen. In den vergangenen Tagen war darüber spekuliert worden, dass Lufthansa nach einer schnellen Zerschlagung der Fluggesellschaft in einzelne Unternehmensteile einen großen Teil von Airberlin und die Tochter Niki komplett übernehmen könnte. Über den Kauf von Niki könnte am Mittwoch schon eine Vereinbarung getroffen werden, hieß es.

Sachwalter Lucas Flöther, der vom Amtsgericht Charlottenburg nach dem Insolvenzantrag eingesetzt worden war, wurde laut Airberlin einstimmig in seinem Amt bestätigt. Der Generalbevollmächtigte Frank Kebekus kündigte an, die weiteren Verhandlungen mit Hochdruck zu führen. Das Ziel bleibe es, "zügig zu tragfähigen Abschlüssen zu kommen und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten“ wird er zitiert.

"Interesse konkretisiert." Lufthansa teilte zum Verfahren mit: "Die Lufthansa Group hat ihr Interesse am Erwerb von Teilen der Airberlin Group mit einem Gesamtkonzept konkretisiert." In einem am Mittwoch vorgestellten "Termsheet" sei das Interesse an einer Übernahme von Teilen der Air Berlin Gruppe bekräftigt worden. Über die Details der Absichtserklärung sei Stillschweigen vereinbart worden, heißt es in der Erklärung.

Wie lange reicht das Geld? Die Verhandlungen stehen unter großem Zeitdruck, weil Airberlin nach der Pleite die verunsicherten Kunden weglaufen. Um den Betrieb noch eine Weile zu finanzieren, müssten aber trotz des Überbrückungskredits der Bundesregierung durch Airberlin Einnahmen generiert werden. Daher wird weithin spekuliert, dass es ohne eine für die Kunden erkennbare Lösung schon bald zu Flugausfällen kommen könnte.

Auf der anderen Seite müssen sich Airberlin und die Bundesregierung des Vorwurfs erwehren, eine Übernahme weiter Teile der Airline durch Lufthansa sei ein abgekartetes Spiel und von vornherein beschlossene Sache gewesen. Das hatten unter anderem Ryanair und der an einer Komplettübernahme interessierte Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl den Verhandlungspartnern vorgeworfen und heftig kritisiert.

Christian Schmicke

 

22. August 2017 – 16:56
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"USA hin und zurück 333 Euro“ – damit wirbt Airberlin aktuell auf der Website. Deutschland- und Europa-Strecken werden schon ab 79 Euro für das Return-Ticket verscherbelt. Die Tarife, die ausschließlich online und über das Service-Center buchbar sind, dürften Schnäppchenjäger aufhorchen lassen. Ein kurzer Test auf der Website offenbart: die Tarife gibt es wirklich. Wenn der Flugtermin stimmt, ist ein Flug von Düsseldorf nach San Francisco sogar schon für 331,63 Euro zu haben. Allerdings kann der Preis an stark gefragten Flugtagen auch beim Zehnfachen dieses Betrages liegen.

Erste Veranstalter auf dem Rückzug. In erster Linie offenbaren diese Schleuderangebote die Not, in der sich die insolvente Airline befindet, so lange ihre Zukunft nicht geklärt ist. Denn wer bucht in der aktuellen Situation noch freiwillig Airberlin-Flüge – erst recht solche, die nach der Zeit geplant sind, für die der 150-Millionen-Euro-Kredit der Bundesregierung reichen soll? Die ersten Veranstalter haben auf die unsichere Lage bereits reagiert. Zwar fungieren die meisten bei Nur-Flug-Buchungen als reine Mittler und müssen daher nicht für die Absicherung der Kundengelder geradestehen. Doch erklärt zum Beispiel FTI auf Anfrage: "Wir schließen den Airberlin Nur-Flug-Verkauf und akzeptieren ab 1. November keine derartigen Buchungen mehr“. Bei Alltours dagegen heißt es: "Nur-Flug-Buchungen mit Air Berlin sind weiterhin uneingeschränkt möglich. Wir lassen Nur-Flug-Buchungen für Air-Berlin-Verbindungen sowohl für den Sommer 2017 als auch für den Winter 2017/2018 zu.“ Auch andere Anbieter versuchen, nach außen den Anschein von "Business as usual" zu wahren.

Keine Erstattungen, keine Entschädigungen. Allerdings sehen sich Kunden, die in der Vergangenheit der Zusicherung von Airberlin Glauben schenkten, dass ihnen keine Einschränkungen drohten, heute mit einer anderen Realität konfrontiert. Wie bereits bekannt, ist die Möglichkeit zur Einlösung von Punkten aus dem Kundenbindungsprogramm „Topbonus“ seit dem Beginn der Insolvenz blockiert. Auch erstattet die Airline vor dem 15. August 2017 ausgestellte Tickets seit der Pleite nicht mehr. Selbst den gesetzlichen Anteil an Steuern und Gebühren erhalten Passagiere bei einer Stornierung nicht zurück. Dies sei „insolvenzrechtlich ausgeschlossen“, heißt es von Airberlin. Für Tickets, die ab dem 15. August ausgestellt wurden, sollen dagegen die normalen Tarifkonditionen  gelten.

Angeschmiert sind auch Kunden, die bei der Airline Gutscheine gekauft oder solche als Kompensation für Flugausfälle und Verspätungen akzeptiert haben. Diese sind nun wertlos. Erst nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens können Kunden ihre Forderungen geltend machen. Die Erfolgsaussichten dafür liegen allerdings bei null. Andere Schadenersatzansprüche bedient Airberlin auch nicht mehr. Für sie gilt dieselbe Regelung wie für die Gutscheine. Und für Gepäck, das aktuell beim Flug beschädigt wird oder verschwindet, fühlt sich die Fluggesellschaft laut den Einträgen mehrerer betroffener Kunden auf Social-Media-Plattformen auch nicht mehr zuständig.

Attacke und Gegenangriff. Unterdessen gehen die Verhandlungen über Verkauf und Zerschlagung von Airberlin weiter. Immer lauter wird dabei die Kritik an der Bundesregierung, die nach Auffassung vieler Kommentatoren einseitig eine Lösung zu Gunsten von Lufthansa anstrebe. "Ich bin entsetzt", schreibt etwa der Reiserechtler Ronald Schmid. "Man mag ja – trotz einiger juristischer Bedenken – den Überbrückungskredit der Bundesregierung gerade noch akzeptieren. Dass sich jetzt aber der Staat in die Insolvenzabwicklung der Airberlin massiv einschaltet, also eine Ministerin und ein Staatssekretär des BMWi, ein Konzept eines Mitbewerbers ungeprüft abgelehnt, halte ich für einen Skandal."

Mit dem Konzept des Mitbewerbers ist das Gebot eines Konsortiums um den Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl gemeint, der nach eigener Darstellung eine Komplettübernahme und die Erhaltung von Airberlin anstrebt. Er wolle die Fluggesellschaft weiterbetreiben und “teilweise zu den Wurzeln“ zurückführen, erklärt er gegenüber der "Wirtschaftswoche": "Dann würden wir uns intensiver wieder mit dem innerdeutschen und dem europäischen Kurzstreckenverkehr befassen." Wöhrl, den Airberlin-Chef Thomas Winkelmann öffentlich als "Trittbrettfahrer“ ohne ernsthafte Ambitionen bezeichnet hatte, sieht in der ablehnenden Haltung der Airberlin-Führung und der Bundesregierung gegenüber seiner Offerte einen klaren Regelverstoß. "Was in den letzten Tagen passierte, ist einer marktwirtschaftlich ausgerichteten und demokratischen Nation unwürdig", sagt er. Es dränge sich "der Eindruck auf, dass wir in Deutschland auf dem besten Weg zu einer sozialistischen Planwirtschaft sind, bei der nur noch Großbetriebe erwünscht sind".

Heißer gehandelt als ein möglicher Einstieg Wöhrls wird mittlerweile allerdings ein größeres Engagement von Easyjet. Die "Rheinische Post“ berichtet unter Berufung auf Insider, Easyjet könnte die Hälfte der aktuell rund 70.000 Slots von Airberlin in Düsseldorf erhalten. "Überall dort, wo Air Berlin bisher einziger oder mit Abstand wichtigster Wettbewerber von Eurowings war, würden die Kartellbehörden eine Streckenübertragung auf Eurowings sowieso nicht hinnehmen", heiße es in der Branche. Da biete sich Easyjet als Käufer an.

Für die nicht insolvente Tochter Niki könnte bei einem Treffen des Gläubigerausschusses am Mittwoch bereits ein Vorvertrag über einen Kauf durch Lufthansa unterzeichnet werden, mutmaßt die "Süddeutsche Zeitung". Mit dem Erlös könnte der Überbrückungskredit der Bundesregierung zurückgezahlt werden.

Ryanair-Chef Michael O'Leary unkt zugleich im Gespräch mit der FAZ, Deutschland sei dabei, ein Lufthansa-Monopol zu installieren und damit einen "historischen Fehler" zu begehen: "Lufthansa ist schon ein Champion mit 70 Marktanteil in Deutschland, mit Airberlin würden es 95 Prozent sein. Das wäre ein Monster und kein Champion."

Christian Schmicke

 

22. August 2017 – 14:47
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Im Mai nächsten Jahres tritt die neue Datenschutz-Grundverordnung der EU in Kraft. Sie stärkt den Anspruch von Verbrauchern auf klare und verständliche Informationen darüber, wer ihre Daten nutzt, zu welchem Zweck das geschieht und wie es erfolgt. Touristiker müssen damit künftig detailliert darlegen, welche Daten ihrer Kunden von ihnen verarbeitet werden, wo diese liegen und wohin sie weitergegeben werden.

Keine Bedingungen für Gewinnspiele mehr. Die Datennutzung unterliegt zudem einem so genannten Kopplungsverbot, wonach "die Erbringung einer Dienstleistung nicht von der Einwilligung zur Verarbeitung von Daten abhängig gemacht" werden darf, die dafür nicht erforderlich ist. Diese Regelung betrifft etwa die bisher gängigen Kopplungen bei Gewinnspielen, bei denen man zur Teilnahme an einer Verlosung der Verwendung der persönlichen Daten zu Marketingzwecken zustimmen muss. Das ist in Zukunft verboten.

Aktive Einwilligung erforderlich. Sollen persönliche Daten verarbeitet werden, müssen sich Nutzer künftig damit aktiv einverstanden erklären. Bisher genügte es, dass sie der Nutzung nicht aktiv widersprachen. Das bedeutet unter anderem, dass ein Newsletter-Versand oder ein Kundenmailing nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung des Empfängers möglich ist. Um eine gültige Einwilligung in die Datenverarbeitung abzugeben, müssen Jugendliche künftig 16 statt wie bislang 13 Jahre alt sein. Ohne Zustimmung der Eltern können sich Teenager dann nicht mehr bei Internetdiensten wie Facebook und Instagram anmelden. Außerdem neu: Verbraucher können die Zustimmung jederzeit widerrufen.

Die neue Richtlinie gilt auch für Unternehmen, die ihren Sitz außerhalb der EU haben, sobald sie Waren oder Dienstleistungen in der EU anbieten oder auch nur Online-Marktforschung unter EU-Bürgern betreiben.

Dokumentationspflicht. Zu mehr bürokratischem Aufwand dürfte für Touristiker die Neuregelung der Nachweis- und Rechenschaftspflichten führen. So müssen Unternehmen ab 2018 schriftlich dokumentieren, dass sie alle geeigneten Maßnahmen ergreifen, um personenbezogene Daten rechtskonform zu bearbeiten. Das Unternehmen muss also beweisen, dass es alles richtig gemacht hat – und nicht mehr wie bisher der Bürger, dass etwas schief ging. Außerdem besteht die Pflicht, Datenpannen in Zukunft innerhalb von 72 Stunden zu melden. In der Vergangenheit erfolgte dies, wenn es nicht zufällig aufflog, oft erst nach Monaten oder gar Jahren.

Vorbereitungstipps. Der DRV-Datenausschuss hat das Thema auf seiner Agenda. Allerdings sind seine Erkenntnisse ausschließlich Verbandsmitgliedern zugänglich. Generell sollten sich Unternehmen gut auf den Einführungstermin der Datenschutzverordnung vorbereiten, denn bei Verstößen drohen ihnen drakonische Strafen von bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des weltweiten Umsatzes. Zu den wichtigsten Maßnahmen im Vorfeld zählt die Erstellung eines Verzeichnisses, in dem festgehalten wird, welche Daten das Unternehmen eigentlich verarbeitet  und in welchen Bereichen dies erfolgt. Wichtig ist zudem, dass sämtliche Einwilligungen zur Datennutzung und -weitergabe vom Stichtag an dem neuen Recht entsprechen. Auch auf Datenpannen sollten Firmen besser vorbereitet sein als bisher. Die schnelle Meldepflicht bedeutet, dass im Schadensfall sofort klar sein muss, wer welche Aufgaben erledigt. Dabei sei es auch für kleinere Unternehmen ratsam, einen Datenschutzbeauftragten zu installieren, der die datenbezogenen Aktivitäten koordiniert, raten Rechtsexperten.

Christian Schmicke

Zur Originalversion der neuen Datenschutz-Grundverordnung gelangen Sie hier.

 

21. August 2017 – 17:13
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Frankreich, die USA und Spanien registrierten nach aktuellen Zahlen der Welttourismusorganisation UNWTO 2016 weltweit die meisten Einreisen ausländischer Besucher. Während Frankreich mit 82,9 Millionen Ankünften deutlich vorne rangiert, liegen die Vereinigten Staaten und Spanien mit 75,6 Millionen gleichauf. Die Top 10 der Reiseländer im Überblick:

  1. Frankreich, 82,9 Millionen
  2. USA, 75,6 Millionen
  3. Spanien, 75,6 Millionen
  4. China, 59,3 Millionen
  5. Italien, 52,4 Millionen
  6. Großbritannien, 35,8 Millionen
  7. Deutschland, 35,6 Millionen
  8. Mexiko, 35,0 Millionen
  9. Thailand, 32,6 Millionen
  10. Türkei, 25,2 Millionen

Unter den Top 10 war Spanien mit einem Zuwachs von gut zehn Prozent das wachstumsstärkste Reiseland. Mexiko und Thailand konnten um knapp neun Prozent zulegen. Frankreich und die USA verzeichneten Einbußen um gut zwei Prozent, in Deutschland wuchs die Zahl der Besucher um knapp zwei Prozent. Den stärksten Rückgang misste mit 30 Prozent weniger Gästen die Türkei hinnehmen.

Die mit Abstand höchsten Einnahmen kassierten mit 206 Milliarden Dollar die Vereinigten Staaten. Spanien kam bei annähernd gleicher Besucherzahl gerade mal auf 60 Milliarden, Thailand auf Platz drei erreichte 50 Milliarden. Deutschland lag mit 37 Milliarden an achter Stelle. Die höchsten Zuwächse gemessen an den Einkünften erreichte Australien mit einem Plus von gut zwölf Prozent. Weltweit liegt das Land mit 32 Milliarden Dollar an zehnter Stelle.

Unter den Regionen blieb Europa mit 620 Millionen Ankünften im vergangenen Jahr mit Abstand das wichtigste Reiseziel vor der Region Asien-Pazifik mit 303, Afrika mit 58 Millionen und dem Mittleren Osten mit 54 Millionen Besuchern. Insgesamt hat sich die weltweite internationale Reiseaktivität innerhalb von 20 Jahren von 559 Millionen Ankünften auf 1,2 Milliarden internationale Gäste mehr als verdoppelt.

 

21. August 2017 – 16:06
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Olaf Nink, Hauptbevollmächtigter der Niederlassung von Allianz Worldwide Partners in Deutschland und seit 2010 Mitglied der Geschäftsführung der AWP Service Deutschland GmbH, will die Tarife für Reiseversicherungen individualisieren. Dies wird dazu führen, dass Ältere mehr zahlen müssen als Jüngere, und auch für verschiedene Reiseziele  und -formen werden die Risiken unterschiedlich bewertet. Gloobi.de sprach mit dem Versicherungsmanager über seine Pläne, anhand individueller Risikoprofile neue Tarife einzuführen.

Herr Nink, die Menge der Produkte und Tarife von Reiseversicherungen hat in den letzten Jahren  deutlich zugenommen. Außerdem wurden immer mal wieder neue Risiken in den Versicherungsumfang einbezogen oder davon ausgeschlossen. Blickt der Reisebürovertrieb da noch durch?
Die Komplexität hat auf jeden Fall ein Ausmaß erreicht, das eine Vereinfachung für den stationären Vertrieb wünschenswert macht. Versicherungen sind für Reisebüros ein Nebenprodukt. Deshalb müssen sie für Expedienten einfach zu verkaufen sein und dürfen nicht zu viel Beratungsaufwand erfordern. Der Schlüssel dazu ist die Technik. Darin investieren wir gerade intensiv.

Wie soll eine technische Lösung, die den Reisebüros das Leben erleichtert, denn aussehen?
Zunächst einmal setzen wir beim Produkt an. Im Idealfall soll künftig jeder Kunde den für seine individuellen Risikoparameter passenden Tarif erhalten. Das klingt zunächst nach mehr Komplexität, aber es lässt sich lösen, wenn das Risiko im Hintergrund gleich mitbewertet wird.

Woran wollen Sie die Risikobewertung denn ausrichten?
Wichtige Parameter sind zum Beispiel das Alter des Kunden, sein Reiseziel und die Reisedauer. Wir verfügen über die Daten, anhand derer sich die individuellen Risikoprofile sehr genau darstellen lassen.

Bedeutet das, dass ein 70-Jähriger für den gleichen Versicherungsschutz eine andere Summe zahlt als ein 30-Jähriger, oder ein Brasilien-Urlauber einen anderen Tarif erhält, als einer, der nach Schweden reist?
Ja, genau. Einen ersten kleinen Schritt in diese Richtung haben wir mit der Einführung eines eigenen Tarifs für Kunden ab 67 Jahren im vergangenen Jahr schon gemacht.

Ihre älteren Kunden werden darüber nicht begeistert sein. Verstößt so etwas nicht gegen das Diskriminierungsverbot?
Nein. Sie dürfen natürlich nicht willkürlich festlegen, dass Menschen mit blauen Augen höhere Tarife zahlen müssen. Aber wenn Sie nachweisen können, dass ein bestimmtes Merkmal eindeutig mit einem erhöhten oder verringerten Risiko korreliert, ist es völlig korrekt, dieses in die Berechnung der Versicherungsprämie einfließen zu lassen. Und gerade die demografische Entwicklung stellt uns diesbezüglich vor erhebliche Herausforderungen.

Sie meinen, die Alten sind teurer als die Jungen?
Ja, klar. Nehmen Sie nur die Reiserücktrittskostenversicherung – da ist das evident. Ältere Menschen erkranken zwischen Buchung und Reiseantritt im Durchschnitt häufiger als jüngere. Und dieser Effekt verschärft sich dadurch, dass auch die Angehörigen, deren Erkrankung ebenfalls als Rücktrittsgrund anerkannt wird, bei älteren Menschen in der Regel ebenfalls älter sind. Wenn wir das angesichts der Entwicklung der Alterspyramide in unsere Kalkulation einbeziehen, ohne zu differenzieren,  werden alle Policen in regelmäßigen Abständen teurer. Da ist es doch gerechter, die Tarife anhand des individuellen Risikos zu ermitteln.

Schafft das am Counter nicht zusätzlichen Erklärungsbedarf?
Nicht, wenn es dafür eine technische Lösung gibt. Während des Buchungsprozesses ermittelt das System den jeweiligen Tarif im Hintergrund gleich mit und modifiziert ihn, wenn sich zum Beispiel das Reiseziel oder die Reiseform ändert. Am Ende muss der Expedient nur noch ermitteln, welche Versicherungen der Kunde wünscht, und er erhält sofort den passenden Tarif dafür. Der Aufwand am Counter darf auf keinen Fall steigen.

Wann werden Sie Ihre Zukunftsvision technisch umsetzen können?
Wir gehen davon aus, dass wie in zwei bis drei Jahren so weit sind. 2019 wollen wir startbereit sein. Aber das hängt natürlich nicht allein von uns ab.

Das Gespräch führte Christian Schmicke

Das komplette Interview lesen Sie im "Reise vor9 Magazin", dessen aktuelle Ausgabe gerade erschienen ist.