23. Februar 2018 – 20:43

Im touristischen Kontext sind die Airlines in Sachen Yield Management und dynamisches Pricing allen anderen voraus. Die Hotellerie und erst recht die Veranstalter humpeln den Fluggesellschaften in dieser Hinsicht eher unbeholfen hinterher. Mit Verzögerung werden viele tatsächliche oder vermeintliche Errungenschaften aus der Luftfahrt von den übrigen Akteuren adaptiert. Das zeigt nicht zuletzt der Hype um die so genannten Ancillaries, deren Erfindung angeblich auf dem Kundenwunsch nach maßgeschneiderten Produkten basiert.

Vieles spricht dafür, dass das Thema dynamische Preisbildung in naher Zukunft eine neue Dynamik erfährt. Bislang basieren die gängigen Modelle der Airline, vereinfacht gesagt, auf Erfahrungen mit Angebot und Nachfrage aus der Vergangenheit. Wochentage, Feiertage, Ferienzeiten und saisonale Effekte fließen darin ein und bilden die Grundlage für die Kontingentierung von Buchungsklassen und für deren Justierung. Künftig könnte dieses ohnehin schon komplexe System durch die Anwendung individueller Nutzerprofile noch um ein Vielfaches komplexer werden.

Am einfachsten lässt sich das Prinzipder Personalisierung bei Direktbuchungen über die Websites der Airlines anwenden. Denn aus der Such- und Buchungshistorie der Kunden können Fluggesellschaften zuverlässige Schlüsse über deren Preissensibilität und Erwartungen ziehen. Das geht aus einem Diskussionspapier der Airline Tariff Publishing Co. (ATPCO) hervor, die für Airlines Tarifdaten sammelt und auswertet.

Schnäppchen für ausgewählte Kunden. Im günstigsten Fall aus der Kundensicht könnten diese Erkenntnisse eingesetzt werden, um Stammkunden von Fall zu Fall mit günstigen Angeboten zu belohnen oder um Neukunden mit Hilfe von Sondertarifen zu gewinnen. Aber natürlich ist auch der umgekehrte Fall denkbar. Weist die Buchungshistorie einen Kunden als wenig preissensibel aus, erscheint der Versuch, ihm mehr Geld abzuknöpfen verlockend. Die Möglichkeiten, sein Verhalten im Netz zu verfolgen, wachsen. Auch Internetnutzer, die sich nirgends über ein Login identifizieren, können bekanntlich über Cookies verfolgt werden. Zudem weisen die Suchen der Nutzer auch dann auf deren Eigenschaften hin, wenn diese selbst anonym bleiben: Wer mitten in der Woche für zwei Tage in die USA fliegt, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Geschäftsreisender.

Eine Handvoll Airlines sei bereits auf dem besten Weg zur Nutzung von  Dynamic-Pricing-Ansätzen, sagte John McBride, Produktchef des Software-Anbieters PROS, dem US-Fachblatt „Travel Weekly“. Noch allerdings scheinen technische Hürden den Zugang zur schönen neuen Airline-Welt zu begrenzen. So ist die Zahl der Tarifklassen in den Buchungssystemen laut ATPCO noch auf die Zahl der Buchstaben im Alphabet, also auf 26, beschränkt. Derzeit könnten die Tarife in jeder Klasse bei Inlandsflügen viermal täglich und bei Auslandsflüge stündlich angepasst werden. Ein konsequentes „dynamic pricing“ müsste sich von dieser Logik verabschieden. Das erfordert eine grundlegende Systemumstellung. Und wenn dann noch OTAs und andere Mittler außerhalb des Direktvertriebs mit ins Boot geholt werden sollen, vervielfacht sich die Komplexität der individuellen Preisgestaltung erneut. Es gibt also einige Faktoren, die den Aufbruch in die die schöne neue Airline-Welt derzeit noch bremsen. Aufhalten werden sie ihn aber nicht.

Christian Schmicke

23. Februar 2018 – 19:05
mark-schumachertravelscout24portrait

Mark Schumacher ist Vice President von Travelscout24. Das Online-Reiseportal ist eine Marke der Scout24-Gruppe, die zudem unter anderem für ihre digitalen Marktplätze für Autos, Immobilien und Finanzdienstleistungen bekannt ist. Scout24 setzte 2017 knapp 480 Millionen Euro um und erwirtschaftete einen Vorsteuergewinn von 253 Millionen Euro. Betrieben wird Travelscout24 seit 2009 von der Triplemind GmbH, die auch die Online-Portale Reise.de und Billigweg.de betreibt.

Das Gespräch führte Christian Schmicke

Herr Schumacher, haben die Airline- und Veranstalterpleiten des vergangenen Jahre bei Ihrem Unternehmen Spuren hinterlassen?
Schumacher: Ja, klar.  Die Auswirkungen sind bei uns dieselben wie im klassischen Reisebüro. Unser Service-Center hatte und hat alle Hände voll damit zu tun, Kunden zu informieren, zu beraten und gegebenenfalls für Ersatz zu sorgen, wenn sich die Urlaubspläne wegen der Veränderungen im Flugmarkt nicht mehr in der ursprünglichen Form realisieren lassen. Das ist eine Menge Arbeit, aber ich glaube, wir haben die Sache ganz gut bewältigt. Ich hoffe nur, dass die Branche daraus die richtigen Lehren zieht.

Was müsste sich denn Ihrer Meinung nach verändern?
In praktischer Hinsicht sollte die Touristik ganz klar für eine Absicherung der Kunden im Fall weiterer Airline-Pleiten plädieren, und zwar mit vereinten Kräften und einer Stimme. Die gute aktuelle Buchungslage darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Branche insgesamt bei den Kunden einen massiven Vertrauensverlust erlitten hat.

Der DRV hat sich doch schon für eine Insolvenzabsicherung ausgesprochen…
Ja, allerdings mit vielem Wenn und Aber. Auf eine weltweite Lösung können wir doch nicht warten, wenn aus einer verpflichtenden Kundengeldabsicherung durch die Airlines wirklich etwas werden soll. Das Problem eines Branchenverbandes ist natürlich, dass er aus sehr unterschiedlichen Interessenlagen den kleinsten gemeinsamen Nenner finden muss. Dabei sollten die Airlines, die sich gegen die notwendige Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sträuben, eigentlich die ersten sein, die sich dazu bekennen.

Warum denn?
Weil sie den allergrößten Vertrauensverlust erlitten haben. Aber die Haltung, die sie nun an den Tag legen, ist nur ein Beleg dafür, dass das Denken in der Touristik insgesamt in eine falsche Richtung geht. Der Dienst am Kunden, der die eigentliche Basis unseres Geschäfts ist, gerät allzu oft in Vergessenheit, wenn es darum geht, wo sich noch der eine oder andere Cent sparen lässt.

Der Online-Reisevertrieb, in dem Sie aktiv sind, gilt auch nicht gerade als Servicegranate. Außerdem tragen Portale mit ständigen Rabattaktionen dazu bei, dass der Preisdruck wächst und die Margen schwinden.
Ja, natürlich gibt es da schwarze oder zumindest graue Schafe. Aber gerade Veranstalter und Reisebüros, ob mit Ladenlokal oder online, leben doch vom Vertrauen, das Kunden ihnen schenken. Ein Transportmittel und eine Unterkunft brauche ich, wenn ich verreisen will. Aber die Vermittler dazwischen nutze ich gerade angesichts fortschreitender technischer Möglichkeiten nur, wenn ich mir einen Vorteil davon verspreche. Ständige Rabattaktionen sind aus meiner Sicht der völlig falsche Weg, denn ein gutes Serviceangebot erfordert vor allen Dingen Investitionen in Schulung und Ausbildung. Bleibt das aus, wird der Sinn eines Vermittlers durch die Kunden zunehmend in Frage gestellt werden.

Was tun Sie denn, um als Online-Händler Vertrauen zu schaffen?
Eine ganze Menge. Der Schlüssel dafür sind neben einer nutzerfreundlichen Technik, die auf Taschenspielertricks und versteckte Kosten verzichtet, auch im Online-Geschäft die Menschen. In unserem Service-Center sitzen ausgebildete Reiseverkehrskaufleute, die unsere Kunden per Mail oder telefonisch kompetent beraten und für Fragen ein offenes Ohr haben. Und natürlich sind wir vor, während und nach der Reise verantwortlich für unsere Kunden und übernehmen diese Aufgaben wie jedes gute Reisebüro gern. Dass wir hier auf einem guten Weg sind, attestieren uns übrigens auch einschlägige Untersuchungen.

 

23. Februar 2018 – 15:13

OTA Expedia und der Finanzmanagement-IT-Anbieter für Airlines ARC haben in ihrem „Air Travel Outlook Report" die voraussichtliche Flugpreisentwicklung für 2018 ermittelt und geben Reisenden Ratschläge für den günstigsten Buchungszeitpunkt. Demnach ist der günstigste Tag, um Flug- und Hotelbuchungen vorzunehmen, der Sonntag. Dagegen seien Buchungen, die freitags vorgenommen würden, besonders teuer. Dies erklären die Verfasser der Studie damit, dass viele Geschäftsreisende genau an diesem Tag ihre Buchungen vornähmen.

Als besonders günstige Abflugtage empfiehlt die Studie den Donnerstag oder Freitag im Economy-Segment und den Freitag oder Samstag in den Premium-Klassen. Für Business Traveller ist das eine schlechte Nachricht, denn ihr Premium-Cass-Flugvolumen konzentriert sich zu 80 Prozent auf die Zeit von Montag bis Donnerstag. Besonders in den Premiumklassen sorgen sie damit für die höheren Preise. „Bleisure“-Trips, bei denen die Geschäftsreisenden noch einen Freizeit-Tag an den Business Trip dranhängen, können sich also auch unter Kostenaspekten lohnen. Zudem raten die Autoren zu frühzeitigen Buchungen. Ab 30 Tagen vor dem Abflugtermin stiegen die Preise in der Regel merklich an. Sparen könne auch, wer in der Lage sei, mit noch längerem Vorlauf zu buchen.

Die komplette erhebung sehen Sie hier.

 

22. Februar 2018 – 15:59
flughafenfrankfurtvorfeld

Von den 24 größten Verkehrsflughäfen in Deutschland traten im Jahr 2017 rund 117,6 Millionen Passagiere eine Flugreise an. Das ist ein neuer Höchstwert seit Beginn der Aufzeichnungen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, hat sich das jährliche Wachstum mit 5,1 Prozent nochmals gesteigert (Vorjahr: 3,4 %). Pro Kalendertag starteten 2017 durchschnittlich rund 322.000 Passagiere eine Flugreise. Das entspricht in etwa der Bevölkerung der Stadt Bonn. 

Flüge ins europäische Ausland verzeichneten ein Plus von sechs Prozent und 73,3 Millionen Fluggäste. Spanien war mit 14,1 Millionen Passagieren weiterhin die beliebteste Destination, das Wachstum des Flugverkehrs dorthin verlangsamte sich auf 3,3 Prozent. Dahinter folgten Großbritannien mit 7,3 Millionen (+ 5,1 %) und Italien mit sieben Millionen Fluggästen (+ 6,2 %). Kräftige Zuwächse gab es für Griechenland mit nun 3,5 Millionen (+ 19,2 %) und Portugal mit 2,5 Millionen Passagieren (+ 16,4 %). Rückgänge mussten dagegen die Türkei mit 6,2 Millionen (– 3,6 %) sowie Dänemark mit nun 1,4 Millionen Passagieren (– 8,2 %) hinnehmen. 

Der Interkontinentalverkehr konnte mit 20,6 Millionen Passagieren seine Wachstumsrate auf 8,4 Prozent steigern (Vorjahr: + 0,5 %). Destinationen in Asien verzeichneten 5,4 Prozent mehr Passagiere, nach Amerika flogen 3,6 Prozent mehr Fluggäste. Der Flugverkehr nach Afrika erlebte mit einem Anstieg um 35,2 % auf 3,2 Millionen Passagiere einen Boom. Dazu trugen insbesondere Ägypten (+ 69,1 % auf 1,4 Millionen) sowie Marokko (+ 27,3 % auf 0,5 Millionen) bei. Kräftige Zuwächse erlebten Kanada (+ 8,6 %), Indien (+ 9,1  %), Südkorea (+ 7,1 %) und Südafrika (+ 6,8 %). Bergab ging es für die Vereinigten Arabischen Emirate (– 1,9 %). Gemessen am Flugverkehr zeichnet sich für die USA kein negativer Trump-Effekt ab. Die Passagierzahl stieg um 4,1 Prozent auf 5,6 Millionen.

Das Niveau im innerdeutschen Verkehr blieb mit 23,7 Millionen Passagieren stabil.

22. Februar 2018 – 15:35

Das Deutsche Institut für Service-Qualität (DISQ) auf hat im Auftrag des Nachrichtensenders Ntv den Service von 13 Reisebüroketten getestet und gelangt insgesamt zu einem positiven Ergebnis. Von 13 getesteten Unternehmen erzielten zwölf das Qualitätsurteil „gut“; lediglich L’Tur sei über ein befriedigendes Gesamtergebnis nicht hinausgekommen, so die Tester. Der insgesamt gute Service der Branche beschränke sich dabei nicht nur auf die Kundenorientierung in den Filialen – auch am Telefon und per E-Mail hätten die Anbieter insgesamt gut abgeschnitten.

Die größte Stärke könnten die Unternehmen im direkten Kundenkontakt ausspielen. Die souveränen Reisebüro-Angestellten träten in den Filialen freundlich auf und nähmen sich genügend Zeit für die Interessenten. Auch bewiesen sie Kompetenz – im Test seien sämtliche Kundenfragen zu verschiedenen Reisethemen, etwa Planung einer Fernreise, Stornobedingungen oder medizinische Versorgung auf Kreuzfahrtschiffen, korrekt beantwortet worden. Auch der Auftritt wird gelobt: „Zum positiven Beratungserlebnis tragen oft auch ansprechend gestaltete und saubere Filialen bei.“

Kritik üben die Tester daran, dass „längst nicht alle Berater gezielt die Kundenwünsche erfragten“, um entsprechend individuell zu beraten. Gegenüber der Reisebuchung im Internet zeigten sich aber die Vorteile einer persönlichen Beratung im Reisebüro deutlich. Fragen und Sonderwünsche der Kunden würden direkt geklärt und berücksichtigt. Nur sollte man seine Vorstellungen deutlich äußern, um passgenaue Angebote zu bekommen.

Derpart geht mit dem Qualitätsurteil „gut“ als Testsieger aus der Servicestudie hervor. Das Unternehmen überzeuge mit der besten Beratung in den Reisebüros, die sich durch Kompetenz und Freundlichkeit der Mitarbeiter auszeichne, heißt es. Die Angestellten nähmen sich viel Zeit, gingen individuell auf die Kundenwünsche ein und erfragen sehr ausführlich die Reisevorstellungen. Auch am Telefon sei die Beratung freundlich und souverän. Eine zügige und gute E-Mail-Bearbeitung runde das positive Gesamtbild ab.

Den zweiten Rang belegt First Reisebüro, ebenfalls mit dem Qualitätsurteil „gut“. Profilieren kann sich die Tui-Kette laut DISQ mit sehr guten Beratungsleistungen in den Filialen. Die motivierten Reiseexperten täeten ausgesprochen hilfsbereit auf und beantworteten Fragen vollständig. Bei den Reiseangeboten gingen sie auf die persönlichen Bedürfnisse ein und präsentierten verschiedene Alternativen. Die Wartezeiten bis zum Gesprächsbeginn fielen zudem äußerst kurz aus.

DER Reisebüros nehmen mit einem gleichfalls guten Gesamtergebnis den dritten Rang ein. Bei der Beratung gingen die Mitarbeiter freundlich und individuell auf die Kunden ein – sowohl in der Filiale vor Ort als auch am Telefon. Die Reisebüros punkten mit „sehr einladend gestalteten und sauberen Filialen“.

Das Institut testete 13 Reisebüroketten mit bundesweit jeweils mindestens 60 Filialen unter einheitlichem Markenauftritt. Die Messung der Servicequalität erfolgte über je zehn verdeckte Besuche in einzelnen Reisebüros einer jeden Kette. Untersucht wurden unter anderem die Beratungskompetenz und Freundlichkeit der Mitarbeiter, die Warte- und Öffnungszeiten sowie die Gestaltung und Sauberkeit der Räumlichkeiten. Im Rahmen der Serviceanalyse wurden bei jedem Unternehmen zudem jeweils zehn verdeckte Telefon- und E-Mail-Tests durchgeführt. Insgesamt flossen 390 Servicekontakte mit den Reisebüros in die Auswertung ein.

Zum Testergebnis im Detail gelangen Sie hier.

22. Februar 2018 – 13:30

Der Verband Internet Reisevertrieb (VIR) aktuelle Daten zum Stand der Sommerbuchungen im Online-Reisevertrieb auf der Grundlage von Traveltainment-Zahlen erhoben. Demnach schiebt sich das türkische Antalya vor Palma de Mallorca an die Top-Position. Hinter Palma folgen Heraklion auf Kreta sowie Hurghada in Ägypten – dahinter Fuerteventura, Rhodos, Las Palmas auf Gran Canaria, Burgas, Kos und Varna.

Auf der Fernstrecke behauptet sich Punta Cana in der Dominikanischen Republik auf Platz eins. Hinter dem Karibikziel landet Dubai, gefolgt von Male, Phuket, Cancún, Mauritius und Colombo. Danach kommen Denpasar auf Bali, das kenianische Mombasa sowie Abu Dhabi auf Platz 10.

Das stärkste Wachstum auf der Nahstrecke verbucht mit einem dreistelligen Prozentplus das ägyptische Sharm El Sheikh. Ein Aufwärtstrend in ähnlicher Größenordnung sei zudem für das tunesische Djerba zu beobachten, so der VIR. Weitere Gewinner seien Izmir sowie das marokkanische Agadir mit einem hohen zweistelligen prozentualen Wachstum gegenüber den Sommerbuchungen von 2017. Bei den Ferndestinationen könnten die Seychellen, Mombasa sowie Denpasar die größten Zuwächse für sich verbuchen.

 

21. Februar 2018 – 15:42
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NDC (New Distribution Capability) ist der von der Airline-Organisation Iata entwickelte Datenübertragungsstandard, der kurz gesagt dazu dienen soll, Zusatzleistungen, die früher in den Ticketpreis eingeschlossen waren, sichtbar und Buchbar zu machen. In Europa machen die Extragebühren nach einer Erhebung der Beratungsgesellschaft Idea Works mittlerweile fast zehn Prozent der Airline-Umsätze aus.  

Am Montag teilte das GDS Travelport mit, es verfüge nun über die Voraussetzung, um Ancillaries über den neuen Industriestandard zu vertreiben.Fluggesellschaften, die mit NDC arbeiten, können dem Vertrieb damit ihren Content über Travelport zur Verfügung stellen. Die neuen Möglichkeiten sollen in die bestehenden Produkte für Fluggesellschaften und Vertriebspartner integriert werden, „so dass traditioneller Content und die über NDC eingespielten Inhalte parallel zur Verfügung stehen“, kündigt Travelport an. Reisebüros erhalten so in ihrem gewohnten IT-Umfeld Zugriff auf beides.

Nun kündigt auch Marktführer Amadeus an, das Thema mit Hochdruck zu verfolgen. Ein neu aufgelegtes Projekt mit dem Titel NDC-X soll „die Industrialisierung von NDC“ vorantreiben. Das Programm bringe Fachleute aus verschiedenen Abteilungen von Amadeus zusammen und will sich über einen so genannten Test-and-Learn-Ansatz auf praktische Anwendungsfälle des Standards konzentrieren. Leiter des Projekts, das laut Amadeus „strategische Priorität“ hat, ist Gianni Pisanello, der schon diverse Positionen im Airline-Geschäft von Amadeus bekleidete – sowohl auf der IT- als auch auf der Distributions-Seite, wie der Konzern betont. Sein Ziel sei es, „NDC für alle Mitglieder der Reisebranche zum Funktionieren zu bringen“.

Die hektischen Aktivitäten der IT-Dienstleister markieren den Abschluss einer Kehrtwende. Denn die GDS hatten NDC lange als Bedrohung wahrgenommen und argumentiert, sie könnten den Vertrieb von Ancillaries auch ohne den neuen Standard, dessen Integration in ihre Systeme sie vor komplexe Herausforderungen stellt, unterstützen. Die Airlines hatten ihrerseits die Schwerfälligkeit der großen Technikanbieter kritisiert und damit argumentativ die Notwendigkeit untermauert, mehr in den Direktvertrieb zu investieren – und den GDS-Vertrieb schließlich mit höheren Gebühren zu belegen. Nicht ohne Ironie ist in diesem Zusammenhang, dass etwa Amadeus die Lufthansa bei der Entwicklung von „Direct-Connect“-Schnittstellen für Reisebüroorganisationen und Großkunden unterstützte. Zumindest die Debatte um die Existenzberechtigung von NDC ist nun wohl endgültig Vergangenheit. Airlines und GDS werden das Tempo bei der Auslotung neuer Erlösmöglichkeiten mittels des neuen Standards im Eiltempo vorantreiben.

21. Februar 2018 – 12:40
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Die Gewerkschaft Verdi und die DRV-Tarifgemeinschaft haben sich auf eine Erhöhung der Gehälter und der Vergütungen für die Angestellten in der Touristik verständigt. Die tarifliche Einigung, die laut Verdi „nach schwierigen Verhandlungen“ zustande kam, sieht vor, dass die Gehälter und Leistungszulagen der Azubis zum 1. April um 2,5 Prozent angehoben werden. Azubis erhalten außerdem jeweils 40 Euro brutto mehr zum 1. April und zum 1. Oktober. Reiseverkäufer im Vertrieb, die im eigenen Unternehmen ausgebildet werden, erhalten bei einer Übernahme ab dem 1. April als Einstiegsgehalt die Vergütung der Beschäftigungsgruppe C Stufe 2. Bisher erfolgte im ersten Jahr der Übernahme eine Eingruppierung in Stufe 1. Die Differenz zwischen beiden Stufen beträgt rund 200 Euro brutto im Monat. Lang ist die Laufzeit des neuen Gehaltstarifvertrages nicht. Er kann zum 31. März 2019 gekündigt werden.

Die Verdi-Tarifkommission hat dem Verhandlungsergebnis mehrheitlich zugestimmt. 2,5 Prozent mehr Gehalt und insgesamt 80 Euro brutto mehr für die Auszubildenden seien „akzeptabel“, heißt es. Erfreulich sei das höhere Einstiegsgehalt im Vertrieb. Zudem sieht es die Gewrerkschaft als Erfolg, dass es ihrer Tarifkommission gelungen sei, einen geplanten „Angriff“ der Arbeitgeberseite  auf den besonderen Kündigungsschutz für langjährig beschäftigte Arbeitnehmer abzuwehren.

Für die Arbeitgeberseite erklärt Volker Fasbender, Geschäftsführer der DRV-Tarifgemeinschaft, mit dem Abschluss sei „neuerlich ein positives Zeichen für das Funktionieren der Tarifautonomie in unserer Branche gesetzt worden“. Er hält die Tabellenerhöhung für „angemessen“, denn sie trage der aktuellen Situation der Branche Rechnung. Zwar seien einige Zielgebiete wieder gut angelaufen, allerdings stellten sich die Margen „noch nicht auskömmlich dar“. Mit der „abermalig überproportionalen Anhebung der Ausbildungsvergütungen“ sicherten die Unternehmen „die Attraktivität unserer Branche bei den Nachwuchskräften auch unter dem Vergütungsaspekt“.

Bisher erhalten Azubis im ersten Lehrjahr 717, im zweiten 828 und im dritten 972 Euro im Monat. Das Einstiegsgehalt nach erfolgter Übernahme beträgt im Veranstalterbereich aktuell noch 1.954 und im Vertrieb 1.884 Euro.

20. Februar 2018 – 17:13
a3m

Den Ausnahmezustand rufen Staaten aus, wenn sie sich akut in seiner Sicherheit bedroht fühlt. Das Tübinger Unternehmen A3M, spezialisiert auf Krisenwarnung für Reiseveranstalter und Unternehmen, hat untersucht, für welche Reiseländer dies derzeit Auswirkungen hat.

Neben Tunesien befindet sich auch Ägypten nach der Serie von innenpolitischen Auseinandersetzungen und Terrorattacken nach wie vor im Ausnahmezustand. Die Türkei hat ihn seit dem Putschversuch im Sommer 2016 ebenfalls immer wieder verlängert. Relativ neu hinzu kamen die Malediven, die den Ausnahmezustand aufgrund von politischen Unruhen in der Hauptstadt Male ausriefen.

In Europa hatte Frankreich unter Präsident Hollande nach den Anschlägen von November 2015 in Paris besondere Sicherheitsmaßnahmen verhängt. Nach mehrmaliger Verlängerung wandelte das Land unter dem neuen Präsidenten Macron den Ausnahmezustand in ein Anti-Terrorgesetz um. Darüber hinaus verzeichnete A3M in seiner Ereignis-Datenbank kürzlich weitere Länder in entsprechenden Situationen. Diese waren jedoch größtenteils von akuten und oftmals nicht lang anhaltenden Ereignissen ausgelöst. In Paraguay sorgten zum Beispiel Überschwemmungen dafür – ebenso in Provinzen Argentiniens und Gemeinden Boliviens. In Jamaika waren kriminelle Zwischenfälle in Saint James Parish kürzlich dafür verantwortlich, in Tonga der jüngste Zyklon Gita.

Für die einzelnen Länder hat der Ausnahmezustand, der auch unter anderen Begriffen geführt wird, unterschiedliche Auswirkungen. So ermöglicht er in der Regel eine leichtere Strafverfolgung, Durchsuchungsmaßnahmen von Häusern Terrorverdächtiger oder auch Ausweiskontrollen innerhalb des Schengen-Raums wie im Falle von Frankreich.

Für Reisende, so A3M-Geschäftsführer Tom Dillon, habe der Ausnahmezustand sehr unterschiedliche Auswirkungen. Auf den Malediven betreffe eine entsprechende Reisewarnung ausschließlich die Hauptstadt und nicht die Resort-Inseln. Bei Ägypten, Tunesien und der Türkei sei es hingegen prinzipiell ratsam, vor der Reise Quellen wie das Auswärtige Amt zu konsultieren.

 

20. Februar 2018 – 15:25
gowindirk

Dirk Gowin, langjähriger Produktchef beim Luxusreisespezialisten Windrose, hat sich selbstständig gemacht und zusammen mit dem Consolidator Aerticket den Berliner Veranstalter Select – exklusives Reisen gekauft. Unter der Marke Select Luxury Travel will er jetzt durchstarten und hat dafür in seinem kleinen Team eine Menge Erfahrung um sich geschart. Allein fünf der aktuell zehn Mitarbeiter stammen von seinem früheren Arbeitgeber, und zusammen werfen sie 210 Jahre Luxusreiseerfahrung in die Waagschale, wie Gowin betont. Gloobi.de sprach mit dem frisch gebackenen Unternehmer über seine Pläne und Ideen sowie die Perspektiven im Luxusreisemarkt.

Das Gespräch führte Christian Schmicke

Herr Gowin, braucht der Markt einen weiteren Anbieter im Luxussegment?
Gowin:
Experten gehen davon aus, dass der Luxusreisemarkt mittelfristig um sechs bis zehn Prozent pro Jahr wächst. Da ist ganz sicher noch Platz. Außerdem wollen wir nicht irgendein Luxusreiseanbieter sein, sondern den Markt mit viel Expertise und einer persönlichen Rundum-Betreuung unserer Kunden bereichern.

Sie haben dafür zusammen mit dem Consolidator Aerticket den Veranstalter Select – exklusives Reisen übernommen. Was beinhaltet die Übernahme konkret?
Wir haben den Veranstalter, der seit 20 Jahren vornehmlich in Berlin und dem regionalen Umfeld aktiv ist, inklusive des Kundenstamms und vorhandener Buchungen übernommen. Das bisherige Büro in Berlin-Dahlem wurde geschlossen.

Sie sind schon lange im Luxussegment aktiv – wie definieren Sie eigentlich Luxus?
In der Tat wird der Begriff auch von den Kunden ganz unterschiedlich interpretiert. Aber es gibt Elemente, die die Erwartungen durchgehend prägen. Dabei geht es um einen echten Dienst am Kunden mit festem Ansprechpartner und ohne Callcenter, kenntnisreiche Reiseleitung und oft auch um die Rolle als Türöffner zu einzigartigen Reiseerlebnissen, die wir durch Erfahrung und persönliche Kontakte unseres Teams bieten können.

Was werden Sie anbieten?
Zum einen maßgeschneiderte A-la-Carte-Reisen und zum anderen individuelle Badereisen. Zudem werden wir unsere Reisen als weiße Ware in den Markt anbieten, die unsere Partner unter ihrer Marke in den Markt bringen und dabei von unserer Expertise profitieren.

Werden Sie sich auf Zielgebiete spezialisieren oder kann man mit einem so kleinen Team die ganze Welt abdecken?
Wir werden uns auf die Regionen konzentrieren, in denen wir uns auskennen. Unser Versprechen an die Kunden besteht ja gerade darin, dass wir ihnen zum Beispiel sagen können, wir kennen das schönste Zimmer im Boutique Hotel ihrer Wahl in Patagonien. Deshalb umfasst unsere Palette zunächst Afrika, den Nahen und Mittleren Osten, den Indischen Ozean, Südostasien, Fernostmit Japan und Südamerika. Das Produkt für Europa weiten wir nach und nach aus und dann folgt etwa Australien. Wir wollen behutsam wachsen.

Wie stellen Sie sich Ihr Kundenprofil vor?
Grundsätzlich geht es um Menschen, die bereit sind für unverwechselbare Erlebnisse 10.000 bis 15.000 Euro pro Reise auszugeben. Die findet man in der Regel in der Altersgruppe ab 45 Jahren, also im wachsenden Segment der Babyboomer und Best Ager um die 70. Aus der Marktforschung wissen wir, dass diese Menschen zwei bis drei Reisen pro Jahr unternehmen.

Welche Rolle spielt Ihr Mitgesellschafter Aerticket dabei?
Zum einen beziehen wir über ihn als Consolidator die Flüge. Das ist für beide Seiten attraktiv, weil wir auf günstige Preise zugreifen können. Im Gegenzug nehmen wir Aerticket einen hohen Anteil an Flügen in den Premiumklassen ab. Außerdem stellt Aerticket für uns die Technik und spielt mit dem AER-Verbund eine wichtige Rolle im Vertrieb.

A propos Vertrieb – welches werden Ihre wichtigsten Kanäle sein?
Reisebüros werden die zentrale Rolle spielen. Wir bieten unseren Vertriebspartnern eine Grundprovision von zehn Prozent und alternativ die Möglichkeit, zu Nettopreisen bei uns einzukaufen. Wie Select Luxury Travel den Luxusreisemarkt erobern will. Außerdem werden wir in der Beratung neue Wege gehen.

Wie dürfen wir uns das vorstellen?
Zum Beispiel so, dass sich unser Betreuer für ein Beratungsgespräch im Reisebüro via Telefonkonferenz dazu schaltet. Auf diese Weise können die wichtigsten Fragen im direkten Dialog geklärt werden. Details über Chats oder E-Mails zu klären, wird dann deutlich einfacher.

In den vergangenen Jahren haben auch große Veranstalter ihr Engagement im Luxussegment verstärkt. Wie wollen Sie gegen deren Marktmacht bestehen?
Indem wir unsere Stärken ausspielen. Luxusgäste brauchen Vertrauen und Expertenwissen. Und ihre Betreuung ist zeitintensiv, die Befriedigung hochgradig individueller Wünsche lässt sich nicht einfach automatisieren. Das ist mit der Skalenökonomie, die das strategische Konzept großer Unternehmen prägt, nicht vereinbar – diese Erfahrung haben sie schon gemacht und sie werden sie auch künftig noch machen.